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Simone Sarnow
Simone Sarnow; Foto: SWR3
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Herzklopfen, zitternde Knie, Schweißausbruch – unangenehme Symptome, die auftreten können bei Angst. Doch: „Wir brauchen die Angst, weil sie ein Warnsignal ist“, sagt Psychotherapeutin Doris Wolf. Warum es wichtig ist Angst zu haben, ab wann sie krankhaft wird und was passiert bei Angst in unserem Körper?

Dr. Doris Wolf; Foto: privat

Dr. Doris Wolf, Diplom Psychologin und Psychotherapeutin hat sich auf Angst spezialisiert und ein Buch herausgebracht „Ängste verstehen und überwinden“. Hier geht es zu ihrer Homepage.

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Die körpereigene Alarmanlage

Für Doris Wolf funktioniert unser Körper bei Angst wie eine Alarmanlage, die losschrillt. Problematisch wird es, wenn Alarm ausgelöst wird, obwohl eigentlich gar keine Gefahr besteht. Wenn es also gar kein Einbrecher, sondern nur eine Fliege ist, die am Bewegungsmelder vorbei geflogen ist. Aber wie kommt es, dass manche körpereigenen Alarmanlagen grundlos anspringen? „Das passiert, wenn die Batterie leer ist. Dann meldet die sich, obwohl es nichts zu melden gibt.“ Ähnlich verhält es sich auch bei Menschen. „Wenn Menschen über lange Zeit in großen Stress-Situationen sind, dann ist es so, dass der Körper schon an seinem Limit ist. Das kann dann leicht dahingehend kippen, dass man in irgendeiner Situation wie eine Panikattacke bekommt.“ Irgendwann ist der Zeitpunkt gekommen, da sollte man sich Hilfe suchen.

Wenn man sich schon lange vor einem Ereignis Gedanken macht, wie schlimm das wieder werden könnte, wenn die Angst sehr groß ist bei diesem Ereignis und wenn man viele Ereignisse nur noch mit so viel Kraft und Druck machen kann, dass die Lebensqualität auch erheblich eingeschränkt ist, dann sollte man was unternehmen.

Angst ist eine Art Lebensretter

Wir sehen, hören, riechen, schmecken oder spüren, dass Gefahr im Anmarsch ist. Diese Info landet im Gehirn beim Mandelkern, der sogenannten Amygdala. Die entscheidet ganz selbständig und blitzschnell am bewussten Denken vorbei. Wir laufen ab diesem Moment quasi auf Autopilot. Nächster Schritt: über die Nebennieren werden Stresshormone ausgeschüttet.

Ich fange an Muskeln anzuspannen, die Atmung und der Puls werden beschleunigt, der Blutdruck erhöht sich, Verdauungsprozesse und sexuelle Bedürfnisse werden reduziert – ich mach mich bereit zu kämpfen.

Schweißnasse Hände, zitternde Knie, Herzrasen, erweiterte Pupillen: So reagieren Menschen, bei denen das sympathische Nervensystem reagiert. Erst wenn der Gegenspieler, das parasympathische Nervensystem, zum Einsatz kommt, werden wir wieder runter reguliert. Es gibt auch Menschen, bei denen reagiert erst der Parasympathikus. Da ist die körperliche Reaktion genau umgekehrt. „Ich erstarre, weil ich denke da gibt es keine Lösung raus.“

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Simone Sarnow
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