Stand:

Es gibt gravierende medizinische Unterschiede zwischen Mann und Frau und zwar nicht nur bei Krankheits-Symptomen, sondern auch bei der Dosis verschiedener Medikamente. Worauf es ankommt, erklärt Geschlechterforscherin Vera Regitz-Zagrosek.

Ein Herzinfarkt, verschiedene Symptome

Bloß kein Trend verpennt (125): Ein Klassen-Medizin; Foto: SWR.de
SWR.de

Herzinfarkt bei Frauen

„Bei Frauen äußern sich Herzinfarkte häufig ganz symptomarm. Oft merkt man nicht richtig, dass man Brustschmerzen hat. Die betroffenen Patienten klagen dann eher über starke Übelkeit, Schwäche oder Rückenschmerzen. Niemand kommt auf die Idee, dass die Patientin einen Herzinfarkt hat“, erklärt Forscherin Vera Regitz-Zagrosek.

Herzinfarkt bei Männern

„Bei Männern sind es eher die klassischen Symptome: Schmerzen in der Herzgegend, links im Brustkorb, die häufig in den linken Arm ausstrahlen. Männer, die beispielsweise unter Diabetes leiden, können aber durchaus auch einen symptomarmen Herzinfarkt haben. Es gibt einen großen Überlappungsbereich zwischen Männern und Frauen, denn natürlich haben nicht alle Männer nur die einen Symptome und nicht alle Frauen die anderen.“

Ist Männergrippe wirklich schlimmer?

Akute Infektionskrankheiten, wie die Grippe, treffen Männer oft härter als Frauen.

Vera Regitz-Zagrosek

Zum Beispiel Lungenentzündungen, die auf der Intensivstation untersucht werden, würden bei Männern schlimmer als bei Frauen verlaufen, weil Männer in der akuten Abwehr eines Infektes nicht so gut seien wie Frauen, erklärt Vera Regitz-Zagrosek. „Das weibliche Immunsystem funktioniert hier besser.“ Damit sei bestätigt, dass die klassische Männergrippe doch nicht so leicht von der Hand zu weisen sei.

Der weibliche Nachteil

Aber was für Frauen in Bezug auf Infektionskrankheiten ein Vorteil ist, birgt natürlich auch gewisse Nachteile: „Von Autoimmunerkrankungen, also solche Erkrankungen, die sich gegen sich selbst richten und das eigene Gewebe angreifen (Rheuma oder Osteoporose), sind Frauen dafür häufiger betroffen.“

Frauen bräuchten eine andere Dosis der Medikamente als Männer


„Männer profitieren bei Standarddosen deutlich mehr“, meint Vera Regitz-Zagrosek. „Man müsste bei Frauen strikter mit Blutspiegeln kontrollieren oder die Dosis mehr an das Körpergewicht und die Nierenfunktion anpassen. Einige Medikamente gegen Herzrhythmusstörungen können bei Frauen nämlich leichter genau diese verursachen. Auch die Medikamente bei Herzschwäche sollten bei Frauen niedriger dosiert werden, als bei Männern.“

Das sind Erkenntnisse, die wir so noch nicht kannten, die auf Beipackzetteln allerdings vermerkt werden sollten!

Vera Regitz-Zagrosek

„Frauen sind keine kleinen Männer!“

„Man muss davon ausgehen, dass wir Frauen in den letzten Jahrhunderten in der Medizin leider nur eine periphere Rolle gespielt haben. Die universitäre Medizin war überwiegend männlich und deshalb war der männliche Körper auch der Prototyp aller Dinge. Und auch wenn diese Männer die Medizin voran gebracht haben, haben sie wohl einfach vergessen, dass eben Frauen keine kleinen Männer sind.“

Autor
Verena Ganz