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Kira Urschinger
Kira Urschinger; Foto: SWR3 / Nadine Luft
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Wissenschaftler haben sich mit dem Forschungsschiff Polarstern im Eis festfrieren lassen, um neue Erkenntnisse zum Klimawandel zu bekommen – mit dabei: der SWR3-Elch. Der scheint die Reise zu genießen und ist neuerdings unterwegs im Helikopter.

Ein Jahr lang dauert die Forschungsreise auf dem deutschen Forschungseisbrecher Polarstern. Rund 600 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus 17 Ländern sind an Bord. Mit dabei ist auch Andreas Preußer, Umweltmeteorologe aus Trier.

Er hat einen SWR3-Elch mitgenommen ins ewige Eis. Gemeinsam mit seinen Kollegen berichtet er für uns davon, was der Elch unterwegs erlebt. Vor der Abreise haben wir natürlich auch noch einmal mit ihm gesprochen:

Polarstern: Forschungsschiff lässt sich einfrieren - mit SWR3 Elch; Foto: Andreas Preußer

Es geht los! Interview mit Forscher Andreas Preußer in der SWR3-Nachmittagsshow

Dauer

Logbuch: Polarstern-Forscher berichten für SWR3

Forscher Andreas Preußer hat den Elch weitergegeben – oder besser gesagt: weitergeben müssen, weil er einen Unfall hatte und mit dem Heli zum nächsten Eisbrecher, der ihn aus der Arktis rausbringen konnte, ausgeflogen werden musste.

Der Elch ist jetzt mit Carsten Zillgen unterwegs. Er kommt aus der Eifel und ist als Helikopterpilot Teammitglied bei MOSAiC. Seine größte Herausforderung: Mit dem Heli durch die stockdunkle Polarnacht zu fliegen. Das ist notwendig, um die Camps zu versorgen oder um Ausrüstung zu retten. Denn die Eisscholle ist immer in Bewegung. Es bilden sich Risse und Presseisrücken. Die können Kabeltrassen, die zur Stromversorgung der Geräte übers Eis verlegt wurden, beschädigen oder die Erreichbarkeit der Camps gefährden.

Polarstern: Eine Wissenschaftsreise gegen die Zeit

Die Polarstern startete vom Hafen von Tromsö (im Norden Norwegens). Dann musste der Kapitän des Schiffs erst einmal ordentlich Gas geben: Denn Mitte Oktober beginnt die Polarnacht. Dann ist es in der Nordpolregion stockduster. Die Arktisforscher wollten aber vor der Dunkelheit im Eis ankommen:

Es wird ein Wettlauf mit der hereinbrechenden Polarnacht, denn wir müssen erstmal Eis finden, das geeignet ist, um uns da in der Umgebung dann einfrieren zu lassen. Dann folgt der Aufbau des gewaltigen Equipments, der Messinstrumente, die wir auf das Eis in einem Forschungscamp neben der Polarstern aufbauen wollen. Dazu brauchen wir dringend Tageslicht.

Expeditionsleiter Markus Rex

Normalerweise ist die Nordpolgegend im Winter gar nicht zugänglich. Das Eis ist zu dick, als dass dort Schiffe fahren könnten. Die Lösung: Die Polarstern soll gar nicht fahren, sondern einfach festfrieren und sich von den Eismassen mitziehen lassen. Fortbewegung auf einer Eismasse – das nennt sich Eisdrift.

Damit setzen die Wissenschaftler auf ganz neue Experimente, die in der winterlichen Arktis bislang unmöglich waren, aber besonders wichtige Aufschlüsse über den Klimawandel geben können:

In der Arktis schreitet der Klimawandel besonders schnell voran und wir müssen verstehen, warum das so ist. Wir wollen zum Beispiel wissen: Wie sieht das Temperaturprofil genau aus und das Dichteprofil im Schnee und im Eis? Diese Informationen können wir nur durch Messungen vor Ort erhalten. Und wir brauchen dringend Langzeitmessungen über ein ganzes Jahr.

Meereis-Physiker Lars Kaleschke

Die Hoffnung: Neue Erkenntnisse zum Klimawandel

Wegen der fehlenden Daten stehen die Klimamodelle für die Arktis bislang noch auf ziemlich wackeligen Beinen. Das führt zu erstaunlichen Unterschieden bei den Ergebnissen: Manche Modelle prognostizieren z. B. einen Temperaturanstieg von 5 Grad bis Ende des Jahrhunderts, andere Modelle sagen eine Erwärmung um 15 Grad Celsius voraus.

Das liegt eben daran, dass wir die Prozesse bisher nie beobachten konnten und deswegen nicht genau wissen, wie das da abläuft.

Expeditionsleiter Markus Rex

Forschungsschiff Polarstern hat Ausrüstung gegen Eisbären

Aber es gibt noch weitere Schwierigkeiten, die über die Auswertung wissenschaftlicher Daten hinausgehen: Die Forscher haben ein ausgefeiltes „Eisbär-Sicherheitskonzept“ entwickelt. So scannen Wärmebildkameras pausenlos die Umgebung der Polarstern ab, damit keine ungebetenen Gäste vorbeikommen. Im Ernstfall wird das Forschungsschiff zur Fluchtburg. So sollen Begegnungen mit Eisbären von vornherein vermieden werden.

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