Autor
Nicola Müntefering
Nicola Muentefering; Foto: SWR3
Stand:

Dunkelblaue Samthose, Sternchen-Turnschuhe, nachthimmelblaues Sternchen-Jeans-Hemd: In diesem Outfit kommt Thomas Gottschalk zum exklusiven SWR3-Interview und spricht ganz offen über seine Trennung, sein neues Zuhause und einen echt peinlichen Moment.

Thomas Gottschalk ist einer der großen deutschen Entertainer. Eine ganze Generation ist mit ihm aufgewachsen. Wegen ihm hat sich die Familie samstagabends vor dem Fernseher versammelt. Jetzt kommt seine zweite Autobiografie Herbstbunt raus, in der er übers Älterwerden schreibt – und auch über Neuanfänge. Von denen gab es in den vergangenen Monaten einige.

Nicola Müntefering hat mit Thomas Gottschalk in der SWR3 Sonntagsshow über sein Leben gesprochen. Auch über die Trennung nach über 40 Jahren Ehe.

Nicola M+ntefering und Thomas Gottschalk; Foto: SWR3/ kaikarsten

Beiträge nachhören Interview mit Thomas Gottschalk

Dauer

Wie schwer ist eine Trennung, wenn die ganze Öffentlichkeit daran teilnimmt?

Thomas Gottschalk: Ich bin in solchen Gesprächen wirklich offen, weil es keinen Sinn hat um den heißen Brei herumzureden. Also: Das ist in der Tat etwas Traumatisierendes. Auch für einen heiteren Menschen wie mich war es nicht einfach, damit umzugehen. Du hast Söhne, die davon betroffen sind. Du musst mit deiner Frau reden. Du bist in einer Situation, in die du eigentlich nie kommen wolltest, in der du aber irgendwie auch gefühlsgesteuert bist und dann gewisse Dinge anders machst.

Ich hatte mein ganzes Leben lang das Gefühl, ich muss den Ansprüchen genügen, die man an mich stellt. Was will das Finanzamt? Was wollen meine Söhne? Was will meine Frau? Das ZDF? Was will mein Publikum? Ich mach das! Ich habe nie gesagt 'Ich will aber DAS'.

Ich war nie einer, der gut war im Durchsetzen eigener Wünsche und Gefühle.

Ich habe immer abgeliefert. Und es war toll! Es war ja nicht so, dass ich dabei gelitten habe. Es hat mir ja alles Spaß gemacht!

„Ich habe auch ein verdammt schlechtes Gewissen“

Ich hatte mein ganzes Leben lang Schwein: Ich habe mit sehr wenig sehr viel erreicht. Trotzdem sind solche Momente dann Zäsuren, die weh tun. Und ich habe auch ein verdammt schlechtes Gewissen, muss ich sagen, was ich den Menschen angetan habe, denen ich 30 Jahre das Gefühl gegeben habe, das läuft weiter so.

„Hinterlässt Schrammen und Wunden“

Nichtsdestotrotz ist in dieser späten Phase meines Lebens eine gewisse Unsicherheit bei mir aufgetreten. Wie kann das weitergehen? Was kommt noch? Und ich habe auch immer gedacht: Der Reward, den es dafür gibt, einfach so nach Drehbuch zu leben … im schlimmsten Fall gibt Petrus dir dann am Himmelstor das Fleißkärtchen. Und dann dachte ich: Und wenn da keiner steht und es keine Fleißkärtchen gibt? Also: Du wirst etwas ängstlicher und mutiger gleichzeitig – und genau das ist bei mir passiert. Und ich fühle mich durchaus wohl bei der Angelegenheit. Muss aber zugeben, dass das Ganze schon Schrammen und Wunden hinterlässt.

„Zugegebenermaßen anders geplant“

Was das private Leben betrifft, hatte ich das zugegebenermaßen anders geplant. Mit 22 habe ich meine Frau kennengelernt und bin da ziemlich geradlinig durchmarschiert. Wir waren beide nie normal. Haben also nie den Ansprüchen genügt. Sei es bei Wagner oder wo wir sonst aufgetreten sind. Alle haben gedacht: Was sind das denn für Vögel? Wir haben das auch in Amerika durchgezogen, wo mich niemand kannte, wo ich den Bonus des Fernsehmoderators auch nicht hatte. Man hat sich auch dort an uns gewöhnt.

In meinem Buch habe ich ein Kapitel geschrieben, das heißt „Everlasting Love“. Das musste ich ein bisschen umschreiben, weil ich natürlich in der Phase, wo ich gemerkt habe, dass ich beruflich nochmal angreife, dass für mich, sagen wir, die Autobahn, die ja erkennbar zu einem Ende hin geführt hat, mir etwas kurz wurde, hab ich gedacht, da fahren wir nochmal querfeldein. Und da bin ich tatsächlich querfeldein gefahren und da hab ich auf dem Acker eine junge Frau aus Baden-Baden getroffen. Und da begann es.

Wohin kommst du momentan, wenn du sagst: Ich gehe nach Hause?

Thomas Gottschalk: Ich habe tatsächlich Malibu als mein Zuhause betrachtet. Diese berühmte Windmühle, die es ja nun nicht mehr gibt. Das Schicksal hat sie mir genommen. Insofern: Ich bin da ja weder ausgezogen noch hatte ich keine Lust mehr. Ich habe aber mein Leben immer so organisiert, dass ich mit Vergnügen in den Rückspiegel gucken konnte und mit einem gewissen Interesse auf das, was vorn kommt. Ich wusste es nie so ganz. Ich habe dann plötzlich Baden-Baden entdeckt, was auch nicht mein Lebensplan war. Und würde jetzt sagen: Ich lebe in Baden-Baden.

Du hast DNT aktiviert. Wir stellen die Verbindung zu Facebook erst her, wenn du dies erlaubst. Die Einwilligung ist freiwillig und gilt nur temporär. Mehr dazu findest du in unseren Datenschutzhinweisen.
Den Beitrag bei Facebook ansehen.

Wollen Leute oft Selfies mit dir?

Thomas Gottschalk: Ich bin immer wieder überrascht, bei aller Bescheidenheit, wie viele Menschen mich mögen. Ich war jetzt gerade auf dem Rammstein-Konzert. Und alle Tätowierten und Gepiercten dieser Welt, die da waren … da kam zu mir einer: „So wat wie dich gibt es gar nicht mehr!“ Das war eine rührende Hingabe dieser Menschen, die aus allen Gründen gekommen war, nur nicht um mich zu treffen.

Aber jeder erinnert sich irgendwie an eine Situation – ob es Michael Jackson war, ob es eine Baggerwette war, ob es ich und der Schimanski waren … also: Jeder weiß irgendwas aus meinem Leben und denkt auch gerne dran zurück. So verbinden heute viele Menschen ihre Glücksgefühle am Samstagabend auf der Couch mit mir und damit kann man gut leben.

Stört es dich, dass du in der älteren Generation noch so präsent bist, in der jüngeren vielleicht nicht mehr so?

Thomas Gottschalk: Das stört mich überhaupt nicht. Ich habe ja kein Abonnement auf die Zuneigung von mehreren Generationen. Es ist schon so, dass ich ein breites Spektrum abdecke. Das liegt aber im Wesentlichen daran, dass ich Menschen wirklich mag. Ich habe nie in meinem Leben die Straße gewechselt, weil mir jemand entgegengekommen ist, der schon in 10 Metern Entfernung angefangen hat zu tanzen. Das gehört bei mir zum Berufsrisiko und wenn es nicht so wäre, hätte ich ja was falsch gemacht. Ich ernte jetzt die Früchte meiner Arbeit und das sieht eben so aus, dass mir fremde Menschen in die Arme fallen.

Thomas Gottschalk und seine peinliche „Sportlerverletzung“

Thomas Gottschalk: Ich habe mich mein ganzes Leben lang von Sport ferngehalten, weil die Verletzungsgefahr ja bekanntlich groß ist. Insofern habe ich Raum gehabt für Verletzungen und habe das in Jerusalem erledigt. Da bin ich aufs Pflaster geknallt. Und wenn in Jerusalem einer auf dem Pflaster liegt, denken ja immer alle gleich, das war ein Attentat. Und mir war das peinlich! Ich hatte auch noch so einen karierten Anzug an. Mit dem liegt man nicht auf dem Pflaster. Auf jeden Fall lag ich da, eine Frau hat gekreischt und dann kam auch relativ schnell die Polizei und wollte mich aufklauben. Dann haben die aber gesehen, dass ich nicht geblutet habe. Und ich habe schon beim Hinfallen so einen eigenartigen Riss … man hat gemerkt, da hat was gezischt. Und dann war der Quadriceps durch. Das ist eine seltene Verletzung, die sich nur „Spitzensportler“ (Nicola: „Wie du?!“) zuziehen können, bei allen andern hält der.