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In vielen Filmen gibt es intime Sexszenen, Nacktheit, Gewalt. Das ist für Schauspieler und Schauspielerinnen nicht immer angenehm, Emilia Clarke von Game of Thrones berichtete erst kürzlich von negativen Erfahrungen. Eine sogenannte Intimitätskoordinatorin will das ändern – mit strengen Regeln.

James Bond, Titanic, Fifty Shades of Greywas haben diese Filme gemeinsam? Richtig, sie sind Hollywood-Kracher mit berühmten Schauspielern. Aber sie haben noch eine Gemeinsamkeit: In jedem dieser Filme gibt es intime Szenen, Sexualität und Nacktheit. Doch wie geht man am Set von Filmen oder Serien mit dem Drehen von Sexszenen um?

Emilia Clarke über Nackt- und Sexszenen bei Game of Thrones

Emilia Clarke erzählte kürzlich in einem Podcast über ihre Anfänge als Schauspielerin bei Game of Thrones.

Ich war in einer anderen Welt, ich hatte keine Ahnung, was zu tun war.

Emilia Clarke

Sie sei damals jung und unerfahren gewesen und habe mehr von sich gezeigt, als sie eigentlich wollte. Diese Äußerung nehmen nun viele zum Anlass, um über dieses Thema zu sprechen. Und auch in Deutschland gibt es einen Wandel in Sachen Intimität vor der Kamera und generell bei Drehs.

Intimitätskoordinatorin Julia Effertz: erstmalig in Deutschland

Intimkoordinator; Foto: Julia Effertz

Intimitätskoordinatorin Julia Effertz

Julia Effertz

Julia Effertz ist die erste Intimitätskoordinatorin in Deutschland. In anderen Ländern, wie in den USA, gibt es diesen Job schon länger. Als Intimitätskoordinatorin fungiert Julia als Vermittler zwischen Regisseur und Schauspielern. Im SWR3-Interview mit Nicola Müntefering erzählt sie: „Ich setze mich mit dem Regisseur und den Schauspielern zusammen und wir führen ein offenes Gespräch über intime Szenen des Films, in dem jeder offen darüber sprechen kann, was er möchte und was nicht.“

Intime Szenen im Film sind wie eine Choreografie mit Regeln

„Während des Gesprächs werden Vereinbarungen getroffen über bestimmte Berührungen und Körperregionen, die tabu sind. Diese Vereinbarungen sind verbindlich und wenn tatsächlich mal eine Hand verrutscht, die dort nicht sein sollte, dann wird direkt darüber gesprochen. Das darf natürlich nicht passieren“, erzählt die Intimkoordinatorin im SWR3-Interview.

Bei Nackt- oder Sexszenen sorgen klare Regeln für Entspannung und letztlich für mehr Freiheit.

Julia Effertz

Man könne die Bewegungen so einer erotische Szene mit einer Choreografie vergleichen. Die müssten die Darsteller vorher einstudieren, da sollte auch nichts Unvorhersehbares passieren, das nicht im Drehbuch steht oder von der Regie nicht vorgesehen ist.

Schauspieler sollen sich bei Sexszenen im Film wohlfühlen

Die Aufgabe von Julia Effertz und anderen Intimitätskoordinatoren ist deshalb in erster Linie: Die Darsteller sollen sich sicher und wohl fühlen. „Ich rede auch mit den Kostüm-Kollegen, sorge für Bademäntel am Set oder kümmere mich um hautfarbene Slips oder sonstige Intim-Bedeckungen. Die jeweiligen Schauspieler werden natürlich mit eingebunden und wenn sie sich in einem Outfit nicht wohlfühlen, dann wird darüber gesprochen und gegebenenfalls ein anderes Kostüm verwendet oder eine andere Kameraeinstellung.“

Intimitätskoordinatorin: „Jeder weiß, wie Sex funktioniert“

Warum der Job des Intimkoordinators bei einer Produktion erst jetzt nach Deutschland überschwappt, ist nicht ganz klar. Julia Effertz vermutet darin eine Grauzone.

Jeder weiß, wie Sex funktioniert. Aber es ist eben auch eine Grauzone, in der Machtmissbrauch und emotionale Verletzung entstehen können.

Julia Effertz

Es habe einfach lange gebraucht, bis das Bewusstsein dafür entstanden sei. Aber die zahlreichen Verletzungen in diesem Bereich zeigten, wie wichtig es sei, dass es heute so etwas gibt.