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Alexander Winkler
Alexander Winkler; Foto: SWR3 – Stephanie Schweigert
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Löschen, verstecken, oder Fakten checken: Soziale Netzwerke und Nachrichten-Apps wollen ihre Nutzer besser vor Fake News schützen. Jedenfalls sagen sie das. Aber tun sie genug dafür?

Es vielleicht eine der größten Herausforderungen, die soziale Medien derzeit bewältigen müssen: Fake News, also gezielte Falschmeldungen, in den Griff bekommen. Selbst die EU fordert mittlerweile, dass die Anbieter z. B. mehr gegen Fehlinformationen vor allem vor politischen Wahlen unternehmen soll.

Vier Strategien lassen sich dabei erkennen, auf die Facebook, YouTube und Co. dabei setzen: Posts überprüfen, glaubwürdige Inhalte hervorheben, die Verbreitung unterbinden oder Fake Accounts gleich komplett löschen. Wir erklären Euch, wie die einzelnen Plattformen das umsetzen und wie auch Ihr Fake News besser erkennt.

Facebook setzt auf Faktenchecker

Videos, Fotos, Textbeiträge, Links: Facebook ist nicht nur das größte soziale Netzwerk, sondern bietet auch noch ganz unterschiedliche Darstellungsformen. Damit dürfte das Aufspüren von Fake News wohl mit die komplizierteste aller Plattformen sein. Facebook setzt dafür auf eine Kombination aus Mensch und Maschine.

So hebt Facebook Seiteninformationen hervor; Foto: Screenshot: Facebook

Mit einem Klick aufs „i“ gibt Facebook Hintergrundinfos zu verlinkten Webseiten.

Screenshot: Facebook

Mit extra Faktencheckern werden gemeldete auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft. Sind es tatsächlich Fake News, können die Faktenchecker über einen Algorithmus automatisiert ähnliche Beiträge löschen lassen.

Gleichzeitig hilft Facebook uns Nutzern die Quellen von externen Links besser einzuschätzen. Über einen Infobutton bekommen wir Hintergründe und andere Inhalte von dieser Webseite angezeigt, anhand derer wir einordnen sollen, wie vertrauenswürdig die entsprechende Webseite ist.

YouTube empfiehlt keine Verschwörungstheorien

Auf die Taktik vertrauenswürdige Inhalte hervorzuheben, setzt auch YouTube. Zu streitbaren Themen oder überraschenden Nachrichtenlagen blendet das Video-Netzwerk in der Suche Links zu Nachrichtenwebseiten und eine kurze Textvorschau ein. Damit sollen sich zum Beispiel Gewalttaten, Naturkatastrophen oder anderen Großereignissen besser einordnen lassen. Denn in YouTube-Videos lässt sich oft nicht so schnell erkennen, ob sie wahr oder gefälscht sind.

Streitbare Inhalte will YouTube aber gleichzeitig auch unterbinden. Konkret sollen deswegen Videos mit Verschwörungstheorien nicht mehr in den Empfehlungen auftauchen. Gelöscht werden sollen sie hingegen nicht, das Netzwerk will nicht die freie Meinungsäußerung seiner Nutzer einschränken.

Falsche wissenschaftliche Studien, Lügen über den Klimawandel oder über Flüchtlinge: Fake News gehören mittlerweile zu unserem täglichen Leben. Aber warum glauben wir Fake News? Wie verändert das unsere Gesellschaft? Und wie kann man Falschmeldungen erkennen? Darüber hat Philosoph Christoph Quarch mit unseren SWR3-Hörern gesprochen.

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Instagram & Twitter löschen Fake-Accounts

Fake News verbreiten sich beim Kurznachrichtendienst Twitter und beim Fotonetzwerk Instagram besonders häufig über Fake-Accounts. Also Nutzerkonten, die nicht echten Menschen zugeordnet sind, sondern meist in Tausenden über Serverplattformen bespielt werden. Damit lassen sich Fehlinformationen besonders einfach in großer Stückzahl verbreiten. Sowohl Instagram als auch Twitter haben in der Vergangenheit immer wieder Löschaktionen vorgenommen, bei denen Fake-Accounts im großen Stil gelöscht wurden.

WhatsApp beschränkt Weiterleitungen

Beim Messenger WhatsApp ist der Umgang mit Falschmeldungen besonders knifflig. Denn alle Unterhaltungen und Inhalte sind verschlüsselt. Das heißt selbst WhatsApp weiß nicht, was wir Nutzer schreiben. Fake News können also nicht geprüft werden. Trotzdem will WhatsApp die Verbreitung von Falschmeldungen eindämmen. Deswegen sollen Nachrichten in Zukunft nur noch an maximal fünf Empfänger weitergeleitet werden können.

Es gibt keine hundertprozentige Absicherung gegen Fake News

Fake News sollen Menschen gegeneinander aufbringen und das Vertrauen in Politik, Medien und Gesellschaft zerstören. Ex-AfD-lerin Franziska Schreiber berichtet im SWR3-Interview, wie Fake News von dieser Partei systematisch produziert und verbreitet werden, warum wir Falschmeldungen so gerne glauben und welche Fakten sie selbst in ihrer aktiven AfD-Zeit gefälscht hat.

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Egal wie sehr die Netzwerke sich aber anstrengen, bislang gibt es keine Strategie, die Fake News mit Sicherheit verschwinden lässt – und es ist zweifelhaft, ob es die je gibt. Denn die Grenze zwischen gezielter Falschinformation, mangelhafter Berichterstattung und freier Meinungsäußerung kann fließend sein. Diese Abwägung fällt schon jetzt Menschen schwer, ein Algorithmus kann und sollte sie auch deswegen wohl nicht alleine treffen.

Damit sind auch wir Nutzer immer in der Pflicht, über Nachrichten, die wir im Netz finden, einen Moment nachzudenken, sie zu bewerten, und gegebenenfalls selbst noch mal zu googeln, ob das wirklich alles stimmen kann. Tipps, wie Ihr das am besten tut, haben wir hier für Euch zusammengeschrieben.

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Alexander Winkler
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