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Sabrina Kemmer
Sabrina Kemmer, SWR3; Foto: SWR3
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Ein Baby verändert alles, heißt es. Doch nicht erst Schwangerschaft und Geburt beeinflussen die Partnerschaft, sondern schon die Diskussion um die K-Frage – die Kinderfrage! Wie gehen wir als Paar am besten damit um? Paartherapeutin Bettina Jellouschek-Otto gibt Tipps.

Irgendwann kommt bei allen der Zeitpunkt, an dem man sich fragt: Will ich ein Kind oder lieber doch nicht? Natürlich hängt diese Frage von vielen Faktoren ab, aber gestellt hat sie sich ab einem gewissen Alter bestimmt jeder schon einmal. Fragt sich nur: Wie denkt mein Partner eigentlich darüber und wie spreche ich das Thema am besten an?

Raus mit der Sprache!

Paartherapeutin Bettina Jellouschek-Otto sagt ganz klar: direkte Ansprache! Zum Beispiel: „Du, mir brennt was unter den Nägeln und ich möchte mal wissen, wie du darüber denkst!“ Wichtig dabei ist, dass man den Partner nicht vor den Kopf stößt und es von vornherein ablehnt, über das Thema zu sprechen, weil man zum Beispiel gerade zu viel Stress im Büro hat oder weil man es sich einfach nicht vorstellen kann. „Das sind Tabus, die bei so einem Gespräch nicht entstehen dürfen“, so die Expertin.

Wer sich mit seinem Partner streitet, sagt auch gerne mal „Ich hab Stress mit meinem Freund“. Und da ist mehr Wahres dran, als man vielleicht im ersten Moment vermuten würde – zumindest aus gesundheitlicher Sicht. Aber was passiert eigentlich in unserem Körper, wenn wir streiten?

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Oft sind es eher die Männer, die vorerst keinen Nachwuchs möchten. Woran liegt das?

Männer wollen heutzutage immer mehr verantwortungsvolle Väter sein und Zeit für ihr Kind haben. Wenn sie im Job stark gefordert sind und sich keine Zeit freischaufeln können, dann kommt oft ein Zögern bei ihnen auf.

Natürlich muss das nicht der einzige Grund sein. Es kann durchaus auch sein, dass Männer (oder auch Frauen) sich mit ihren Gefühlen nicht so sicher sind und die Beziehung sehr konfliktgeladen ist. Da überlegen sich dann viele, ob die Partnerschaft eine doch sehr belastende Kinderzeit überhaupt überstehen kann.

Angst im Spiel

Manchen Frauen macht der Gedanke, ein Kind zu bekommen, auch Angst. Speziell an Mütter seien Ansprüche enorm groß, so Jellouschek-Otto.

Ganz oft, wenn es um die Erziehung geht, werden die Mütter angesprochen, warum sie nicht dies oder jenes anders machen. Da ist schon ein hoher Druck.

Wichtig ist, dass der Partner auf keinen Fall drängt. Die Frau sollte sich selbst darüber im Klaren sein: Was ist los mit mir, wovor konkret habe ich eigentlich Angst und gibt es eine Möglichkeit es hinzubekommen? Je nachdem, was die Antwort darauf ist, liegt es natürlich an der Frau zu entscheiden. Kann sie es sich partout nicht vorstellen, dann sollte sie dem Partner reinen Wein einschenken und direkt sagen: Das geht für mich nicht und das möchte ich nicht!

Der eine will, der andere nicht – und jetzt?

Es kann eine gute Strategie sein, ein bisschen abzuklopfen und abzuwarten. Dennoch rät die Expertin, nicht zu lange zu warten und es nicht einfach so hinzunehmen. „Sonst ist einer der beiden immer am warten und der andere schiebt das Thema zurück. Dadurch entsteht eine Frustration und das tut der Liebe nicht gut.“ Auch hier wieder: Lieber direkt ansprechen und darüber reden, was dagegen spricht. Sich dem Thema widmen. Dann kann auch konkret darüber geredet werden, wie man das gemeinsam schaffen kann. Auf keinen Fall den anderen mit Sticheleien drängen und nerven.

Kinder schon vorhanden

Immer öfter ist es der Fall, dass sich Paare finden, wo der eine schon ein Kind aus einer früheren Beziehung mit in die neue Partnerschaft bringt. Da kann es mitunter passieren, dass das Thema „gemeinsam Kinder kriegen“ für den Partner mit Kind schon abgeschlossen ist.

So was ist natürlich schwierig. Da ist es wichtig, dass die Frau sich prüft: Kann ich das wirklich akzeptieren? Hält unsere Liebe das aus? Bleibe ich bei dem Mann? Kümmere ich mich in einer liebevollen Weise um seine Kinder so, dass ich eine Seelenmutter für diese werde und verzichte darauf, eigene Kinder zu haben!?

Das ist ein schwerwiegender Entschluss, der aber aktiv getroffen werden muss. Man sollte dem Partner später nicht vorhalten, dass er was hat, was man sich selbst sehnlichst gewünscht, er aber nicht erfüllt hat. „Das hält die Beziehung nicht aus“, so die Expertin.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein Kind?

Oft hängt diese Frage natürlich vom Alter der Frau und ihrer Fruchtbarkeit ab. Das Paar sollte sich im besten Fall auch schon ein bisschen kennen und ein paar Konflikte miteinander überstanden haben. Es macht auch Sinn, dass man schon zusammen wohnt. Dadurch kann gegenseitig abgecheckt werden, wer sich wie organisiert, wie man sich in Ordnungsfragen unterscheidet und wie das Nähe-Autonomie-Verhalten so ist. Die Expertin spricht auch von einer „Paarerfahrung“.

Ein Kind ist immer eine Bereicherung für eine Beziehung, es kann eine Beziehung aber nicht retten!

Mehr von Bettina Jellouschek-Otto findet ihr auf ihrer Homepage

Jetzt nachhören: Die Highlights der SWR3 Beziehungsshow im Podcast!

Die Kinderfrage; Foto: Fotolia.com/ulkas/sabdiz

SWR3 Beziehungsshow Kinder kriegen – ja oder nein? So beeinflusst die "K"-Frage unsere Beziehung

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