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Brustkrebs kann jeden treffen. Aber erhöhen größere Brüste das Krebsrisiko? Und bekomme ich auch Brustkrebs, wenn meine Mutter ihn hat? Wir klären auf und sagen dir, was stimmt und was nicht.

Die meisten Tumore in der Brust stellen sich bei der Untersuchung als gutartig heraus. Dabei kann es sich um Bindegewebsgeschwülste handeln oder um flüssigkeitsgefüllte Zysten. Bösartige Tumore gehen fast immer von den Brustdrüsen aus. Dabei ist in Deutschland Brustkrebs die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. SWR-Wissenschaftsredakteur Jochen Steiner klärt auf, welche Mythen wahr und welche falsch sind.

1: Smartphones verursachen Brustkrebs

Nein, weder hochfrequente (z.B. Handys) noch niederfrequente Felder (z.B. Elektrogeräte) sind stark genug, um Atome und Moleküle direkt zu verändern. Elektromagnetische Felder können die Erbinformation in Zellen also nicht so schädigen, dass Krebs entsteht. Ob es allerdings indirekte Effekte gibt, die das Krebsrisiko fördern, ist nicht abschließend geklärt.

2: Je größer die Brust, desto größer das Krebsrisiko

Jein: Der Einfluss der Größe der Brust auf das Brustkrebsrisiko ist nicht abschließend geklärt. Fest steht: Je höher der Anteil an Drüsen- und Bindegewebe, desto dichter ist die Brust. Frauen mit einem sehr dichten Brustgewebe haben ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs. Eine Brust mit viel Drüsengewebe hat mehr Zellen, die entarten können.

3: Bügel-BHs erhöhen das Brustkrebsrisiko

Nein, es gibt keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass BHs das Brustkrebsrisiko erhöhen.

4: Meine Mutter hat Brustkrebs, bekomm ich es auch?

Jein. Die „Brustkrebsgene“ BRCA1 und BRCA2, die das Risiko deutlich steigern und in der Familie vererbt werden können, spielen vermutlich nur bei etwa fünf bis maximal zehn von hundert Patientinnen eine Rolle.

5: Brustkrebs kann ich nicht vorbeugen

Nein. Aber es gibt einiges, was getan werden kann, um das Brustkrebsrisiko zu senken: Vor allem Frauen, die die Wechseljahre schon hinter sich haben, sollten eine Gewichtszunahme vermeiden oder Übergewicht abnehmen. Möglichst wenig Alkohol und viel Bewegung, vor allem nach den Wechseljahren. Außerdem sollte auf eine Hormonersatztherapie in den Wechseljahren verzichtet werden.

6: Das Risiko, an Brustkrebs zu sterben, ist sehr hoch

Nein. Die 10-Jahres-Überlebensrate liegt bei etwa 80 Prozent. Zum Vergleich: Bei Darmkrebs sind es knapp 60 Prozent, bei Bauchspeicheldrüsenkrebs knapp 10 Prozent.

Heute sterben weniger Frauen an Brustkrebs als früher. Ein Früherkennungsprogramm bietet ab dem 30. Lebensjahr die Möglichkeit einer jährlichen Tastuntersuchung. Im Rahmen des Mammographie-Screening-Programms werden Frauen zwischen 50 und 69 alle zwei Jahre zu einer Röntgenuntersuchung der Brust eingeladen.

7: Chemo ist die einzige Behandlungsmöglichkeit

Nein. Bis die Diagnose Brustkrebs gestellt ist und alle notwendigen weiteren Untersuchungen durchgeführt wurden, kann es einige Tage dauern, unter Umständen auch länger. Dann folgt die Planung der Behandlung: Sie wird heute individuell für die Bedürfnisse jeder Patientin angepasst. Die erste Behandlung von Brustkrebs sollte an einer Klinik erfolgen, die über ausreichende Erfahrung verfügt und an der alle in die Diagnostik und Therapie eingebundenen medizinischen Fachgebiete vertreten sind. Der erste Ansprechpartner ist aber die Frauenärztin.

8: Wenn ich schwanger bin oder stille, kann ich keinen Brustkrebs bekommen

Nein. Auch dann kann Brustkrebs auftreten, was allerdings sehr selten vorkommt. Andererseits gibt es wissenschaftliche Hinweise darauf, dass Stillen das Brustkrebsrisiko senken kann.

9: Nur Frauen bekommen Brustkrebs

Nein, auch Männer können von Brustkrebs betroffen sein: Auf etwa 100 Erkrankungen bei Frauen kommt eine bei einem Mann. In Deutschland wird die Diagnose jährlich etwa 650 mal gestellt.

Brustkrebs Deutschland e.V. räumt mit Brustkrebs Irrtümern auf; Foto: Christin Klose/ picture alliance / dpa

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Wie schlimm ist die Diagnose?

Jedes Jahr bekommen etwa 70.000 Patientinnen diese Diagnose. Im Jahr 2016 starben 18.570 Frauen an der Krankheit. Am größten ist das Risiko im Alter zwischen 65 und 75. Aber fast 30 Prozent der betroffenen Frauen sind bei der Diagnose jünger als 55 Jahre.

Wie schlimm ist die Therapie?

Ist die Diagnose gestellt, können viele Frauen heute brusterhaltend operiert werden. Wenn man einen großen Tumor hat, lässt sich dieser unter Umständen durch eine medikamentöse Therapie vorab verkleinern, meist eine Chemotherapie. Zur brusterhaltenden Operation kommt danach aber eine Strahlentherapie hinzu, um den Schutz vor einem Rückfall zu verbessern.