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Kira Urschinger
Kira Urschinger; Foto: SWR3 / Nadine Luft
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Zwischen Kindergarten und Arbeitspensum, zwischen Ballettstunden und Sondermeetings – berufstätige Mütter fühlen sich oft zerrissen, überlastet, müde. Wir beleuchten die guten und schlechten Seiten der Doppelbelastung und geben Tipps, wo du Hilfe bekommst, wenn es zu viel wird.

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Die Horror-Vorstellung vieler Mütter, die berufstätig sind – das Kind hat das Gefühl, dass man nicht genug da ist oder überhaupt nicht mehr zu Hause. Eine Momentaufnahme im Tweet unter dem Hashtag #workingmum. Bedrückend. Klar, keine Frau will eine schlechte Mutter sein, genauso soll der Beruf nicht leiden. Oder er darf es nicht, schließlich ist ein Job auch nicht immer eine gemeinnützige Veranstaltung, bei der man sich als Frau wünschen kann, wie man es gerne hätte.

So hart ist der Alltag für erwerbstätige Eltern

Die Auswirkungen, die das Leben als Mutter UND Arbeitnehmerin haben kann, kennen viele Frauen, die das täglich stemmen müssen oder wollen: Mutti hat wenig geschlafen, weil der Sohn krank ist. Sie muss früher Feierabend machen, damit sie ihn zu seiner Feier im Kindergarten bringen kann. Oder die Tochter hat einen wichtigen Ballett-Auftritt, der natürlich genau gleichzeitig mit dem Wochenenddienst von Mama zusammenfällt.

Schlafmangel: Diese Probleme kommen auf arbeitende Eltern zu

Manche Mamas nehmen es mit Galgenhumor:

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Natürlich gibt es auch engagierte Väter mit denselben Problemen, aber Frauen empfinden die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie oft schwieriger als Männer, das legt die aktuelle Untersuchung Gute Arbeit des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) nahe:

Auf die Frage, wie häufig es vorkommt, dass man Schwierigkeiten hat, Betreuung und Erziehung der Kinder mit der Arbeit zeitlich vereinbaren, sagen...

  • 31 Prozent der Vollzeit arbeitenden Frauen, das sei sehr häufig oder oft der Fall
  • 26 Prozent der Männer in Vollzeit, das sei sehr häufig oder oft so
  • 26 Prozent der Frauen in Teilzeit haben dieses Gefühl sehr häufig oder oft
  • 13 Prozent der Männer in Teilzeit, das sei sehr häufig oder oft ein Thema

So denken prominente Frauen über die Mutterrolle

Sich im Auto auf dem Weg in die Arbeit schminken, verschwitzt und abgekämpft dort ankommen … und dann noch dieses schlechte Gewissen dem Kind oder den Kindern gegenüber. Autorin Susanne Fröhlich erzählt im Interview mit der SWR3-Morningshow, wie sie das als arbeitende Mutter erlebt:

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Viele Promi-Frauen kennen ähnliche Situationen: Das mit dem schlechten Gewissen kann Schauspielerin Maria Furtwängler bestätigen. Sie hat zwei Kinder und hat auch immer gearbeitet. Und sie sagt im Gespräch mit SWR3: Frauen sollten damit aufhören, sich untereinander so kritisch zu beurteilen. Außerdem sollte der Mann bestenfalls unterstützen.

Dem stimmt Schauspielerin Jasmin Tabatabai zu: Ohne den Partner würde sie das alles nicht schaffen. Sie ist zweifache Mutter, habe immer gearbeitet und sich ein gutes Netzwerk aufgebaut, erzählt sie. Auch das ist ja für berufstätige Mütter so wichtig. Allerdings meint sie auch: Alles kannst du nicht schaffen.

Hören Sie auf über berufstätige Mütter zu sagen, sie meistern gekonnt den Spagat zwischen Beruf und Familie. Das ist kein Kompliment. Das heißt nur, sie halten den reißenden Schmerz im Schritt derzeit noch aus. Fangen wir an zu überlegen, warum und ob es ein Spagat sein muss.

Tweet von Jasmin Tabatabai

Sängerin und Schauspielerin Anna Loos hat es ebenfalls gemacht – sie hat schnell wieder angefangen zu arbeiten. Und sie fand es für sich selbst wichtig:

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Diese Rechte haben arbeitende Mütter und Väter

Alleinerziehende Mütter haben es noch schwerer

Die Studie des Gewerkschaftsbundes zeigt: Insgesamt hat fast jeder Dritte nach eigener Einschätzung Schwierigkeiten, Kindererziehung oder übrigens auch Pflege mit der Arbeit zu vereinbaren, so das Ergebnis der Studie. Andere Studien und Umfragen kommen zu ähnlichen Ergebnissen, wie beispielsweise bei einer Umfrage der Krankenkasse AOK. Hier wird klar, dass die Belastung von Alleinerziehenden noch stärker wahrgenommen wird als bei Familienpaaren mit zwei Berufstätigen.

Unter dem Hashtag #workingmum erzählen Userinnen, wie fertig sie manchmal sind mit ihrer Doppelbelastung als Arbeitnehmerin und Mutter.

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Auch wenn sich am Ende durchaus positive Aspekte auftun – wie bei Susanne Fröhlich das moderne Frauenbild des Sohnes: Bereits der Gedanke an diese möglichen Schwierigkeiten scheint in Deutschland viele Mütter abzuschrecken. Die OECD hat in einer vergleichenden Untersuchung herausgearbeitet, dass in Deutschland die „Wahrscheinlichkeit höher ist, dass Frauen ihren Berufswunsch und ihre Arbeitszeiten dem Kinderwunsch unterordnen müssen. In Frankreich hingegen gewährleistet das Angebot an Ganztageskinderbetreuung, einschließlich außerschulischer Betreuung, offenbar, dass das Geburtenverhalten weniger vom Arbeitsumfang und Beruf abhängig ist.“

„Oh Gott, da ist ein Kind. Das ist einem lästig.“

Working Mum: Hannah ist Ärztin und Mutter; Foto: privat

Hannah und Björn haben gemeinsam in Schweden gelebt und festgestellt, dass dort einiges einfacher ist.

privat

Für den SWR3-Report: Mama arbeitet – zwischen Rabenmutter und Alltagsheldin haben wir mit Hannah gesprochen, sie ist Ärztin aus Neustadt/Wied in Rheinland-Pfalz und hat selbst erlebt, wie anders in anderen Ländern mit der Doppelbelastung von Elternschaft und Arbeitsalltag umgegangen wird. Hannah hat zwei Kinder und hat gemeinsam mit ihrem Mann vier Jahre lang in Schweden gelebt.

Sie erzählt, sie habe den vor allem einen kulturellen Unterschied im Umgang mit Kindern – und dadurch auch mit Müttern – gespürt:

Wenn man mit einem kleinen Kind unterwegs ist, man hat viel mehr das Gefühl, dass sich andere für einen mitfreuen und nicht: Oh Gott, da ist ein Kind. Das ist einem lästig.

Aber auch mit organisatorischen Dingen sei man in Schweden weiter vorne: Die Suche nach einem Kita-Platz beispielsweise sei viel einfacher gewesen. Hinzu kommt, dass die Kitas in der Regel von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends offen haben. Hannahs Mann Björn erzählt SWR3 von den Vorzügen der Flexibilität:

Halbtagesplätze gibt es in dem Sinne nicht. Es gibt zum Beispiel auch die Möglichkeit für Frauen, die Schicht arbeiten – also zum Beispiel Krankenschwestern, die auch Nachtdienste haben – auch eine Über-Nacht-Betreuung zu haben. Die bringen ihr Kind dann abends in den Kindergarten und holen es morgens wieder ab.

Diese Vorteile hat es, als Mutter berufstätig zu sein

Während sich hierzulande Eltern offenbar Sorgen machen, dass sie nicht genug Zeit mit den Kindern oder der Familie insgesamt verbringen, können Befragungen des Bundesfamilienministeriums beruhigen: Hier wird eine Untersuchung des Instituts für sozialwissenschaftlichen Transfer (SowiTra) aufgeführt. Man habe Familien, in denen beide Eltern in Vollzeit arbeiten, zu ihrem Alltag befragt – insbesondere die Kinder. Hier habe sich gezeigt: Kinder in Familien mit zwei vollzeitnah arbeitenden Eltern seien mehrheitlich zufrieden. Sie erlebten keinen Mangel an gemeinsamer Zeit. Und auch Eltern unter dem Hashtag #workingmum sehen ihre Doppelaufgabe durchaus auch mit Humor:

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Die Befragung legt außerdem nahe, dass es auch der Wertevermittlung dienen kann, wenn Kinder erleben, dass beide Eltern arbeiten und gleichermaßen im Beruf stehen wie für die Familie da sind – so wie es Susanne Fröhlich im Gespräch mit SWR3 über ihren Sohn gesagt hat.

Für die große Mehrheit der Kinder mit zwei vollzeitnah arbeitenden Eltern, sind beide Elternteile gleichwertige Bezugspersonen im Alltag - was die Kinder als bereichernd erleben. Sie nehmen insbesondere wahr, dass ihre Väter präsenter sind als in anderen Familien. Sich die Verantwortung für Beruf wie Familie zu teilen, empfinden Kinder wie Eltern als fair und gerecht.

Bundesministerium für Familie

Auch Männer finden das oft gut, wenn Frauen zeigen, dass die Kinder genauso ein Teil ihres Lebens sind wie der Beruf. Und Väter genauso beteiligt in der Erziehung wie Mütter. Dass Männer sich grundsätzlich eingeschüchtert fühlen von berufstätigen Frauen, scheint angesichts der Tweets männlicher User unter dem Hashtag #workingmum ein überholtes Klischee. Die Männer im Netz jedenfalls sind durchaus auch voller Bewunderung.

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Eltern sind seltener krank – jedenfalls später

Und auch wenn es oft anstrengend ist, es gibt Studien, die Hoffnung machen: Eine Auswertung der Techniker-Krankenkasse legt nahe, dass berufstätige Eltern sich zwar oft erschöpft fühlen und bezweifeln, ob sie das noch alles in den Griff kriegen. In der Praxis sind sie aber seltener krank. Jedenfalls, wenn die aufreibendste Zeit mit Kleinkindern vorüber und der Schlafmangel nicht mehr ganz so akut ist.

Eltern leben deutlich gesünder als Kinderlose. Ältere Väter und Mütter sind bis zu einer Woche weniger krank als Kinderlose.

Nicole Battenfeld, Sprecherin der Techniker-Krankenkasse

Der Krankenkasse zufolge bekommen Mütter und Väter auch deutlich weniger Psychopharmaka verschrieben, die zum Beispiel bei Depressionen oder Burnout eingesetzt werden. Die Familie kann also eine Energiequelle sein – wenn alle mithelfen.

Hier bekommen überlastete Mütter und Väter Hilfe

Experten empfehlen, auf sich selbst zu achten und ehrlich mit sich zu sein: Bin ich überfordert, bin ich überlastet? Brauche ich Hilfe, um meinen Alltag in den Griff zu kriegen? Wichtig: Sich Hilfe zu holen bedeutet nicht, dass man als Eltern gescheitert ist.