Autor
Nadine Luft
Nadine Luft; Foto: privat
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Diese Jungs reden über Sex! Bei Max & Jakob geht es um Seelenficker, Traumfrauen, Zusammenziehen, Fremdgehen, One-Night-Stands und um das, was Männer so wollen.

Frisch Verliebte sind wie Puzzleteile. Die gehen in der Anfangsphase der Beziehung kaum auseinander. Und irgendwann – schleichend – wird es weniger. Der Sex in einer langen Beziehung wird zur Routine, obwohl wir das doch gar nicht wollen. Über dieses Thema unterhalten sich unter anderem Max & Jakob vom Podcast Beste Freundinnen.

Wir haben mit ihnen darüber gesprochen, wann und wie viel wir über Sex reden sollten, was Männer davon halten, warum Männer nicht so gern darüber sprechen wollen und wie Max & Jakob Dirty Talk finden.

Sex wird langweilig. Ist euch das auch schon mal passiert?

Jakob: „Ja, es ging uns genauso. Am Anfang hat man ja diese hormonelle Dosis. Man ist eigentlich wie auf Droge. Man hat den besten Sex seines Lebens und denkt sich WOW! Und dann flacht das irgendwann ab, weil auch die Hormone nachlassen. Und wenn man sich das zeitlich ansieht, ist das meistens ein Spektrum von 9 bis 12 Monaten.“

Max: „Aber! Ich kann sagen, es gibt einen zweiten Frühling! Ich bin mit meiner Freundin jetzt acht Jahre zusammen und ich hatte auch genau dieses Gefühl von Alltagssex, irgendwie passiert da nichts Neues mehr. Und dann ist irgendwas entstanden. Wir sind uns noch mal neu begegnet, haben uns mehr Zeit genommen im Bett und das ist vielleicht auch das Geheimrezept, dass man sich einfach noch mal neu kennenlernen kann und muss.“

Wann sollten wir am besten über Wünsche, Vorlieben und Veränderungen beim Sex sprechen?

Jakob: „Es ist gut, auf dein Bauchgefühl zu hören. Und es gibt zwei Sorten von Bauchgefühlen: Einmal das Bauchgefühl der Angst, das einen immer wieder davon wegbringt irgendwas zu sagen oder etwas zu machen und das Bauchgefühl, dass man weiß: Eigentlich ist jetzt der richtige Zeitpunkt. Und dieses Zeitgefühl sagt einem dann, dass es ok ist, wenn man gerade im Doggystyle ist, dass man jetzt lieber auf Oral wechseln möchte. Manchmal kann man auch einfach Körpersprache einsetzen und muss gar nichts sagen.“

Max: „Ich habe erlebt, dass es hilfreich ist, mit dem Partner oder der Partnerin darüber zu sprechen, wenn man in einer ganz anderen Situation ist. Zum Beispiel, wenn man unterwegs ist, zum Beispiel im Auto und gar nicht kurz davor, gleich in der Kiste zu landen. Da kann man sich dann langsam rantasten und abklären: Was gefällt dir und was gefällt mir? Und über den Weg dann auch in eine klare Wunschvorstellung im Bett oder vorm Bett zu kommen.“

Jakob: „Beispiele sind auch gut! Wenn man sagt: Hey mich macht es total an – hab ich letztens gemerkt, als ich einen Film geguckt hab – wenn eine Person superlaut stöhnt. Also mich macht das total an, wenn eine Frau laut stöhnt. Und die Frau, der ich das so nebenbei erzähle, kann ja die Zeichen lesen und sich dann mehr gehen lassen. Aber vielleicht stöhnen die Frauen bei mir ja auch nicht laut, weil es ihnen nicht gefällt (lacht).“

Studien zeigen: Frauen reden offener über Sex als Männer. Woran liegt das eurer Meinung nach? Und was sollten Männer ändern?

Jakob: „Das Erste ist, sich eine wichtige Frage zu stellen: Warum habe ich dieses Männerbild, dass ich der Typ bin, der alles schafft und nicht in Kommunikation gehen kann mit Frauen und sagen kann: ‚Ey, Oralverkehr hab ich noch nicht so oft gemacht, weiß ich nicht so richtig genau, wie das funktioniert, ich taste mich da die ganze Zeit ran, wie du merkst, wäre aber über dein Feedback dankbar‘. Ich mein, da bricht man sich eigentlich keinen Zacken aus der Krone. Aber wir Männer haben oftmals das Gefühl, wir müssten schon alles können und es gibt auch keine richtige (lacht) Fehlerkultur beim Sex.“

Max: „Und: Wir sind als Männer ja auch so sozialisiert worden. Gerade von unseren Vätern, dass wir nicht viel über Sex gesprochen haben. Also ich habe mit meinem Vater gar nicht über Sex gesprochen. Und das ist, glaube ich, die Schwierigkeit, dass Männer nie so einen richtigen Bezugspunkt hatten. Außerdem halt mit Kumpels darüber knallhart zu sprechen: ‚Die Alte hab ich durchgenommen‘. Das ist schade“.

Was haltet ihr von Dirty Talk, um den Sex wieder spannender zu machen?

Jakob: „Ich hatte eine Freundin, die Dirty Talk das erste Mal bei mir gemacht hat. Ich erinnere mich noch an die erste Nachricht, die ich von ihr bekommen hab. Ich weiß noch, wie sich alles in meinem Körper dagegen gesträubt hat, weil ich so voller Scham war. Und ich war selber so unsicher, dass ich gar nichts zurückschreiben konnte. Also ich hab die Nachricht gekriegt und irgendwas war in mir, das dachte ‚Jawohl, jetzt fahr ich bald nach Hause und dann geht's richtig los‘. Und die andere Seite in mir war so überfordert… Das war so, als ob jemand richtig schlagfertig ist und du anfängst zu stottern.“

Max: „Dirty Talk war auch bei mir etwas, was ich am Anfang nicht richtig zulassen konnte, was sich meine damalige Freundin aber unbedingt gewünscht hat und da gilt auch wieder, dass man sich da langsam rantastet. Also ich musste für mich auch wirklich erst erspüren, dass es ok ist, die Frau in gewisser Form auch zu beleidigen und runterzumachen. Man ist am Anfang in so einer inneren Sperre, die sich langsam aufbrechen muss.“

Jakob: „Wie beim Sex. Nicht einfach trocken rein. Und es ist am Ende ja auch eine weitere Sprache, die man lernt. Dirty Talk wird jetzt nicht in der Schule unterrichtet, muss man für sich lernen und gucken, was fühlt sich richtig an. Und es ist ja auch bei einer neuen Sprache so. Wenn ich das am Anfang lerne, ist es mir unangenehm und peinlich zu sprechen. Und mit jeder Frau und mit jedem Partner ist es natürlich auch wieder anders. Und dieser Dirty-Talk-Dialekt, den ich mit der einen Partnerin spreche, muss ja nicht zwangsläufig auf die andere Partnerin passen.“

Aber jetzt so im Nachhinein findet ihr Dirty Talk schon gut, oder?

(Beide): „Auf jeden Fall!“

Jakob: „Bei einem Mann löst das eine unglaubliche Geilheit aus! Und wir sagen immer. Das Vorspiel beginnt direkt nach dem Sex. Und dafür ist Dirty Talk ein gutes Mittel.

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