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Am 20. Mai war der erste Weltbienentag. Die Vereinten Nationen haben ihn ausgerufen, um auf das Sterben von Wildbienen aufmerksam zu machen. Aber was können wir selbst mit Insektenhotels und bienenfreundlichen Produkten beitragen?

Neuer Trend: bienenfreundliche Produkte

Wissenschaftler versuchen schon länger, Möglichkeiten zu finden, um gegen das Insekten- und Vogelsterben vorzugehen. Zum ersten Mal haben auch die Vereinten Nationen einen Weltbienentag ausgerufen, um Aufmerksamkeit für die Lage der Insekten zu schaffen. Auch die Verbraucher sollen ran und ihrerseits einen Beitrag leisten. Vermittler für die gute Tat sind Discounter und Supermärkte. Die haben gerade vermehrt Produkte ins Sortiment gepackt, mit denen jeder von uns etwas gegen das Insektensterben tun können soll. Natürlich ist auf jeder Verpackung ganz deutlich und unübersehbar das Label drauf – denn wer will nicht gerne etwas kaufen, mit dem man noch etwas für die Umwelt tut? Manche Experten befürworten die neue Produktpalette, weil sie zumindest eines bringt: Aufmerksamkeit für das Problem mit den Bienen. Aber was können die Produkte darüber hinaus?

Fünf Cent pro Packung für die Bienen

Angebot Nummer Eins: Wir können Bonbons kaufen, in denen Honig drin ist. Ein Teil des Kaufbetrags geht als Spende an eine Organisation, die sich um den Schutz der Art kümmert. Bei Aldi Süd beispielsweise gehen fünf Cent an den Bund für Umwelt- und Naturschutz. Werner Eckert aus unserer Umweltredaktion sieht das kritisch – vor allem die Produkthersteller und Supermärkte würden davon profitieren.

Da geht's wesentlich um Marketing. Das ist bei den Verbrauchern in und da fragt keiner danach, was es so wirklich soll.

Werner Eckert, Umweltredaktion

Fünf Cent findet er, seien zu wenig und würden selbst in Summe nicht viel gegen das Bienensterben ausrichten können. Eine ähnliche Aktion gibt es bei Edeka schon länger – hier wird für Tierschutzorganisationen wie den WWF (World Wildlife Found) gesammelt.

Bienenfreundliche Beetpflanzen vom Discounter

Beim Discounter Lidl gibt es ebenfalls mittlerweile bienenfreundliche Produkte. Beispielsweise bienenfreundliche Beetpflanzen mit besonders viel Nektar. Das könnte gegen den besagten Nahrungsmangel helfen und sei ein sinnvoller Beitrag im eigenen Garten, so die Einschätzung unseres Experten Werner Eckert.

Natürlich bringt ein einzelnes Tütchen, ausgesät im eigenen Garten oder auf dem Balkon, noch keinen Umschwung – aber wenn ganz viele Menschen das machen, dann kann das in Summe schon helfen. Denn was für die Insekten besonders schlimm ist, ist kahlgeschorener Rasen. Oder auch exotische Pflanzen, die zwar total toll aussehen, aber keine Nahrungsquelle für unsere einheimischen Insekten bieten können.

Insektenhotel – was bringt das?

Insektenhotel für Wildbienen; Foto: dpa

Insektenhotels kann man kaufen, aber auch selber basteln – hier sollen Wildbienen ein neues Zuhause finden.

dpa

Auch immer häufiger in Baumärkten, Supermärkten und Werbeprospekten: die sogenannten Insektenhotels. Insektenhotels sind aus Holz gebaute Häuschen mit vielen unterschiedlich großen Löchern und Versteckmöglichkeiten drin. Die Idee dahinter: Das Häuschen soll den Insekten einen neuen Lebensraum bieten, der ihnen ja mittlerweile insbesondere in Siedlungen und Städten oft fehlt. Das kann funktionieren, sagt unser Umwelt-Experte – allerdings nur dann, wenn noch weitere Maßnahmen ergriffen werden. Die Insekten müssen auch Nahrung finden, das sei das Hauptproblem.

Wenn die Insekten keine Nahrung finde, ist ein Insektenhotel schnell mal wie ein Neubau auf einer grünen Wiese, wo du stundenlang in den nächsten Laden fahren musst, um etwas zu essen zu kriegen. Dann hat das auch keinen höheren Sinn.

Werner Eckert

Es braucht also ein Gesamtpaket – Insektenschutz ist mehr als ein Produkt zu kaufen. Wer zum Insektenhotel greift, sollte sich das Produkt genau angucken. Es gibt sie in verschiedenen Größen und Ausführungen, im besten Fall steht schon drauf, für welche Insekten sie geeignet sind. Denn eine Wildbiene zieht nicht überall ein, genauso haben auch andere Insekten ihre Vorlieben für einen Unterschlupf. Und: Das Häuschen genügt nicht, der restliche Garten sollte auch etwas hergeben.

Welche Tiere können in einem Inesktenhotel leben?; Foto: dpa

Tipps für alle, die ein Insektenhotel selber bauen wollen: Unterschiedliche Insekten haben unterschiedliche Vorlieben.

dpa

Eure Erfahrungen mit Insektenhotels

SWR3-Hörer Andreas aus Mühlingen macht diesbezüglich alles richtig. Er hat mit Nicola Müntefering in der SWR3 Vormittagsshow gesprochen und erzählt, dass er bereits seit zwei Jahren so ein Insektenhotel aufgestellt hat. Weil der Andrang so groß ist, hat er acht weitere „Hotels“ aufgemacht.

Die waren ruckzuck bis zu 80 Prozent voll. Aber wir haben auch ein entsprechendes Angebot an Blumen und Obstbäumen drum herum.

SWR3-Hörer Andreas aus Mühlingen

Wichtiger Hinweis unserer Hörer: Es müssen gar nicht die gekauften Insektenhotels sein. Man kann die auch selber basteln, das ist viel günstiger und spielt der Marketing-Masche der Supermärkte nicht in die Hände. SWR3-Hörer A. Breyer aus Monthern hat außerdem noch eine andere Erklärung dafür, weshalb die gekauften Häuschen manchmal leerbleiben.

Hallo SWR3-Team, toll, dass das Thema Bienen behandelt wird. Wir haben Insektenhotels selbst gebastelt oder bei Naturschutzorganisationen gekauft. Die werden angenommen von den Wildbienen. Im Baumarkt gekaufte (oft recht günstige) haben wir auch ausprobiert. Sie blieben leer – ich vermute, dass die Belastung mit giftigen Farben oder sonstigen Mitteln die Bienen abgeschreckt haben. Auch heute, nach drei Jahren, ist das letztgenannte Modell leer während alle anderen Hotelzimmer voll besetzt sind und auch immer gleich wieder gefüllt werden, sobald die Vormieter ausgezogen sind.

SWR3-Hörer A. Breyer aus Monthern / Frankreich

Auch auf Facebook läuft die Diskussion. Danke vor allem für eure tollen Bilder und Tipps!

Was können wir gegen das Bienensterben tun?

Posted by SWR3 on Tuesday, May 15, 2018

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Das größte selbstgebaute Insektenhotel Europas

...steht übrigens in Kaisersbach-Gmeinweiler im Rems-Murr-Kreis und wurde von einer rüstigen Wandergemeinschaft gebaut. Coole Aktion!

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Trotzdem: Bei allen Aktionen und Ideen – wenn wir das Bienensterben wirklich beenden wollen, dann sind die Blümchen in den Siedlungen oder Insektenhotels im eigenen Garten nur ein Teil der Lösung. In der Fläche muss wieder Lebensraum geschaffen werden, muss wieder Nahrung her – das heißt: auch auf dem Acker, wo wir in manchen Regionen mit Pestiziden und Monokulturen viel kaputt gemacht haben.

Gründe für das Insektensterben

Im Wald gibt es Internet! Schon immer. Und zwar in jedem Wald: Das Wood Wide Web. Wie das funktioniert, wie schnell das ist und wie viel die Bäume dafür zahlen müssen, hat uns Deutschlands berühmtesten Förster, der Bestseller-Autor Peter Wohlleben verraten. Direkt im Wald, in der Eifel, in Hümmel.

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Siedlungsbau und Verstädterung sind Schlagwörter, besonders folgenreich sind aber die Monokulturen. Also, der Anbau beispielsweise von Mais oder Raps auf riesengroßen Feldern, auf denen es keine anderen Pflanzen gibt, die den Insekten Nahrung bieten könnten. In der Landwirtschaft benutzen wir Pestizide, die bei der Ernte einen hohen Ertrag versprechen, aber eben nicht nur die Schädlinge töten, sondern alle Insekten in der Umgebung. Die Folge: Das besagte Insektensterben. Seit Jahren haben wir immer weniger Bienen, Fliegen und Schmetterlinge.

Auch wenn das Europäische Gericht gerade die Beschränkungen für das Benutzen von bienengefährdenden Pflanzenschutzmitteln bestätigt hat – vielen Umweltschützern geht das nicht weit genug. Sie hoffen auf vollständige Verbote.

Der Nabu (Naturschutzbund Deutschland) warnt: Das Insektensterben ist kein Medien-Märchen, die biologische Vielfalt ist in Gefahr.

Nach Untersuchungen in NRW ist die Biomasse der Fluginsekten seit 1989 mancherorts um bis zu 80 Prozent zurückgegangen. Nicht nur die Zahl der Arten, sondern auch die der Individuen befindet sich in einem dramatischen Sinkflug.

Homepage der Nabu

Missverständnisse gibt es immer wieder, wenn von Bienensterben die Rede ist – denn es geht nicht um alle Bienenarten, sondern vorwiegend um die Bedrohung von Wildbienen. Neben Bienen und Insekten macht den Naturschützern aber auch immer häufiger der Bestand der Kleinvögel Sorgen.

SWR3 Topthema zum Insektensterben

Wir haben immer weniger Insekten – und wer jetzt denkt: „Klasse, das sind Insekten, die können weg“, dem erzählen wir jetzt mal, welche Konsequenzen das hat.
Das große Sterben der kleinen Tiere, das ist das SWR3-Topthema mit Klaus Sturm (von Oktober 2017).

Insekten: Das große Sterben der kleinen Tiere; Foto: SWR.de
3:04

Topthema vom 19.10.2017

Insekten: Das große Sterben der kleinen Tiere