Jede Stunde vor einem Bildschirm sorgt dafür, dass Babys und Kleinkinder 15 Minuten weniger schlafen. Das haben britische Forscher rausgefunden. Smartphone und Tablet haben aber nicht nur Nachteile für Babys. Wir klären, worauf es ankommt.

Eltern wissen: Es ist echt schwer, Kinder von Smartphones und Tablets fernzuhalten. Eine neue Studie zeigt jetzt: Die Hälfte aller Babys (51 Prozent) zwischen sechs und elf Monaten haben täglich ein Display vor der Nase. Bei 2- bis 3-jährigen Kindern sind es sogar 92 Prozent! Die Forscher der Birkbeck-Universität in London haben 715 Eltern befragt.

Babys schlafen weniger und zu anderen Zeiten

Babys und Kleinkinder, die tagsüber auf ein Display gucken, schlafen nachts weniger, dafür aber tagsüber ein bisschen mehr. Insgesamt sind es 15 Minuten weniger Schlaf für jede Stunde vor dem Display. Klingt erst mal nicht so wild, aber die Forscher warnen: Bis zum Alter von drei Jahren sei jede Minute Schlaf wichtig, weil sich in der Zeit das Gehirn am stärksten entwickelt. Und das eben im Schlaf. Die Ergebnisse der Studie seien zwar nicht endgültig und die Forschung noch am Anfang. Die Veränderung beim Schlafen könnte aber ein Hinweis darauf sein, dass Kinder später Schlafstörungen entwickeln.

Die motorischen Fähigkeiten verbessern sich

Trotzdem: Smartphone und Tablet sind nicht nur schlecht. Wenn Kinder einen Touchscreen aktiv nutzen, entwickeln sich die motorischen Fähigkeiten offenbar schneller. Auch das ist ein Ergebnis der Studie. Wichtig ist dabei, dass es Regeln dafür gibt, wie lange das Kind mit einem Tablet oder Smartphone spielen darf.

Wie viel Bildschirm ist okay?

Mediencoach Kristin Langer von der Initiative Schau hin; Foto: Schau hin!

Mediencoach Kristin Langer rät: Tablet und Smartphone am besten erst für Kinder ab vier Jahren

Schau hin!

Kristin Langer ist Mediencoach bei der Initiative Schau hin! und rät: am besten erstmal gar kein Tablet oder Smartphone für Babys. „Die Bedürfnisse liegen darin, die Welt anzufassen, alle Sinne zu erproben, zu riechen, zu schmecken, anzufassen. Da haben elektronische Medien wenig Platz, weil die Kinder mit den „echten“ Erfahrungen viel zu tun haben und sich davon auch irgendwann mal ausruhen müssen.“

Vertretbar ist für sie, wenn Kinder im Vorschulalter ab vier Jahren an Tablets und Computerspiele herangeführt werden. Trotzdem sollte es dann höchstens 30 Minuten am Tag sein, und das auch nicht täglich. „Wir Eltern sind schnell dabei, unsere Kinder mit digitalen Medien ruhigzustellen,“ so Kristin Langer. „Empfehlenswert ist aber Abwechslung. Ich kann mal ein Bilderbuch-App oder ein Spiel am Tablet erlauben, aber dann eben auch mal mit den Kindern singen, ein Bilderbuch oder Malbuch anbieten.“

Tipps: Darauf sollten Eltern achten

Die Initiative Schau hin! hat einige Tipps und Infos für Eltern zusammengestellt. Hier die wichtigsten im Überblick:

Kinder immer begleiten: Wichtig ist, dass Eltern ihr Kind bei den ersten Erfahrungen im Umgang mit Medien stets begleiten und mit ihm über das Erlebte sprechen, Kleinkindern fällt es noch sehr schwer, zwischen Realität und Vorstellung zu trennen.

Altersangaben beachten: Eine erste Orientierung bieten die Altersfreigaben für Filme, Games und Apps, etwa auf den Verpackungen von DVDs und Videospielen oder in den App-Stores. Für Kleinkinder kommen dabei höchsten Medien „ab 0 Jahren“ in Betracht.

Inhalte genau prüfen: Gute Angebote sind optisch ansprechend gestaltet, knüpfen direkt an die Lebenswelt der Kinder an und ermöglichen es, eigene Erlebnisse darauf zu beziehen, etwa eine Tier-App mit dem Besuch des Streichelzoos. Gute Apps und Webseiten für Kleinkinder enthalten wenig Text, machen Spaß, vermitteln spielerisch Wissen, sind werbefrei, enthalten keine ungeeigneten Verlinkungen, z.B. zu Social Media. Sie sind intuitiv zu bedienen und selbsterklärend.

Zeiten begrenzen: Gerade Kleinkinder brauchen enge Zeitfenster, da Medien sie auf Dauer überreizen. Bei Kindern bis fünf Jahren sind maximal eine halbe Stunde Mediennutzung genug und das auch nicht täglich. Weil Kinder in diesem Alter noch keine ausgeprägte Zeitvorstellung haben, ist es sinnvoll die Zeit an konkreten Ereignissen festzumachen (z.B. „Wir können damit spielen bis es Abendessen gibt.“) Achten Sie auf Anzeichen nachlassender Konzentration: Wirkt das Kind sehr angestrengt oder abgelenkt, ist dies ein Signal, den Umgang mit dem Medium zu beenden.

Vorbild sein: Kinder orientieren sich stark an ihren Eltern, auch bei der Mediennutzung. Deshalb ist ein bewusster Umgang auch für sie zu empfehlen, um ihrem Kind als Vorbild zu dienen. Oft ist einem nicht bewusst, wie oft man z.B. das Smartphone oder den Fernseher nutzt.

Abwechslung bieten: Die digitale Welt kann das Spielen im Garten und auf dem Spielplatz, Treffen mit Freunden oder das gemeinsame (Vor-)Lesen nicht ersetzen. Doch falls Eltern mal keine Zeit zum Vorlesen haben, gibt es Clips zu Kinderbüchern.