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Svenja Maria Hirt
Svenja Maria Hirt, SWR3; Foto: SWR3/Alexander Winkler
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Mit dem Partner, dem Kind oder der besten Freundin sich zoffen – aber wie streitet man richtig? Und welche Streittypen gibt es? Psychotherapeutin Anke Meissner beantwortet außerdem eure Fragen. Hier könnt ihr mitdiskutieren.

Der nicht runtergebrachte Müll, die nicht gemachte Steuererklärung – es sind die kleinen Dinge, an denen wir uns reiben. Aber warum streiten wir uns?

Ganz oft liegt der Streitfaktor ganz wo anders. Das heißt, wir streiten uns mit dem Lebenspartner, obwohl wir ein Problem auf der Arbeit haben. Denn nicht immer können wir unseren Konflikten den Raum geben, den sie bräuchten. Psychotherapeutin Anke Meissner sagt in SWR3: „Ganz häufig entlade ich den Streit dort, wo ich mir sicher sein kann, dass derjenige mir nicht ganz so schnell weg läuft.“

Warum streiten wir uns?

Manchmal gibt es Situationen, die man nicht verändern kann. Man kann sich nicht mit dem Chef streiten oder der Kollegin, die einen tierisch nervt, aus dem Weg gehen. Die Konsequenz: Man nimmt diesen Stress mit nach Hause oder mit zu Freunden. Und regt sich dort über Dinge auf, die gar nicht der Grund für den Streit sind.

Wie streitet man richtig?

Streiten ist wichtig. Man muss sich auseinander setzen und sich trauen, die Dinge zu klären.

Tipp 1: Redet persönlich miteinander. Nicht per Whatsapp oder über andere Messenger-Dienste streiten. Es gibt sonst zu viele Missverständnisse.

Tipp 2: Das Problem neutral formulieren – ohne einen Vorwurf. Nicht sagen: „Immer musst du“ oder „nie kannst du“. Wenn diese Sätze vermieden werden, dann kommt der andere nicht in die Situation sich verteidigen zu müssen.

Tipp 3: Dem anderen etwas von sich selbst mitteilen: „Wie geht es mir damit“. Explizit dem anderen sagen, was einen traurig oder wütend gemacht hat – oder gekränkt hat. Wenn man von sich selbst redet, sollte der andere keine Gründe bekommen, sich angegriffen zu fühlen.

Tipp 4: Zuhören, heißt nicht nachgeben. Zuhören heißt: Danach darf ich reden.

Welche Streittypen gibt es?

Sag mir wie du streitest und ich sag dir wer du bist. Die Art, wie wir uns streiten, sagt viel über uns aus. Wir haben die verschiedenen Streittypen für euch zusammengefasst.

Das harmoniesüchtige Fluchttier streitet gar nicht. Es geht jedem Streit aus dem Weg, auch wenn es sich im Recht fühlt. Es verlässt sofort den Raum, wenn es laut wird. Über Probleme redet es nicht. Seine Bedürfnisse schluckt es meistens runter. Und: Es kann schweigen. Sehr lange.

Laut und leidenschaftlich wird's beim Choleriker. Wütend, zornig und direkt – das ist seine Art zu streiten. Er lässt seinen Gefühlen freien Lauf, wirft seinem Gegenüber oft heftige Worte an den Kopf, an denen das dann zu knabbern hat. Seine Wut geht allerdings so schnell, wie sie gekommen ist.

Der Rechthaber sagt: „Ich streite nicht, ich habe Recht.“ Er belächelt die Meinung anderer, lässt seinen Streitpartner nicht ausreden und zuhören…was ist das?

Der Eingeschnappte ist eine Mischung aus dem Rechthaber und dem Fluchttier. Er nimmt sich alles zu Herzen, was im Streit gesagt wird und zieht dann als beleidigte Leberwurst ab. Seine Lieblingsantwort auf die Frage, was denn los ist: „Nix, gar nix.“

Der Nörgler hat an allem und jedem etwas auszusetzen. Meist ist er aber mit sich selbst unzufrieden und gibt das dann an andere weiter.

Und dann gibt es noch den Analytiker oder den Immer-wieder-aufs-Brot-Schmierer. Er will alles haarklein ausdiskutieren, auch wenn alles gesagt ist. Er erinnert sich noch Jahre später an den vergessenen Geburtstag. Sein Lieblingssatz: Du machst das schon IMMER so.


Hier könnt ihr mitdiskutieren!

Psychotherapeutin Anke Meissner beantwortet eure Fragen live am Montag, den 7. Mai von 20:30 Uhr bis 23:30 Uhr. Stellt eure Fragen jetzt schon!