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Für den Urlaub richtig packen ist so eine Sache. Wer denkt dabei schon an Abschleppseil, Feuerlöscher und Ersatzglühbirnen? Vor jeder Fahrt ins Ausland lohnt sich auf jeden Fall ein Blick auf die dortigen Verkehrsregeln und Gesetze. Sonst kann es ganz schön teuer werden.

Verbandskasten, Warndreieck, Warnweste – im heimischen Alltag wissen wir, was im Auto zu liegen hat. Im Ausland gelten da teilweise ganz spezielle Regelungen.

Sicherheit bedeutet in jedem Land was anderes

Warnweste; Foto: dpa/picture-alliance
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Warnwesten gehören, wie bei uns in Deutschland, auch in anderen Ländern zur Pflichtausstattung. Damit Pannenhelfer und Warnwesten auch nachts gesehen werden, gehen einige Länder in Sachen funktionierende Scheinwerfer auf Nummer sicher. Ersatzglühbirnen müssen in Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Serbien und auch in Russland in jedem Auto liegen. Da aber mittlerweile je nach Automodell nicht mehr so einfach die Birne gewechselt werden kann, gibt es zum Teil Ausnahmeregelungen für Xenon- und LED-Scheinwerfer.

In Kroatien setzt man in Sachen Sicherheit, vor allem für Wohnwagen noch einen drauf. Wer mit einem Wohnwagen unterwegs ist, braucht nicht nur ein Warndreieck, sondern zwei.

Sicher oder kurios?

Generell hat jedes Land kleine Besonderheiten, die man kennen sollte. Feuerlöscher sind in Bulgarien, Estland, Griechenland, Lettland, Litauen und Russland Pflicht; ebenso in Polen, allerdings nur für dort zugelassene Autos.

Ein Abschleppseil sollten Urlauber in Mazedonien und Bosnien-Herzegowina nicht vergessen. In Frankreich dagegen ist Privatpersonen das Abschleppen verboten. Navis dürfen in Luxemburg nur unten links an der Windschutzscheibe angebracht werden, um das Sichtfeld nicht zu beeinträchtigen. In Serbien ist ein Ersatzrad vorgeschrieben. In Norwegen sollten Raucher öfter eine Pause einlegen, denn dort ist das Rauchen am Steuer verboten.

Besser nichts trinken!

Alkoholtest; Foto: dpa/picture-alliance
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Ein Schlückchen in Ehren sollte man sich in einigen Urlaubsländern wirklich verkneifen, wenn man mit dem Auto unterwegs ist. Was in Deutschland mit seiner Promillegrenze von 0,5 okay ist, wird in manch anderen Ländern teuer.

Während in Malta und Großbritannien maximal mit 0,8 Promille gefahren werden darf, wurde die Grenze in Irland auf 0,5 Promille gesenkt. In den meisten skandinavischen Ländern gilt die 0,2 Promillegrenze und besonders in vielen östlichen Ländern wie Tschechien, der Slowakei, Ungarn oder Rumänien herrscht sogar ein totales Alkoholverbot.

Auch die Strafen fallen zum Teil sehr hoch aus. Wenn man in Dänemark betrunken fährt, wird ein Monats-Nettoeinkommen fällig, in Schweden sogar 40 Tagessätze, die sich am Einkommen orientieren. In Estland bezahlen betrunkene Fahrer bis zu 1150 Euro und wer in Großbritannien die Promillegrenze überschreitet, muss bis zu 5820 Euro zahlen. Es empfiehlt sich also vor jedem Urlaub zu schauen, wie die Regelungen vor Ort aussehen.

Eine kleine Entwarnung für Frankreich: 2012 gab es einige Aufregung über die Mitführpflicht von mobilen Alkoholtestern. Wie der ADAC bestätigt, gibt es diese Regelung offenbar seit 2013 nicht mehr.

Was will mir dieses Schild sagen?

Problematisch wird es, wenn man das mögliche Vergehen gar nicht erkennt, weil man die fremden Schilder oder Markierungen nicht richtig deutet. So gelten in Griechenland Halteverbotsschilder mit einer senkrechten Linie an ungeraden und mit zwei senkrechten Linien an geraden Monaten. In Spanien muss ein Parkverbot nicht extra ausgeschildert sein. Eine übersehene gelbe Linie am Bordstein reicht aus, um direkt einen 90 bis 200 Euro teuren Strafzettel zu kassieren.

Knöllchen; Foto: dpa/picture-alliance
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Neben Strafzetteln wie Falschparken, die wir direkt unter der Windschutzscheibe wiederfinden, kommt das Übel aber auch manchmal erst nach dem Urlaub per Post. Zum Beispiel, wenn wir in Italien durch eine „Zona Traffico Limitato“ – einen verkehrsberuhigten Bereich – fahren. Die gibt's in so ziemlich allen Touristädten. Erkennen kann man sie an dem roten Durchfahrtverbotsschild. Kontrolliert werden die meist per Videoüberwachung und dann kommt eben nach dem Urlaub Post. 

Auch in Frankreich gibt es seit einiger Zeit Umweltzonen. Die funktionieren prinzipiell genau wie unsere Umweltplaketten in Deutschland. Deutsche Plaketten werden in Frankreich aber nicht anerkannt. Darum sollte man sich vor dem Urlaub unbedingt darüber informieren, ob man innerhalb seines Urlaubs in oder durch eine Umweltzone fährt. Wer in Frankreich ohne entsprechende Umweltplakette in Umweltzonen erwischt wird, muss mit einem Bußgeld von bis zu 375 € rechnen.

Die Plakette in Frankreich heißt Crit'Air. Das steht für „certificat qualité de l'air“. Die bekommt man online über die Seite des französischen Umweltministeriums für knapp drei Euro. Die Umweltzonen erkennt ihr an einem rot-weiß eckigen Schild mit einem rot umrandeten Kreis in der Mitte. 

Da wird der Urlaub richtig teuer

Wer glaubt, dass Strafen aus dem Ausland in Deutschland nicht weiterverfolgt werden, der irrt sich. Seit einigen Jahren werden Strafen grenzübergreifend in der EU verfolgt. Heißt: Strafen über 70 Euro werden im Zweifel von den deutschen Behörden eingetrieben.

Geldstrafe; Foto: dpa/picture-alliance
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Im Europäischen Vergleich fallen die Strafen in Deutschland noch recht niedrig aus. So haben Frankreich und die Niederlande in diesem Jahr die Strafen generell drastisch erhöht – letztere im Schnitt sogar um 40 Prozent.

In Großbritannien kostet über 50 km/h zu schnelles Fahren 3000 Euro, in Frankreich 1500 Euro und in Österreich 2180 Euro. Besonders teuer sind die skandinavischen Länder. In Norwegen kann bereits eine Geschwindigkeitsüberschreitung von 1 km/h bis zu 400 Euro kosten.

Auch die Italiener bestrafen sehr streng: Geschwindigkeitsüberschreitungen in der Nacht sind rund ein Drittel teurer als tagsüber, Motorradfahrer ohne Helm bekommen für 60 Tage ihre Maschine abgenommen und bei Trunkenfahrten kann sogar das Auto beschlagnahmt, enteignet und versteigert werden. Auch Vergehen, die in Deutschland nur ein geringes Bußgeld kosten, können richtig teuer werden.

Während in Deutschland das Nichtanlegen des Sicherheitsgurtes 30 Euro kostet, werden in Frankreich 135 Euro, in Estland 190 Euro, in Griechenland 350 Euro und in Großbritannien sogar 600 Euro fällig.

In vielen Ländern sollten Strafen auch möglichst schnell bezahlt werden. In Griechenland verdoppelt sich die fällige Summe nach zehn Tagen. Dafür läuft es in Spanien genau umgekehrt – hier gibt es bei Zahlung innerhalb von 15 Tagen 50 Prozent Rabatt.

Autor
Malte Dedecek
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Katha Jansen
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SWR3