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Nasensprays können süchtig machen. Über 100.000 Deutsche sind abhängig. Gehörst du auch dazu? Wir verraten dir, wie du das erkennst und was du dagegen tun kannst.

Abschwellende Nasensprays gibt es rezeptfrei in jeder Apotheke, sie gehören zu den meistverkauften Produkten. Doch so harmlos wie sie scheinen, sind sie nicht. Man sollte diese Sprays nämlich nicht länger als eine Woche benutzen.

Rapper Sido ist seit mehr als 15 Jahren süchtig – und will weg vom Nasenspray

Höchstens eine Woche sprühen – warum?

Die Wirkstoffe Xylometazolin oder Oxymetazolin darin bewirken, dass sich die Blutgefäße an den Nasenschleimhäuten zusammenziehen: Das Gewebe schwillt ab und der Benutzer kann wieder frei atmen. Das gefährliche daran: Bei längerer Anwendung gewöhnen sich die Schleimhäute an die regelmäßige Dosis. Als Folge kommt es zu einem Rebound-Phänomen. Das heißt, sobald die Wirkung des Nasensprays nachlässt, schwillt die Schleimhaut wieder an – und zwar mehr als vorher. Der dauerhafte Gebrauch endet also in einem echten Teufelskreis: Das Nasenspray lindert die Beschwerden, erhält sie aber gleichzeitig aufrecht.

Nasenspray – Daran merkst du, dass du süchtig bist; Foto: imago

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen schätzt, dass etwa 100.000 Menschen in Deutschland nach Nasenspray süchtig sind.

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Woran erkennst du, dass du abhängig bist?

  • Du hast das Gefühl, ohne Nasenspray nicht richtig atmen zu können.
  • Du hast chronischen Schnupfen.
  • Du gehst niemals ohne das Spray aus dem Haus.
  • Deine Nasen-Schleimhaut ist ausgetrocknet und blutet schnell.
  • Dein Geruchssinn lässt nach.

Hilfe, ich bin abhängig von Nasenspray – was nun?

Der Ausstieg vom Dauersprühen ist schwierig. Du kannst einen kalten Entzug machen und das Spray sofort absetzen. Ist nicht ganz leicht, denn nun musst du eine Zeit lang mit verstopfter Nase und mühsamer Atmung überstehen. Oder du setzt den Wirkstoff langsam ab, reduzierst also die Dosis kontinuierlich.

In ganz krassen Fällen bleibt nur eine Operation, bei der beispielsweise die Schwellköper in der Nase, die unteren Nasenmuscheln, verödet werden. Das Ziel ist es, dass der Patient dauerhaft Luft bekommt – ohne Nasenspray. Aber: Je länger man die Mittel genommen hat, desto höher ist das Risiko, die Nasenschleimhaut massiv und dauerhaft geschädigt zu haben. Und dann nützt auch eine OP nichts.

Gibt es Alternativen zu Nasensprays?

Bei einer dicken Erkältung mit verstopfter Nase kann es durchaus sinnvoll sein, vor allem abends und nachts in den ersten Tagen ein abschwellendes Nasenspray zu benutzen. Denn ein erholsamer Schlaf ist auch wichtig und hilft beim Gesundwerden.

Tagsüber kann man zu einem Nasenspray mit Koch- oder Meersalz greifen. Das hat zwar nicht eine direkte abschwellende Wirkung, aber die Schleimhaut wird feucht gehalten und wirkt so indirekt abschwellend. Ähnlich wirken Nasenduschen: Viren und Bakterien werden einfach herausgespült und die Schleimhäute befeuchtet. Oder man macht's wie früher: Kopf über eine Schüssel mit heißem Wasser oder Kamillentee hängen. So kann sich der ganze Rotz in der Nase lösen und besser abfließen.

Nasenspray im Selbsttest

PULS-Reporter Sebastian hat den Selbstversuch gewagt und über drei Wochen hinweg Nasenspray benutzt.

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