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Es ist das große Thema in jedem Wahlkampf: Sollen wir die Steuern senken, oder sollen wir das nicht tun? Soll der Staat das Geld lieber investieren? Wir haben zwei renommierte deutsche Wirtschaftswissenschaftler nach ihrer Meinung gefragt. Und wir wollen eure Meinung dazu wissen.

Der Bund sitzt im Moment auf einem Überschuss von ungefähr 15 Milliarden Euro. Sollen wir die Steuern senken: ja oder nein?

Eure Meinung ist gefragt:

Pro Steuersenkung

Michael Hüther; Foto: dpa/picture-alliance
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Michael Hüther ist Präsident des Instituts der Deutschen Wirtschaft. Er sagt: Ja!

Steuersenkungen sind Ausdruck von Gerechtigkeit, Fairness und Transparenz.

Der Steuergesetzgeber hat klar gesagt was er will: Nach der Leistungsfähigkeit besteuern und da passt es nicht, dass die unteren Einkommen die höchsten Progressionsraten haben. Von allen hinzuverdienten Euro muss man dort mehr weggeben, als oben. Das ist nicht gerecht. Das ist nicht fair. Das Geld ist dazu da, es zu organisieren. Wenn der Bürger das als fair empfindet, dann wird er darauf auch gut reagieren. Er wird nämlich vom Staat besser behandelt als vorher. Er wird dieses Geld klug verwenden. Er hat mehr Spielräume. Das in einer Zeit, in der insgesamt die Konjunktur gut läuft, ist glaube ich ein wichtiges Signal. Wann soll man es machen, wenn nicht jetzt? Die Finanzentwicklung der öffentlichen Haushalte gibt es her und zwar auch nachhaltig. Und deswegen ist es richtig, dass der Staat sich hier nicht dauerhaft unfair beteiligt an den Erträgen der Leistungen der Menschen, sondern mit Steuersenkungen selbst einen Beitrag leistet und damit auch wieder zurück kommt zu dem, was er versprochen hat. Leistungsfähigkeit als Betrieb der Besteuerung heißt gerecht und transparent zu sein.

Contra Steuersenkung

Gustav Horn; Foto: dpa/picture-alliance
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Gustav Horn leitet das Institut für Makro-Ökonomie und Konjunkturforschung der gewerkschaftsnahen Hans-Boeckler-Stiftung. Er sagt: Nein!

Es gibt drei Gründe, die gegen eine Steuersenkung sprechen!

Der erste Grund ist: Sie passen nicht in die wirtschaftliche Landschaft. Wir können das Geld nämlich nur einmal ausgeben und wir benötigen es viel dringender zur Förderung der Investitionen –insbesondere öffentlicher Investitionen– um unsere Infrastruktur deutlich zu verbessern. Das schafft mehr Wachstum und mehr Arbeitsplätze. Da ist der Euro sinnvoller angelegt. Der zweite Grund: Steuersenkungen sind gefährlich, denn tatsächlich wirken Steuersenkungen auf Dauer, aber wenn die Konjunktur zum Beispiel einbricht, können dadurch zum Beispiel Budgetdefizite entstehen und das zwingt den Staat in Zukunft wieder zum vermehrten Sparen. Und wenn mehr gespart wird, dann heißt das, dass die Bürger wieder stärker zur Kasse gebeten werden. Sie müssen letztlich höhere Gebühren zahlen und eine höhere Maut. Der dritte Grund: Steuersenkungen verstärken die Ungleichheit. In den letzten Jahren ist die Ungleichheit sehr stark gestiegen und wenn wir Steuern senken, werden ja nur die Steuern derer gesenkt, die auch Steuern zahlen. Das sind halt eher die Wohlhabenderen und die werden dann entlastet und jene die wenig haben, werden nicht entlastet. Aus all diesen drei Gründen kann ich Steuersenkungen zum derzeitigen Zeitpunkt –insbesondere vor dem Hintergrund der Schuldenbremse– nichts abgewinnen.

Autor
SWR3