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Sabrina Kemmer
Sabrina Kemmer, SWR3; Foto: SWR3
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Beziehung: ja, Sex: nein! Für viele ist das unvorstellbar. Menschen, die keinen Sex wollen, sind häufig asexuell. Sie finden daran nichts schön – sie brauchen es nicht. Woher weiß man, ob man asexuell ist? Wie fühlt man sich mit Asexualität? Sexualtherapeutin Corinna Pette erklärt's.

Wie merke ich, dass ich asexuell bin?

Asexuelle Menschen haben überhaupt kein Verlangen nach sexueller Interaktion - auch wenn sie verliebt sind. Wir kennen das ja alle – wenn man sich verliebt, bekommt man Lust, will den anderen körperlich spüren. Das ist eigentlich die Phase, in der man häufig am meisten Lust auf Sex hat. Das kennen diese Menschen nicht.

Wann kann man asexuell werden?

Asexualität kann schon in der Pubertät auftauchen, wenn bei anderen die Lust kommt. Alle reden darüber, man will dazugehören, aber kennt das Phänomen überhaupt nicht. Es kann aber auch erst im Laufe des Lebens auftauchen. Asexuelle Menschen können Sex haben, aber sie können dem nichts abgewinnen. Das ist so, wie wenn ich Nudeln koche. Sie können Orgasmen haben und befriedigen sich auch selbst, aber eher, weil sie es ausprobieren wollen oder denken man müsste es machen. Ein schönes Gefühl ist es für sie nicht.

Nudeln; Foto: SWR3
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Welche Arten von Asexualität gibt es?

Es gibt asexuelle Menschen, die durchaus Sex haben. Es hat für sie aber eine andere Bedeutung. Und es gibt Leute, die sagen: Ich hab das Verlangen nicht, also lebe ich es nicht. Der Wunsch nach Beziehung ist bei ihnen genauso da. Dann ist Sex einfach eine Entscheidung, wenn es dem Partner wichtig ist. Ihnen ist es nicht wichtig und sie bräuchten es persönlich nicht.

Ist wissenschaftlich belegt, woher das kommt?

Nein, das weiß man nicht. Wenn es eine sexuelle Orientierung ist, gibt es unterschiedliche Theorien: Es kann durch negative Erfahrung entstehen, aber es kann auch etwas Angeborenes sein – so wie Homosexualität zum Beispiel auch.

Seit wann ist Asexualität ein Thema?

Asexualität ist ein Phänomen, das erst in den letzten Jahren breiter diskutiert wird. Obwohl es schon in den 50er Jahren aufgetaucht ist. Mittlerweile ist der gesellschaftliche Druck immens. Sex wird immer als etwas verkauft, was man haben muss, was immer toll ist. Es gibt einfach Menschen, die das nicht so empfinden. Da haben sich zunehmend Menschen gruppiert und sind damit auch an die Öffentlichkeit gegangen – ein Trend, der eigentlich von den USA aus ging.

Die Antworten von Diplom-Psychologin Vivian Jückstock im Chat: