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Die Vorteile des Digitalradios DAB+ sind schon lange bekannt: höchste Ton-Qualität, kein Rauschen und mehr Sender. Auch die Verkehrsdienste für's Auto-Navi sind deutlich schneller und damit präziser. Aber das war's noch nicht.

Im Elektromarkt gibt es kaum noch reine UKW-Geräte zu kaufen. Die Netzabdeckung von DAB+ liegt deutschlandweit bei 97% – das ist besser als jedes Handynetz. Die Deutschen hören trotzdem ganz traditionell noch lieber per UKW, ganz im Gegensatz zu anderen EU-Ländern.

Digitalradio im Ausland

Besonders in Großbritannien wurde das Digitalradio ganz schnell akzeptiert und gekauft, weil dort viele Sender ausschließlich digital zu empfangen sind. Norwegen hat als erstes Land weltweit die nationalen und regionalen UKW-Ketten abgeschaltet. Dabei sind die Reichweiten der Radiosender weitgehend stabil geblieben: 98 Prozent der Hörer sind dem Radio treu geblieben. In anderen europäischen Ländern, die bald UKW abschalten wollen, ist das Ziel: Mindestens 50% aller Hörer müssen bereits digitales Radio hören. Davon ist Deutschland aktuell noch entfernt.

DAB+ in Europa: Der Überblick

Gerade für die Privatradios rentiert sich DAB+ noch nicht. Digital senden zu können, kostet Geld – und diese Gebühr lohnt sich für werbefinanzierte Sender erst, wenn auch eine ausreichend große Zielgruppe erreicht wird. Solange das nicht der Fall ist, kann nicht einfach gewechselt werden: den Privatradios würden die Einnahmen wegbrechen. Die ARD-Programme finanzieren den DAB+-Sendebetrieb über den Rundfunkbeitrag. Rund 50 Cent des Beitrags werden dafür verwendet.


Digitalradio; Foto: digitalradio.de
digitalradio.de

Ein Anreiz für Nutzer wären mehr Programme, die ausschließlich digital empfangbar sind. Ursprünglich gab es davon bei uns nur wenige. Das hat sich mittlerweile ein bisschen geändert – zum Beispiel mit SWR Aktuell.

Die Alternative Internet

Gegner des Digitalradios behaupten immer, das mobile Internet mache das Digitalradio überflüssig. In ferner Zukunft könnte das vielleicht einmal tatsächlich der Fall sein, bis jetzt ist das aber nicht absehbar. Denn das mobile Internet bietet auch in absehbarer Zeit nicht einmal annähernd die nötige Kapazität.

Schon bei Großveranstaltungen sind die Funkzellen überfüllt, die empfindlichen Netze können ausfallen. Und sollten bald immer mehr Wearables ins Internet, Autos autonom fahren und jeder mobil Radio streamen, würde auch ein 5G-Hochgeschwindigkeits-Funknetz nicht reichen. Digitalradio hingegen sendet immer „One to Many“ – also ohne Kapazitätsgrenze. Jeder wird wirklich jederzeit erreicht.

DAB+ - schon ausprobiert?; Foto: SWR3

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Die Lösung: UKW einfach abschalten?

Beim Fernsehen hat der Umstieg von analog auf digital ganz einfach per Abschalttermin funktioniert. Damals gab es zeitgleich allerdings auch einen Hype um die neuen flachen Fernseher und HD-Programme. Viele Leute wollten nicht nur unbedingt auf digital wechseln, um ein besseres Bild auf dem neuen TV zu haben. Sie waren auch bereit an die Privatsender extra Geld für das HD-Programm zu bezahlen.

DAB+ wird Standard in Europa

Am meisten Zuwachs hat das Digitalradio im Automarkt. In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Neuwagen mit Digitalradio stark angestiegen. Das Europäische Parlament hat im Juli 2018 außerdem für den European Electronic Communications Code gestimmt. Heißt: Jedes in der EU verkaufte Fahrzeug muss künftig ab Werk Digitalradioempfang bieten. Damit wird DAB+ in Europa der Standard. Nach Anerkennung durch den Europarat hat jedes europäische Land zwei Jahre Zeit, das ganze in eine lokale Gesetzgebung umzuwandeln. Jedes einzelne Land kann entscheiden, ob es nur Digitalradio im Auto haben will oder ob jedes Radiogerät Digitalempfang haben soll.

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DAB+ EU-Entscheidung: Digitalradio soll im Auto Serie werden

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