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Es gibt ein Ranking, das Fußballvereine der Bundesliga statt nach Spielpunkten nach sozialem Engagement listet. Ganz oben steht in dieser Tabelle nicht Bayern München, sondern Werder Bremen.

Fußballvereine verdienen eine ganze Menge Geld. Und oft hören wir auch von Spendenaktionen und sozialen Projekten, die von den Vereinen mit getragen werden. Aber welcher Verein landet eigentlich auf Platz eins, wenn es um soziales Engagement geht? Die Hochschule Heilbronn hat das untersucht, anhand der Erstligisten der Saison 2015/16.

Die Bundesliga-Tabelle nach sozialem Engagement

PlatzVerein
1SV Werder Bremen
2Hertha BSC
3Hamburger SV
4FC Bayern München
5Bayer 04 Leverkusen
6VfB Stuttgart
7Hannover 96
8VfL Wolfsburg
91. FSV Mainz 05
10Eintracht Frankfurt
11SV Darmstadt 98
12FC Schalke 04
13Borussia Mönchengladbach
141. FC Köln
15TSG 1899 Hoffenheim
16FC Ingolstadt 04
17Borussia Dortmund
18FC Augsburg

Wo und wie engagieren sich die Proficlubs der ersten Fußballbundesliga außerhalb des Stadions? Das wollten die Forscher wissen. Die Punkte wurden nach einem bestimmten Schlüssel vergeben. Wie viele Aktivitäten des sozialen oder ökologischen Engagements gibt es? Wie lange dauern sie? Oder wo wirken sie – also regional, national oder international.

‚‚Die Clubs nutzen soziales Engagement gezielt“

Dabei sind die Engagements recht unterschiedlich. Das geht von Integrationsprojekten über Aktionen gegen Gewalt und Drogenmissbrauch bis hin zu Knochenmarktypisierungsaktionen oder der Energieeffizienz im Stadionbau. Sebastian Kaiser-Jovy, Professor für Sportmanagement der Hochschule Heilbronn, sieht darin ein klares Kalkül, um am Image zu arbeiten und sich insbesondere bei den Fans beliebt zu machen.

Die Clubs nutzen soziales Engagement gezielt dazu, um sich nicht von Fans und der Region zu entfremden.

Sebastian Kaiser-Jovy


Werder Bremen Trikot; Foto: SV Werder Bremen

Ist der zweifelhafte Ruf des Werder-Sponsors ein Grund für mehr soziales Engagement?

SV Werder Bremen

Fußballvereine betreiben soziales Engagement professionell

Soziales Engagement – oder wie es in Unternehmen heißt: Corporate Social Responsibility – wird bei den Bundesligaclubs zunehmend professioneller. Auch das haben die Wissenschaftler beobachtet, denn in vielen Fällen sind vereinseigene Stiftungen am Werke.

Kritik am Sponsor als Grund?

Kaiser-Jovy sieht in den Aktivitäten der Clubs aber auch die Absicht, ein positives Bild des Vereins zu vermitteln und glaubwürdig zu sein. Das ist vor allem dann nötig, wenn man – beispielsweise wegen eines Sponsors – in der Kritik steht.

Bei Werder Bremen gibt es die Kritik an Wiesenhof als Hauptsponsor, dem bekannten Geflügelfabrikanten. So etwas kann ein positives Engagement konterkarieren.

„Da ist noch Luft nach oben“

Interessant ist die Größenordnung des Geldes, das Proficlubs für soziales Engagement ausgeben. Die Wissenschaftler gehen von 20 bis 30 Millionen Euro pro Jahr aus. Und das bei einem Gesamtumsatz der Clubs von mehr als drei Milliarden Euro. Das ist am Ende weniger als ein Prozent für soziale Projekte. „Da ist noch Luft nach oben“, sagt Kaiser-Jovy im SWR-Interview und zieht einen internationalen Vergleich heran: „Bei Manchester United arbeiten allein 150 Mitarbeiter in der vereinseigenen Stiftung.“