Autor
Svenja Maria Hirt
Svenja Maria Hirt, SWR3; Foto: SWR3/Alexander Winkler
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Schwierige Zeiten in einer Beziehung, die von Krankheit oder auch Tod geprägt sind. Das kommt in jedem Freundeskreis vor – oder sogar bei einem selbst. Aber wie soll ich mich verhalten? Was muss ich ertragen können?

Der Partner wird schwer krank, das heißt, die Beziehung dreht sich um 180 Grad. Beide fallen in ein tiefes Loch. Wie gehen wir damit um? Wie kann ich mich darauf vorbereiten? Stefanie Stahl ist Psychotherapeutin in Trier und hat eure Fragen im Chat und in der SWR3 Beziehungsshow beantwortet.

Sollte man sich auf schlechte Zeiten vorbereiten?

Man sollte in der Beziehung über schwere Themen durchaus sprechen. Denn es ist nicht immer nur alles Sonnenschein im Leben. Es gibt auch ganz schlimme Schicksalsschläge. Deswegen sollte man sich darüber austauschen, wie man es handhabt, wenn zum Beispiel einer keine Entscheidung mehr treffen kann. Dafür wäre eine Patientenverfügung wichtig.

Alle anderen Schicksalsschläge lassen sich nicht (schriftlich) vorbereiten. „Da würde man ja gar nicht mehr fertig werden. Und dann verpasst man das Leben in dem Moment“, so Psychotherapeutin Stahl.

Beziehung: In guten und schlechten Zeiten; Foto: imago

Wenn der Partner krank wird, verändert sich die Beziehung.

imago

Was, wenn mein Partner „völlig zumacht“?

Eine Krankheit verändert nicht zwangsläufig das volle Wesen. Wenn jemand völlig zumacht, dann macht er das auch, wenn er leichtere Probleme hat, erklärt Stahl. Wen eine ganz harte Krise trifft und dann zumacht, der macht es nicht nur für sich sondern auch für seinen Partner schwer. Denn der Partner ist bereits hilflos, weil er nichts aktiv machen kann, um den anderen bei einer schlimmen Krankheit zu heilen. Und wenn der andere dann noch zumacht, dann ist die Hilflosigkeit beim Partner maximal. Denn dann ist er völlig ausgeschlossen vom Geschehen und „das finde ich auch einfach nicht fair“. Das komplette Dichtmachen lässt den anderen völlig draußen und „ist keine gute Beziehungsgrundlage und auch keine gute Beziehungsfähigkeit“.

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Was wenn ich mich nicht traue, über meine kleinen Probleme zu sprechen, weil der andere viel schlimmere Probleme hat?

„Das ist Unsinn“, sagt Psychotherapeutin Stahl. Denn damit verschlimmert man alles nur. Das normale Leben soll doch weiter gehen. Man soll einer Erkrankung nicht die Macht geben, das komplette Leben zu bestimmen. In vielen Erkrankungen – auch bei Krebserkrankungen – gibt es trotzdem Phasen, in denen das normale Leben auch weiter geht. Und es ist ganz wichtig, dieses Leben auch aufrecht zu erhalten. Und dazu gehört es auch, dass der Partner über seine Probleme auf der Arbeit redet. Ganz oft sind die Kranken auch oft wahnsinnig dankbar, Ablenkung zu bekommen.

Eine Erkrankung darf nicht die volle Macht haben.

Psychotherapeutin Stefanie Stahl

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Wie viel muss ich als Partner ertragen?

Es gibt allerdings auch Erkrankte, die sich nicht ablenken lassen können oder sogar in einer Depression sind. Dann wird es schwierig, aber „da ist die sogenannte Selbstfürsorge ganz wichtig“, so Stahl. „Das heißt, man muss unabhängig von der Partnerschaft viel dafür tun, dass es einem selbst gut geht.“ Man braucht dafür Auftankstationen, bei denen man Kraft tanken kann. Das kann ein schönes Hobby, Freunde treffen oder ein Waldspaziergang sein. „Man darf sich nicht in der Problematik, die diese Partnerschaft hat, völlig auflösen. Man braucht noch ein Stück autonomes Leben, ansonsten geht die eigene Batterie leer – und damit ist niemandem geholfen.“

Beziehung: In guten und schlechten Zeiten; Foto: imago

In guten wie in schlechten Zeiten?

imago

Ist es normal, über Trennung nachzudenken, obwohl ich meinen Partner noch liebe?

Ja, das ist normal. Vor allem wenn die schwierige Situation sehr lange anhält, ist es für den Partner sehr belastend und dann entstehen Loyalitätskonflikte und Schuldgefühle. Dann kann es passieren, dass man über eine Trennung nachdenkt. Aber meistens passiert das, wenn man den Partner nicht mehr liebt und nur aus Schuldgefühlen bei ihm bleibt, weil man ihn in der Krise nicht alleine lassen kann.

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Was mach ich, wenn in meinem Freundeskreis jemand eine Krise hat oder erkrankt?

„Die Freunde sollen da bleiben. Was ganz schlimm ist, wenn Freunde sagen: 'Ich kann damit nicht umgehen, dass du Krebs hast.' Es ist eine Frechheit, wenn man sein eigenes kleines Unvermögen und seine kleine Angst, vielleicht überfordert zu sein, über die Sorgen des Freundes stellt. Das geht gar nicht.“ Ganz wichtig ist, dass man in Kontakt bleibt oder auch fragt, wie geht es dir? Eine Möglichkeit ist auch dem Betroffenen anzubieten: Willst du gefragt werden? Oder erzählst du einfach von alleine, wenn du was erzählen willst? Der Tipp von Psychotherapeutin Stahl: Alles offen ansprechen und abklären.

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Hier bekommst du Tipps, wie du eine Trennung überlebst oder wie du am besten die Körpersprache deines Gegenübers bei einem Date lesen kannst. In der SWR3 Beziehungsshow geht es aber nicht nur um Liebe, sondern auch um Freundschaft, Homosexualität oder Trauer.

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Trauerbegleiter Thomas Achenbach beobachtet oft, dass Menschen, wenn sie mit Trauer, Tod und Sterben bei anderen konfrontiert werden, dann gerne einen Ratschlag geben oder eine eigene Trauergeschichte erzählen wollen. Das hält er aber für eine schlechte Idee, weil „derjenige hängt gerade an einer ganz anderen Stelle und hat eine ganz andere Befindlichkeit. Das wissen wir nicht. Deswegen ist es immer gut, Fragen zu stellen. Und die beste Frage ist – ganz einfach – wie geht es dir? Aber nicht lapidar hingesagt, sondern mit einem ernsthaften Interesse: Wie geht es dir wirklich?“

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Was gibt mir Halt, wenn mein Partner gestorben ist?

Sina aus Mainz hat ihren Mann Tobias vor mehr als vier Jahren verloren. Sie stand da mit zwei kleinen Kindern. Wenn sie damals Glück hätte definieren müssen, erzählt sie in SWR3, dann wäre er ein ganz großer Teil dessen gewesen. Das ist aber einfach weggebrochen. Mittlerweile hat sie Glück aber anders definiert: Sie hat immer noch ihre Kinder, ihren Freundeskreis und ihre Familie. Und sie versucht viele Momente mit Menschen zu verbringen, die ihr wichtig sind und nicht mehr so viele Dinge aufzuschieben.

Schwierig war für Sina, es auszuhalten, dass andere zu ihr sagten, dass sie falsch oder nicht trauert. „Du trägst ja gar kein Schwarz. Du lachst aber viel zu viel. Warum gehst du auf ein Weinfest oder ein Kindergartenfest?“ Aber Sina sagt selbst: „Ich hab mich nicht an die Konventionen des Trauerns gehalten. Ich habe zwei Kinder – natürlich haben wir im Garten gespielt und sind ins Planschbecken gehüpft. Es sah nicht offensichtlich nach Trauer aus. Aber es auszuhalten, dass die Leute dachten, dass wir unseren Vater und meinen Mann nicht vermissen, war schwierig.“

Der Satz 'Die Zeit heilt alle Wunden' findet Sina ganz schrecklich: „Das suggeriert, dass danach alles wieder gut ist. Das ist es nicht und das wird es auch nie wieder so richtig. Aber es ist in der Tat so, dass es die Zeit einem erleichtert und es besser macht. Egal wie lange die Zeit dauert, in der man denkt, es wird nie wieder besser. Es kommt die Zeit, in der es wieder besser wird.“

Hier bekommst du Hilfe!

  • Deutschlandweit und rund um die Uhr, die Telefonseelsorge: 0800/1110111
  • Hilfe, für Menschen, die ihren Partner verloren haben, gibt es auf verwitwet.de
  • Hilfe, für Menschen, deren Angehörige alkoholkrank sind, gibt es auf al-anon.de
  • Hilfe, für Menschen, die alkoholkrank sind, gibt es bei den Anonymen Alkoholikern

Expertin im Chat

Ihr habt gefragt, Psychotherapeutin Stefanie Stahl hat geantwortet.