Stand:

Stimmt die „Fünf-Sekunden-Regel“? Muss ich den Ofen wirklich vorheizen? Wissenschaftler der Uni Bonn haben Haushalts-Tipps auf ihren Wahrheitsgehalt untersucht. Wir geben euch einen Überblick über Mythos oder Wahrheit.

Du stehst in der Küche und fragst dich mal wieder, wie das jetzt mit der richtigen Lagerung von Obst und Gemüse war? Im Internet gibt es jede Menge Foren zum Thema Haushalt und Küche. Doch auf deine Frage gibt es oft zehn verschiedene Antworten. Welche stimmt?

Die Universität Bonn hat nun gemeinsam mit der Verbraucherzentrale NRW ein von der Bundesstiftung Umwelt gefördertes Projekt durchgeführt: Küche mit Köpfchen. Ihr Ziel: Endlich verlässliche Antworten auf Fragen rund um die Küche zu finden.

Wir haben einige Antworten für euch zusammengefasst:

Essen, das länger als fünf Sekunden auf dem Boden gelegen hat, darf ich nicht mehr essen.

Diese Regel wird gerne von Eltern angewendet. Aber so einfach ist es nicht. Trockene Lebensmittel, also z.B. ein Stück Brot oder ein Keks, die auf einen glatten, sauberen Boden gefallen sind, bleiben in der Regel auch noch nach längerer Zeit essbar. Fällt der Keks allerdings auf einen schmutzigen Teppich, sollte man ihn lieber wegwerfen. Anders sieht das bei Lebensmitteln aus, die viel Wasser enthalten, also nass sind, z.B. eine Wassermelone. Die Feuchtigkeit nimmt Keime viel schneller auf – da kann schon eine Sekunde am Boden zu viel sein. Das gilt dann übrigens auch für den angesabberten Keks.

gallery-swr3-ETYWB; Foto: imago

Hygiene in der Küche ist wichtig – du kannst aber auch viel falsch machen.

imago

Rohes Geflügel wasche ich vor dem Kochen ab.

Nein, lieber nicht. Auf dem rohen Fleisch befinden sich zwar oft krankheitserregende Keime. Beim Waschen besteht aber das Risiko, dass das Spritzwasser deine halbe Küche verseucht. Die Keime auf dem Fleisch werden ganz einfach durch die hohen Temperaturen beim Braten oder Kochen getötet.

Schimmel schneide ich einfach großzügig weg und esse weiter.

gallery-swr3-ETYWB; Foto: imago

Verschimmeltes Brot: Nicht nur eklig, sondern auch giftig!

imago

Nein, tu das nicht! Nicht der sichtbare Schimmel ist für uns gefährlich, sondern bestimmte Stoffe, die vom Schimmelpilz gebildet und ausgeschieden werden – die sogenannten Mykotoxine. Und die verteilen sich z.B. im gesamten Brot oder Marmelade und bleiben da auch, wenn der sichtbare Schimmel entfernt wird. Also weg mit dem ganzen Brot oder dem Glas Marmelade!

Backofen vorheizen verbraucht nur unnötig Energie.

Stimmt. Vor allem bei Lebensmitteln, die schnell gebacken sind, wie z.B. Pommes, Pizza oder Brötchen, ist vorheizen absolut unnötig. Das Essen wird sogar schneller fertig, wenn du es schon in den kalten Ofen legst. Nur in wenigen Fällen, etwa bei sehr dünnem Flammkuchen, der schön kross werden soll, kann Vorheizen Sinn machen. Und noch mehr Energie und Geld kannst du sparen, wenn du den Ofen noch ein paar Minuten früher ausmachst und die Restwärme ausnutzt.

Obst kommt bei mir in den Kühlschrank.

Das kann schief gehen. Denn Zitrusfrüchte wie Orangen, Mandarinen, Grapefruit und exotische Früchte wie Ananas, Bananen, Mangos, Papaya und Maracuja sind kälteempfindlich. Das heißt, die werden ganz schnell braun. Frische Beeren, die du am besten schnell essen solltest, halten abgedeckt im Kühlschrank dagegen ein bis zwei Tage länger.

gallery-swr3-ETYWB; Foto: imago

Welches Obst darf in den Kühlschrank?

imago

Frühjahrsputz? Ja, dann kommt auch mein Kühlschrank endlich mal wieder dran.

Das ist viel zu selten! Der Kühlschrank sollte mindestens einmal pro Monat gereinigt werden. Da reicht übrigens warmes Wasser und Spülmittel. Desinfektionsmittel in der Küche sind nicht nötig. Außer ihr habt euch gerade eine fiese, hoch ansteckende Krankheit eingefangen.

Ich koche mittags frisch und halte es dann bis zum Abend warm, wenn die Gäste kommen.

Wenn, dann aber bitte die Temperatur über 65°C halten. Alles zwischen 7°C und 65°C gilt nämlich als gefährlich – da vermehren sich gerne die besonders fiesen Bakterien. Und du willst doch nicht, dass dein Besuch nach deinem Essen krank wird?! Also entweder du servierst dein Essen frisch gekocht. Oder – wenn du dazu keine Zeit hast – dann lass das Essen abkühlen, stell es kalt und wärme es dann am Abend wieder auf. Ein weiterer Vorteil: Beim Warmhalten gehen total viele Vitamine flöten. Und der Geschmack leidet auch oft.

Autor
Julia Lotz