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Svenja Maria Hirt
Svenja Maria Hirt, SWR3; Foto: SWR3/Alexander Winkler
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Orkantief „Sabine“ hinterlässt große Schäden in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Aber welche Versicherung zahlt in welchem Fall? Was kann ich tun bei Bahn- und Zugausfällen? Und muss ich bei einem Sturm überhaupt zur Arbeit?

Wer zahlt, wenn Zug und Flug wegen eines Sturms ausfallen?

Fall 1: Zug und Bahn fallen aus

Eigentlich ist ein Unwetter ja höhere Gewalt, der Europäische Gerichtshof hat aber entschieden, dass die Bahn trotzdem einen Teil des Tickets erstatten muss. Hier geht es zum Fahrgastrechte-Formular der Deutschen Bahn. Dies könnte sich aber bald ändern. Die EU-Verkehrsminister einigten sich bei einem Treffen in Brüssel darauf, dass künftig Bahnunternehmen in der EU bei Verspätungen wegen höherer Gewalt keine Entschädigungen an Reisende mehr zahlen müssen. Das EU-Parlament muss darüber noch beraten.

Aktuelle Verkehrsmeldungen der Deutschen Bahn bekommst du hier.

Fall 2: Flugausfälle wegen Sturms

Laut der EU-Fluggastrechteverordnung müssen Fluglinien bei außergewöhnlichen Umständen, wie einer Aschewolke wegen eines Vulkanausbruchs, Unwetter wie einem Sturm oder einer Gewitterfront nicht zahlen. Liegen keine außergewöhnlichen Umstände vor, besteht ein Anspruch auf Entschädigung.

Bei Flügen unter 1.500 Kilometer Flugstrecke hat man nach bereits nach zwei Stunden einen Anspruch aus Betreuung am Flughafen. Bei einer Flugstrecke bis 3.500 Kilometer gilt dieser Anspruch erst ab 3 Stunden und bei längeren Flugstrecken gilt dies ab 4 Stunden Verspätung. Das bedeutet Essen und Trinken und evtl. sogar eine Übernachtung falls die Wartezeit über Nacht dauert.

Grundsätzlich gilt, jeder Versicherungsfall ist anders und hängt auch davon ab, was man abgesichert hat. Eine gute Übersicht hat Stiftung Warentest.

Wer zahlt durch Sturmschäden bei Haus, Auto & Co?

Fall 1: Mietshaus wird beschädigt – Wasser dringt in Wohnung

Hier ist der Hauseigentümer verantwortlich, der hoffentlich eine Wohngebäudeversicherung hat, die den Schaden bezahlt. Wenn meine beweglichen Sachen in der Wohnung beschädigt werden, zum Beispiel die Couch, zahlt meine Hausratversicherung – wenn ich eine habe.

Fall 2: Baum fällt in meinen Garten

In diesem Fall ist jetzt meine Wohngebäudeversicherung gefragt. Wenn es keine Schäden gab, muss der Abtransport des Baumes unter Umständen selbst bezahlt werden. Wenn es der Baum des Nachbarn ist, muss seine Versicherung zahlen.

Fall 3: Mein Ziegel fällt auf das Auto des Nachbarn

Pech gehabt, muss man sagen. Sturm ist höhere Gewalt und wenn ich nicht schuld bin, kann ich auch nicht haftbar gemacht werden. Das heißt, der Autobesitzer muss sich mit seiner Versicherung auseinander setzen.

Fall 4: Mein Auto wird durch den Sturm beschädigt

Bei Voll- und Teilkasko gibt es da in der Regel kein Problem. Wer allerdings nur eine Haftpflichtversicherung hat, muss den Schaden selbst bezahlen.

Das beinhaltet eine Gebäudeversicherung

Für Schäden am Haus ist die Gebäudeversicherung zuständig. Viele Deutsche haben so eine Versicherung. Die deckt in der Regel durch Sturm (mindestens Windstärke 8), Blitz oder Hagelschlag verursachte Schäden ab. Das Problem: Anders als durch Wind verursachte Sturmschäden sind Hochwasserschäden und Schäden durch Starkregen nur dann von der Gebäudeversicherung erfasst, wenn dies extra vereinbart ist, in der sogenannten „Elementarschadenversicherung“.

Das beinhaltet eine Hausratversicherung

Schäden an Möbeln, Elektrogeräten, Kleidung – also alles, was sich im Haus befindet, aber nicht Teil des Hauses selbst ist – deckt nur eine Hausratversicherung ab. Ganz wichtig: Auch hier müssen Betroffene im Fall von starken Regenfällen und über die Ufer tretenden Bächen schauen, ob auch Elementarschäden von ihrer Hausratversicherung abgedeckt sind. Ein weiteres Problem, selbst wenn Versicherungsschutz besteht: Hausrat, der sich in der Garage befindet, ist oftmals nicht mit geschützt. Das Auto selbst gehört sowieso nicht zum Hausrat.

Muss ich bei Sturm zur Arbeit?

Grundsätzlich gilt, dass jeder Arbeitnehmer selbst dafür verantwortlich ist, rechtzeitig zur Arbeit zu erscheinen – das ist das sogenannte „Wegerisiko“. Wenn er also mit der Bahn zur Arbeit fährt und diese zu spät kommt oder ausfällt, dann muss er im Zweifel trotzdem irgendwie zur Arbeit kommen und die Verspätung eventuell ausgleichen. Mit dem Auto sieht es genauso aus.

Aus rechtlicher Perspektive gilt nämlich: „ohne Arbeit kein Lohn.“ Und das gilt auch bei einem Unwetter. Ausnahmen gibt's nur dann, wenn aus meteorologischer Sicht ausdrücklich davor gewarnt wird, das Haus zu verlassen. Das wär dann nämlich eine sogenannte „begründete Arbeitsverhinderung“. Arbeitnehmer sollten allerdings zuerst mit ihrem Arbeitgeber sprechen, bevor sie einfach zu Hause bleiben.