Er ist effizient und umweltfreundlich: der Dieselmotor. Doch seit dem Abgasskandal hat er ein gewaltiges Imageproblem. Wir haben Tipps für Diesel-Besitzer.

Tipps für Diesel-Besitzer

Prof. Dr. Willi Diez; Foto: Prof. Dr. Willi Diez

Prof. Dr. Willi Diez, Direktor am Institut für Automobilwirtschaft der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen-Geislingen.

Prof. Dr. Willi Diez

Kommt ein Fahrverbot? Die Feinstaubwerte in den Städten werden regelmäßig kontrolliert. Bis jetzt gibt es zwar keine Regelung bezüglich eines Fahrverbots in Städten. Doch was soll ich jetzt als Privatperson oder als Geschäftsperson tun. Wir haben unterschiedliche Fallbeispiele durch gespielt und Willi Diez, Direktor am Institut für Automobilwirtschaft der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen-Geislingen, nach seinem Expertenrat gefragt.

Was tun als Besitzer eines alten Diesels?

Susanne fährt in Stuttgart eine M-Klasse. Das Auto ist 14 Jahre alt, hat die Euro-Schadstoffklasse 4 und einen Restwert um die 5.000 bis 6.000 Euro. Das gleiche Modell als Euro-6 kostet aktuell rund 60.000 Euro. Von Mercedes gäbe es eine Umtauschprämie von 2.000 Euro. Für Susanne lohnt sich das nicht. Willi Diez rät die Angebote zu prüfen: „Es gibt Unterschiede bei den einzelnen Herstellern, was die Höhe dieser Prämien anbelangt. Aber auf jeden Fall sollte es ein Anlass für jeden sein, der jetzt ein älteres Diesel-Fahrzeug hat, zu schauen, ob sich das lohnt.“

Als Gebrauchtwagenhändler weiterhin Diesel einkaufen?

Von 46 Millionen Autos in Deutschland ist jedes dritte ein Diesel. Michael ist Gebrauchtwagenhändler in Appenweier und hat sich auf den Verkauf von gebrauchten Diesel spezialisiert. Auch wenn ein Fahrverbot in seiner Region momentan kein Thema ist, die Schadstoffdebatte verunsichert die Menschen. Soll er weiter Diesel-Pkw einkaufen und verkaufen? Der Auto-Experte Diez rät: „Jetzt Dieselfahrzeuge einzukaufen ist natürlich eine Wette auf die Zukunft. Das ist wie wenn Sie Aktien kaufen, da wissen Sie auch nicht ob die rauf oder runter gehen. Das kann also ein sehr gutes Geschäft sein, denn Sie können natürlich im Moment relativ billig Diesel einkaufen und wenn die Diskussion sich nicht noch weiter verschärft, dann auch wieder ganz gut verkaufen. Aber es ist klar, das ist natürlich eine Wette, die ganz ganz viele Risiken beinhaltet.“

Betrieb mit 30 Diesel-Fahrzeugen – was tun?

Hermann hat eine Stukkateurfirma. Für seine Mitarbeiter hat er 30 Fahrzeuge, davon sind 20 ältere Diesel. Seine Firma liegt in Stuttgart so wie auch seine Baustellen. Ein Dieselfahrverbot hätte drastische Konsequenzen für seine Firma. Willi Diez rät: „Ich würde jetzt nicht den kompletten Fuhrpark umstellen, denn wir haben ja noch keine Fahrverbote und es wird sicher noch eine ganze Weile dauern, bis die Fahrverbote in Kraft treten, denn wir haben ja jetzt zunächst nochmal eine juristische Auseinandersetzung. Von daher sollte man jetzt hier sukzessive, wenn man ältere Fahrzeuge hat, die ersetzen, dass man dann nach und nach in die Umrüstung gehen kann.“

Lange Strecken – die Alternative zum Diesel?

Simone pendelt jeden Tag von Kaiserslautern nach Mainz zur Arbeit. Das sind mehr als 150 Kilometer pro Tag. Pro Monat sind das mehr als 3.000 Kilometer in ihrem Euro-5-Diesel – im Stadtverkehr und auf der Autobahn. Wo sind die Alternativen zum Diesel? Wer lange Strecken fährt, muss auf den Benziner zurückgreifen, ein Elektroauto kommt für Simone finanziell aber nicht in Frage. Diez empfiehlt einen Plug-in-Hybrid, eine Kombination von Elektroantrieb mit Verbrennungsmotor. Für Pendler, die in eine Stadt rein pendeln, ist das eine gute Möglichkeit. Man fährt via Strom in die Stadt, lädt sein Auto am Arbeitsplatz wieder auf, und fährt abends mit Strom wieder aus der Stadt raus. Der Knackpunkt: So ein Auto ist teuer. Eine andere Alternative stellt der Gasantrieb dar. Wer damit aber ins Ausland fahren will, wird nicht so flexibel tanken können.

Der Diesel bleibt, was die Wirtschaftlichkeit angeht, erste Wahl.

Willi Diez

Hintergrund: Der Diesel-Skandal für Einsteiger

Seit 125 Jahren gibt es den Dieselmotor. Besonders für Vielfahrer bietet er auch eine menge Vorteile: Kfz und Kraftstoff haben steuerliche Begünstigungen. So kostet ein Liter Diesel rund 20 Cent weniger als ein Liter E10. Außerdem verbrauchen Diesel-Autos im Vergleich zum Benziner auf der gleichen Strecke bis zu 25 Prozent weniger. Das spart zum einen Geld. Zum anderen: Wenn ein Auto weniger Kraftstoff braucht, stößt es auch weniger vom klimaschädlichen CO2 aus. Doch der als so umweltfreundlich geltende Diesel ist eigentlich eine Dreckschleuder.

Der Dreck aus dem Auspuff: Giftiges Stickstoffdioxid

Was sind Stickoxide?

Stickoxide sind gasförmige Verbindungen aus Stickstoff (N) und Sauerstoff (O). Stickstoffmonoxid (NO) oder Stickstoffdioxid (NO₂) kommen in der Natur so kaum vor. Sie entstehen bei Verbrennungsprozessen. Besonders viel Stickoxid senden Dieselmotoren aus, weil der Kraftstoff dort bei höheren Temperaturen verbrennt als im Benziner. Aus dem Diesel-Abgas können Stickoxide zwar chemisch gelöst werden, dies geht aber nur durch eine aufwendige Nachbehandlung mit Harnstoff.

Die immer strenger gewordenen Euro-Normen sollten eigentlich dafür sorgen, dass die Luft sauberer wird. Doch die Untersuchungen des Umweltbundesamtes zeigen, dass Diesel-Autos die Auflagen unter realen Bedingungen nicht einhalten. Der Grenzwert eines Euro-6-Norm-Diesel liegt bei 80 Milligramm Stickoxide pro Kilometer, das Umweltbundesamt kam bei Messungen aber im Schnitt auf 507 Milligramm. Der Grenzwert eines Euro-4-Norm-Diesel liegt bei 250 Milligramm, die Messungen kamen im Schnitt auf 674 Milligramm. Das Ausmaß der Tricksereien der Autobauer wurden durch den Abgas-Skandal bekannt.

Mehr Infos auch bei swr.de/abgasalarm