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Anno Wilhelm
Anno Wilhelm; Foto: SWR3
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Sportlehrer müssen fit in Erster Hilfe sein. Das entschied der Bundesgerichtshof. Geklagt hatte ein Schüler, der von seiner Sportlehrerin nicht reanimiert wurde und irreversible Hirnschäden erlitt. Aber was können und müssen wir tun im Notfall?

Hauptsache helfen!

Der Erste-Hilfe-Kurs für den Autoführerschein ist bei vielen wahrscheinlich schon lange her. Deshalb haben viele Angst, im Notfall etwas falsch zu machen. Benno Wolcke, Notarzt an der Uniklinik Mainz, kennt das Problem und schildert im SWR3-Interview, dass es in Deutschland häufig vorkommt, dass bewusstlosen Leuten nicht geholfen wird, bis der Notarzt kommt. Das kann fatale Folgen haben.

Mir ist kein Fall bekannt, dass jemandem falsch geholfen wurde. Das Schlimmste ist, nichts zu tun. Haben Sie keine Angst! Sie können nichts falsch machen.

Benno Wolcke, Notarzt

Die ersten Minuten können entscheidend sein, ob eine bewusstlose Person mit oder ohne große Schäden (zum Beispiel Hirnschäden) davonkommt. Das sind die wichtigsten drei Begriffe, die wir abrufen müssen, wenn vor uns plötzlich jemand bewusstlos umkippt:

1. PRÜFEN

Auf das Unfallopfer oder den Erkrankten zugehen und fragen, ob man ihm helfen kann: Zeigt der Patient noch Lebenszeichen? Ist er ansprechbar, atmet er noch?

2. RUFEN

Um Hilfe rufen und den Notruf anrufen – 112 wählen! Über den Notruf bekommt man auch Anleitungen, was man machen kann.

3. DRÜCKEN

Wenn der Mensch bewusstlos ist und nicht atmet, sollte man unbedingt auf den Brustkorb drücken: Den Brustkorb von der Kleidung freimachen, die Mitte des Brustbeins suchen, Handballen auflegen und 100-mal in der Minute fünf Zentimeter tief drücken.

Viel falsch machen können wir bei der Herzdruckmassage nicht, am wichtigsten ist: SICH TRAUEN! So geht es am besten:

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Diese Songs helfen bei einer Herzdruckmassage

Stayin’ alive von den Bee Gees, Highway to Hell von AC/DC oder auch Atemlos von Helene Fischer haben den perfekten Beat, wenn es um das Timing bei einer Wiederbelebung geht. Das Geheimnis sind die 100 BPM (Beats pro Minute), die diese Songs gemeinsam haben. Studien haben gezeigt, dass mit einer Frequenz von 100 bis 120 Druckbewegungen pro Minute, also ca. zweimal pro Sekunde, der beste Blutfluss durch das nicht mehr eigenständig pumpende Herz eines Bewusstlosen erreicht werden kann.

Was müssen Lehrer und Betreuer tun, wenn etwas passiert?

Die allerwichtigste Regel: Erste Hilfe ist Pflicht – ganz egal, ob ich verantwortlich bin für eine Gruppe oder ob ich nur zufällig dabei bin oder vorbeikomme. Ich muss helfen, sonst mache ich mich strafbar.

Lehrerinnen und Lehrer haben darüber hinaus die Aufsichtspflicht über ihre Klasse. Das bedeutet: Sie müssen diejenigen, die ihnen anvertraut sind, vor Schäden bewahren. Sie übernehmen diese Pflicht von den Eltern. Sportlehrer müssen zum Beispiel darauf achten, dass ihre Schüler gesund sind, wenn sie sie Sport machen lassen.

Lehrer können sich auch nicht durch die Eltern von dieser Aufsichtspflicht befreien lassen – wenn die Eltern zum Beispiel schreiben, mein Kind ist erkältet, soll sich aber nicht so anstellen und trotzdem mit Sport machen. Das geht nicht. Lehrer tragen die Verantwortung und müssen entscheiden. Wichtig ist dabei auch die Reife der Schüler: Ab wann können sie die Folgen ihres Handels selbst einschätzen? Auch das müssen Lehrer einschätzen können.