Ein Smartphone in der Schultüte? Klar, sagen die Konzerne. Ein großer deutscher Mobilfunkriese bietet jetzt Verträge an – explizit für Kinder unter 10 Jahren. Doch die Wissenschaftler sagen: Das kann gefährlich werden!

Professor Manfred Spitzer ist Gehirnforscher und hat Bücher darüber geschrieben, warum Smartphones nicht in Kinderhände gehören. Er sagt: Unter 14 Jahren wird's sogar gefährlich. Das ist wissenschaftlich belegt.

„Der Handykonsum verursacht Aufmerksamkeitsstörungen – das ist nachgewiesen. Außerdem ist es ebenfalls nachgewiesen, dass es das Risiko einer Depression verdoppelt. Zudem ist es wahrscheinlicher, eine Zuckerkrankheit oder Bluthochdruck zu bekommen. Durch den höheren Stress nimmt außerdem die Immunabwehr ab, was Infektionskrankheiten fördern kann. Hinzu kommen Schlafstörungen und Sehstörungen. Das ist ebenfalls nachgewiesen.

Außerdem machen Handys süchtig. Das sagt sogar die Suchtbeauftragte der Regierung. Allein in Deutschland haben wir eine halbe Million Süchtige und eine halbe Million Risikofälle.“

Smartphones sind schädlich, sagt Prof. Spitzer. So wie Eltern auch darauf achten, dass sich Kinder einigermaßen gesund ernähren, so müssen sie auch digitale Geräte rationieren.

Mädchen und Junge schauen auf ein Smartphone; Foto: imago/Westend61
imago/Westend61

„Wir haben eine Epidemie an Übergewicht und zu viele Kinder mit Altersdiabetes. Außerdem haben wir mittlerweile viele Kinder mit schwierigem Sozialverhalten, mit mehr Gewaltbereitschaft und wenig körperlichen Fähigkeiten. Ein Viertel aller Kinder können bei der Einschulung nicht hüpfen. Das haben Stuttgarter Ärzte herausgefunden. Und da wollen wir den Kindern noch mehr Bildschirme geben, wo sie bewegungslos davor sitzen? Definitiv nein!

Hier geht es um massive Interessen der reichsten Firmen der Welt – Apple, Google und Microsoft. Die machen wir noch reicher und opfern dabei die Gesundheit der nächsten Generation. Das ist unverantwortlich.“

Doch werden Kinder zu Außenseiter, wenn sie kein Smartphone bekommen?

„Eltern müssen wissen, dass wenn ihr Kind zu früh ein Handy hat, dann wird es dadurch in seinen Bildungschancen beeinträchtigt und nicht dadurch, dass es keines hat. Die Industrie sagt was anderes, aber die will ja auch was verkaufen.“

Handys für Kinder? Ja, findet SWR3-Redakteur Stefan Hoyer.

Unter gewissen Bedingungen: Mein Sohn wollte schon sehr früh eins, aber selbst als er 10 war, haben wir uns die Entscheidung nicht leicht gemacht. Anders als andere Eltern sind wir aber davon überzeugt, dass ein Smartphone vor der vierten Klasse nicht sein muss. Denn erst dann sind die Kinder ansatzweise in der Lage zu spüren, dass so ein Teil nicht nur toll ist, sondern auch gefährlich werden kann. Außerdem haben wir weitere Vereinbarungen getroffen: Zum einen haben wir einen Mediennutzungsvertrag aufgesetzt und unterschrieben – im Netz gibt es wirklich gute Vorlagen. Außerdem haben wir eine App, mit der wir gezielt steuern können wann, wie lange und auf welche Apps unser Sohn Zugriff hat. Einige Apps haben wir damit auch komplett gesperrt: Facebook muss er noch nicht haben. Unser Sohn findet das echt doof, aber das war Teil des Deals. Genauso wie die Abmachung, dass wir uns zum Beispiel regelmäßig mit ihm gemeinsam Chatverläufe anschauen. Bislang klappt's.