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Torsten Buschmann
Buschmann, Torsten; Foto: SWR3
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Wer sich mit seinem Partner streitet, sagt auch gerne mal „Ich hab Stress mit meinem Freund“. Und da ist mehr Wahres dran, als man vielleicht im ersten Moment vermuten würde – zumindest aus gesundheitlicher Sicht. Aber was passiert eigentlich in unserem Körper, wenn wir streiten?

Streit ist ein Stressfaktor. Das heißt: Für unseren Körper gibt es keinen großen Unterschied, ob wir gerade unter Zeitdruck wahnsinnig viele Sachen erledigen müssen oder uns mit jemandem streiten. Der Körper schaltet sich in den Stressmodus. Und wer viel streitet, hat viel Stress.

Peter Kirsch ist Stressforscher am Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mannheim. Er erklärt, wie sich Stress auf unsere Gesundheit auswirken kann: „Auf der psychischen Ebene können depressionsartige Zustände kommen. Der Menschen ist dann sehr niedergeschlagen, kann keine Freude empfinden – auch außerhalb der Beziehung. Aber es gibt auch körperliche Stressfolgeerkrankungen, wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen.“

Dauerhafter Streit kann krank machen

Junge Frau und junger Mann mit einem Dosentelefon, beide schreien in eine Blechdose hinein; Foto: imago

Wenn wir streiten, schaltet sich der Körper in den Stressmodus.

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Sich hin und wieder mal streiten, macht unserem Körper gar nichts aus – wird das aber permanent, kann sich einiges ändern. „Wenn ich dauerhaft unter Stress stehe, dann bricht irgendwann diese Regulation zusammen. Das Immunsystem ist dann nicht mehr in der Lage, bei entstehenden Infektionen gegenzusteuern. Und deswegen kann man häufiger krank werden, wenn man chronisch unter Stress steht“, so Kirsch.

Wie heftig wird gestritten?

Aber nicht nur das wie oft spielt eine Rolle, sondern auch wie heftig so ein Streit ist. Stressforscher Kirsch weiß: „Auch ein einziger Streit kann so intensiv sein, dass er eine traumaartige Reaktion auslöst. Wenn es zum Beispiel zu einer körperlichen Auseinandersetzung oder zu massiver Erniedrigung kommt, dann kann auch ein einmaliger Streit langfristige psychische und körperliche Konsequenzen haben.“

Situation meistern

Wir können es aber auch steuern, wie sehr uns so eine Streitsituation zu schaffen macht. Zwei Dinge können laut Peter Kirsch die Situation erleichtern: „Da gehört die Einstellung dazu, ob ich optimistisch oder zuversichtlich bin, dass ich mit meiner Belastung zurechtkomme. Das Zweite ist die soziale Unterstützung: Menschen, die ein soziales Netz haben, die Menschen haben, die sie in belastenden Situation unterstützen, werden seltener krank, wenn sie länger unter Stress stehen.“

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Tipps, um von Streit nicht krank zu werden

  1. An der eigenen Einstellung arbeiten: Denk positiv!
  2. Mit Freunden und Familie reden, die einen unterstützen.

Bindungshormon reduziert Stress

Und: Wie gut unser Körper mit Streit klarkommt, hängt auch davon ab, wie gut die Beziehung zu unserem Partner ist. Grund dafür ist das Bindungshormon Oxytocin. „Oxytocin wird dann ausgeschüttet, wenn ich mich mit einem anderen Menschen verbunden fühle. Das Gute: Es hat eine deutliche Stress reduzierende Wirkung. Wenn ich also auch im Streit eine enge Bindung zu meinem Partner habe und mich ihm verbunden fühle, dann führt es dazu, dass sich diese Streitsituation weniger auf meine körperliche Stressreaktion auswirkt.“