Autor
Nils Dampz
Dampz, Nils; Foto: SWR3
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Ich bin eher oder sogar sehr unzufrieden mit der Bahn! Das haben rund 40 Prozent in einer Umfrage von infratest dimap geantwortet, die im Auftrag des SWR entstanden ist. Probleme gibt es viele. Unsere Reporter waren in SWR3Land unterwegs, haben eure Fragen gesammelt und sie Bahnchef Richard Lutz gestellt.

1. „Ich frage mich wirklich, warum die Züge andauernd zu spät kommen!“ – Ron aus Mainz

Bahnchef Richard Lutz; Foto: picture-alliance/Mike Wolff TSP

Bahnchef Richard Lutz

picture-alliance/Mike Wolff TSP

Ihre Frage ist völlig berechtigt. Gerade bei Ihnen im Rhein-Main-Gebiet ist unser Schienennetz bis hart an die Kapazitätsgrenze ausgelastet. Der Grund ist eigentlich erfreulich: Wir haben sowohl im Personenverkehr als auch im Güterverkehr eine steigende Anzahl an Zügen. Und wir bauen auch so viel wie nie zuvor, weil wir die Infrastruktur von Gleisen und Bahnhöfen fit machen wollen für die Zukunft. Aber die Infrastruktur der Bahn ist nicht entsprechend mitgewachsen – das muss man ehrlicherweise auch dazu sagen. Deswegen spreche ich auch immer von Wachstumsschmerzen, die sich dann in einer nicht ganz so guten Betriebsqualität und Pünktlichkeit niederschlagen. Weil in den nächsten Jahren weitere Herausforderungen kommen, will ich nichts versprechen, was ich nicht halten kann.

Ich bin aber optimistisch, dass sich die Pünktlichkeit Schritt für Schritt verbessern wird, trotz Bauaktivitäten auf Rekordniveau.

Dr. Richard Lutz, Bahnchef 

In den ersten fünf Monaten haben wir auch schon erfreuliche Fortschritte gemacht, aber wir sind erst zufrieden, wenn wir diesen Trend verstetigen können.

So unpünktlich ist die Bahn im Südwesten

2. „Warum zahle ich für eine Heimfahrt mit dem Zug mindestens 20 Euro, aber mit dem Auto nur 10 Euro?“ – Antonia aus Freiburg

Meine Gegenfrage wäre fast: Hand aufs Herz – haben Sie wirklich alle Kosten für Ihr Auto eingerechnet? Es sind ja nicht nur Benzinkosten, es sind ja auch Abschreibung, Versicherung, Steuern, Reparaturen. Und wenn man diesen Vergleich macht, dann schneiden wir gar nicht so schlecht ab. Besonders im Fernverkehr: Wenn Sie Sparpreise buchen, sind wir sogar mehr als konkurrenzfähig.

3. „Wann wird die Bahn kinderfreundlicher? Die Familienabteile sind zum Teil belagert, müssen erst mal sauber gemacht werden, was ich erschreckend und schade finde.“ – Kevin aus Ditzingen

Da gibt es jetzt gar nichts zu beschönigen. Das sollte nicht passieren. Nach meinem Eindruck kümmern sich die Kollegen vor Ort sehr darum, dass sich Familien im Zug wohlfühlen. Ich finde schon, dass wir ein familienfreundliches Unternehmen sind. In vielen Zügen sind Kinderbetreuer der Bahn mit an Board. Kinder fahren bis 14 Jahren in Begleitung der Eltern im Fernverkehr kostenlos. Da werde Sie lange suchen müssen, bis Sie eine Fluggesellschaft oder ein Fernbusunternehmen finden, wo so etwas gemacht wird. Da bin ich schon ein bisschen stolz drauf. Und in Sachen Freundlichkeit für Familien und Kinder ist immer Luft nach oben. Das nehme ich auch gerne mit und gucke, dass das noch besser wird, als es jetzt schon ist.

4. „Wie sehen Ihre Pläne für eine deutschlandweite Streckenfreischneidung aus? Dann würden keine Bäume auf die Gleise fallen.“ – Martin aus Wiesbaden

Für uns ist eine Sache klar: Sechs Meter rechts und links der Gleise darf nichts wachsen. Weiter entfernt schneiden wir auch Bäume zurück, die höher als sechs Meter und vor allem auch bruchgefährdet sind und in die Gleise reinfallen können. Das Problem ist aber, dass uns das Gelände nicht immer gehört. Wir sind auf Kooperationen von Waldbesitzern angewiesen, manchmal gehört das Grundstück auch privaten Personen und nicht zuletzt müssen wir da auch mit den Naturschutzbehörden zusammenarbeiten. Wir lassen uns das auch etwas kosten: Bisher wurden 100 Millionen Euro investiert. Gerade weil wir gesehen haben, dass wir robuster werden müssen und in extremen Wetterlagen einen zuverlässigen Service bieten müssen, werden es in den kommenden Jahren 125 Millionen Euro.

Umfrage: Viele Bahnkunden sind mit dem Service der Deutschen Bahn nicht zufrieden.

5. „Fährt der Bahnchef denn auch mit der Bahn zur Arbeit und wie geht er mit der Verspätung um?“ – Jannis aus Vaihingen

Ich bin beruflich und auch privat natürlich viel unterwegs und nehme, sooft und so gut es geht, immer die Bahn.

Und ja, natürlich erlebe ich an vielen Stellen mal Verspätungen und ärgere mich im ersten Moment, genauso wie jeder andere Kunde auch, wenn es mal später wird. Aber wenn man weiß, was der Grund ist, finde ich, und ich merke das auch, wenn ich mit Kunden rede, verfliegt der Ärger schon sehr schnell.

Weil man eben auch Verständnis dafür hat, dass mal ein Sturm Äste auf die Oberleitung weht, dass mal Kinder im Gleis sind – und wir natürlich dann vorsichtig sein müssen. Es passieren ganz viele Dinge, weil wir unter freiem Himmel produzieren und nicht in einer geschlossenen Werkshalle. Ich glaub mit das Wichtigste ist, das höre ich auch viel von Kunden, dass man frühzeitig informiert wird, damit man planen kann. Auch da können wir noch besser werden. Aber in Summe müssen wir uns, das darf ich auch mal ein bisschen selbstbewusst sagen, gegenüber anderen Verkehrsträgern, inklusive Auto, nicht verstecken. Wir sind gar nicht so schlecht, aber wir können besser werden und wir werden da weitermachen. 

6. „Wie ist es eigentlich, ohne Vornamen und nur noch mit Bahnchef Lutz angesprochen zu werden.“ – Thomas aus Ludwigsburg

Im Prinzip kann ich damit leben, solange es meine Frau nicht tut. Aber Spaß beiseite. Im Grunde weiß man natürlich, wenn man diesen Job macht, dass eben auch das Thema zweiter Vorname Bahnchef dazukommt. Aber ich finde das, ehrlich gesagt, gar nicht abwertend. Für mich ist das ein Ehrentitel, weil hinter dem Thema Bahnchef auch ganz viel Verantwortung steckt. Verantwortung für über 300.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Verantwortung natürlich auch für zwölf Millionen Fahrgäste, die allermeisten davon hier in Deutschland. Und nicht zuletzt auch eine große Verantwortung für das Thema Klimaschutz. Ich bin aus innerer Überzeugung Bahnchef und freue mich auch, dass man mich bei diesem Vornamen nennt – und manchmal eben auch meinen richtigen Vornamen mit dazufügt.