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Kira Urschinger
Kira Urschinger; Foto: SWR3 / Nadine Luft
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Lisa geht am Wochenende mit ihren Freundinnen auf eine große Party in einem bekannten Club. Sie trinkt dort zwei Gläser Sekt, da eine Freundin Geburtstag hat, für mehr reicht ihr Geld sowieso nicht... Stunden später erwacht sie unbekleidet neben einem ihr fremden Mann in einer unbekannten Wohnung. Lisa ist Opfer von K.O.-Tropfen geworden.

Für einen Nachweis von K.O.-Tropfen müsste eine Haaranalyse gemacht werden, die sie aus eigener Tasche bezahlen müsste. Lisa hat keine Lust mehr, sie weiß selbst nicht was los war und möchte die ganze Sache einfach vergessen und sich auf ihre Ausbildung konzentrieren. Leider kein Einzelfall.

Auf der Aktionsseite K.O.-Tropfen, nein danke sind stellvertretend drei Geschichten aufgeführt: von Lisa, Julia und Anika. Es sind solche Horrorgeschichten, die einerseits auf das Problem aufmerksam machen, aber auch die Angst besonders von jungen Frauen schüren, abends wegzugehen.

So kannst du dich am besten schützen

1. Lass dein Getränk nicht alleine!

Die Polizei rät dazu, beim Feiern grundsätzlich die Drinks nicht unbeaufsichtigt zu lassen. Also: Nicht auf die Tanzfläche verschwinden und den Cocktail an der Bar zurücklassen.

2. Sei vorsichtig mit Fremden

Natürlich lernt man auf Partys neue Leute kennen – so hat schon so manche Lovestory begonnen. Die Polizei warnt aber davor, sich von Fremden einfach so auf ein Getränk einladen zu lassen. Vor allem, wenn es sich um ein offenes Getränk handelt – also einen Longdrink oder ein Glas Wein. Besser: eine Flasche Bier, die vom Barkeeper frisch geöffnet wird.

3. Nicht zögern, den Notarzt rufen

Wenn dir irgendetwas komisch vorkommt oder du jemanden beobachtest, der neben sich steht und eigentlich gar nicht viel Alkohol getrunken hat: unter 112 den Rettungsdienst rufen. Wichtig: Die Notrufnummern funktionieren, auch wenn dein Handy kein Guthaben mehr hat.

4. Bewusstlos? Sofort handeln!

Wenn jemand gar nicht ansprechbar oder bewusstlos ist, muss sofort ein Notarzt mit alarmiert werden. Es besteht möglicherweise Lebensgefahr. Wichtig: Die Atmung und Puls kontrollieren, bei Bedarf stabile Seitenlage. Bei Atem- oder Herzstillstand: Wiederbelegung bis der Notarzt da ist.

5. Beweisaufnahme im Krankenhaus ist wichtig

Wenn einem Opfer von K.O.-Tropfen möglicherweise auch Gewalt widerfahren ist, zögere nicht, die Polizei zu rufen (110). Die Polizisten können zur Beweisaufnahme eine sofortige Untersuchung in einem Krankenhaus veranlassen. Das ist wichtig, um den Tathergang später nachvollziehen zu können.

6. Nicht warten!

Wichtig ist, wann immer du das Gefühl hast, dass bei dir etwas nicht stimmt oder bei deinen Freunden, sofort aktiv zu werden und den Notarzt verständigen – am besten gleich am Telefon sagen, wenn du den Verdacht hast, dass es sich um K.O.-Tropfen handeln könnte. Denn K.O.-Mittel sind (je nach Substanz mit Abweichungen) im Blut circa 6 bis 8 Stunden nachweisbar, im Urin 12 Stunden bis maximal 14 Stunden nach Einnahme. Da muss schnell gehandelt werden. Deshalb wird auch empfohlen, Urin in einem sauberen Glas kühl aufzubewahren, um es später untersuchen zu lassen.

9. Gemeinsam zu feiern ist am sichersten

Eigentlich klar, aber dennoch wichtig: Wer mit Freunden feiern geht, kann im Freundeskreis ja mal über K.O.-Tropfen sprechen, sich gegenseitig dafür sensibilisieren. Wenn jeder ein bisschen auf den anderen achtet und man gemeinsame Regeln aufstellt (sowas wie: „Wir gehen zusammen auf die Party, wir verlassen sie auch zusammen“), kann so manches Risiko von vorne herein vermieden werden.

Was sind eigentlich K.O.-Tropfen?

K.O.-Tropfen sind Substanzen oder Lösungen, die einem Opfer ohne dessen Zustimmung verabreicht werden. Die Absicht des Täters: Das Opfer ruhigzustellen beziehungsweise eine Willenslosigkeit oder Wehrlosigkeit herbeizuführen. In einem Papier des Bundesministeriums für Inneres heißt es, ein Schlafzustand sei genauso möglich wie eine rauschartige Wirkung. Es gäbe nicht DAS K.O.-Mittel, es handle sich vielmehr um unterschiedliche Substanzen. Die Wirkung der K.O.-Mittel tritt im Schnitt 10-30 Minuten nach dem Trinken ein.

Auch wenn K.O.-Tropfen meist in Zusammenhang mit Frauen besprochen werden, sind Männer genauso betroffen. Die betäubenden Mittel können für Folgetaten wie Vergewaltigungen oder auch Raub benutzt werden – diesen Taten können Männer wie Frauen zum Opfer fallen.

Zur zahlenmäßigen Verteilung Frauen und Männer sind aktuell keine Angaben möglich.

Belastbare Daten zur Häufigkeit von K.O.-Tropfen-Fällen gäbe es nicht. Die Behörden gehen offenbar von einer hohen Dunkelziffer aus. Dennoch heißt es vom Bundesinnenministerium: „Die Meldungen zu K.O.-Tropfen-Fällen haben weltweit in den letzten Jahren bedeutend zugenommen.“

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So wirken K.O.-Tropfen

Aber wie kann ich merken, dass ich K.O.-Tropfen verabreicht bekommen habe? Ansehen könne man das dem Drink jedenfalls nicht, sagen Toxikologen. Geruch und Farbe verraten eigentlich nichts über den Drogencocktail. Der leicht bittere oder pfeffrige Geschmack sei für die Betroffenen oft schwierig zu identifizieren, da das K.O.-Mittel meist in sehr geringen Mengen zugefügt wurde. Je nachdem, welche Substanz in dem Mittel enthalten ist, kann es außerdem auch völlig geschmacksneutral sein.

Mediziner haben Faktoren gesammelt, von denen die Opfer selbst sagen, dass sie diese Veränderungen wahrgenommen hätten. Diese bemerkte Wirkung kann je nach verabreichter Substanz variieren. Es ergibt aber eine Hinweisliste, die sensibilisieren kann:

  • unter Umständen ein ekliger, bitterer Geschmack
  • Verwirrtheit
  • Schwindel
  • Benommenheit
  • Schläfrigkeit
  • Bewusstseinsstörung
  • Beeinträchtigung des Erinnerungsvermögens
  • Gefühl, seine Handlungen nicht entsprechend dem Willen ausrichten zu können
  • erniedrigte Herzfrequenz, Hypotonus
  • Verlust der Muskelkontrolle
  • Übelkeit
  • Enthemmung
  • Bewusstlosigkeit

Einige Auswirkungen sind sehr ähnlich einem alkoholischen Rausch. Besonders wichtig ist es deshalb, dass jeder Partybesucher aufmerksam ist, wenn er oder sie etwas Komisches beobachtet. Hat da jemand was in ein Getränk getan? Ist die Frau, die gerade erst stocknüchtern zur Tür rein kam, wirklich nach zwei Drinks schon bewusstlos?

Experten fordern dazu auf, die Augen offen zu halten und als Beobachter lieber einmal zu viel nachzufragen und einzugreifen, als zu schnell zu denken: „Ach, die hat wahrscheinlich Drogen genommen – vermutlich ist das ihr Freund – wird schon nichts passiert sein.“

Das bringen K.O.-Tropfen-Tests

Armbänder oder Trinkröhrchen, die die Farbe ändern, wenn man sie in den Drink hält und sich K.O.-Tropfen daran befinden – es gibt immer mehr scheinbar einfache Hilfsmittel, die Frauen und Männern eine größere Sicherheit garantieren sollen. DASDING hat sie getestet und mit einem Toxikologen besprochen. Das ernüchternde Urteil des Experten: „Es hat im Wesentlichen eigentlich nicht funktioniert, muss man sagen.“

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