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Wir lieben seinen Duft und die Lichter im dunklen Winter. Der Christbaum gehört unbedingt zum Weihnachtsfest. Rund 30 Millionen Weihnachtsbäume werden jedes Jahr im Dezember verkauft – und im Januar weggeworfen. Das ist weniger schön. Doch wie können wir nachhaltiger feiern?

Kann ich mir zumindest einen Weihnachtsbaum kaufen, der besonders schnell nachwächst?

Leider nein, denn die Bäume, die bei uns als Weihnachtsbäume verwendet werden – zum überwiegenden Teil Nordmanntannen, aber auch Fichten oder Edeltannen – die wachsen ungefähr alle gleich schnell. Bis die so eine normale Weihnachtsbaumgröße erreicht haben – also etwas mehr als mannshoch - dauert es rund 10 bis 12 Jahre.

Die Bäume allerdings, die in den großen Städten auf zentralen Plätzen aufgestellt werden, sind aber noch mal viel höher: Die Weißtanne in Stuttgart etwa misst in diesem Jahr 25 Meter und ist ungefähr 60 Jahre alt. Und eigentlich ist es ein Frevel, so alte Bäume zu fällen, damit sie ein paar Wochen als Weihnachtsbaum glitzern.

Auch Weihnachtsbäume sind wichtige CO2-Speicher

Denn so ein Baum hat im Laufe seines Lebens eine Menge des Klimagases CO2 gespeichert, schätzungsweise so etwa eine halbe Tonne. Und er hätte noch mehr gespeichert, wenn man ihn denn gelassen hätte. Das gilt natürlich für alle Weihnachtsbäume, egal wie groß und alt sie sind. Natürlich werden neue Bäume nachgepflanzt, aber diese Setzlinge binden vor allem in den ersten Jahren noch kaum CO2, erst wenn sie mehr Masse haben, nutzen sie dem Klima.

Pestizideinsatz auf Weihnachtsbaumplantagen

Weihnachtsbaumplantage; Foto: imago images / epd
imago images / epd

Außerdem werden die Bäume in Plantagen angepflanzt und da ja von Anfang an klar ist, dass sie am Ende schön aussehen müssen, um als Weihnachtsbaum gekauft zu werden, wird da auch eingegriffen. Das heißt: Schädlinge und Unkraut werden mit Pestiziden und Insektiziden bekämpft. Die Mengen sind zwar nicht so groß wie in der Landwirtschaft, trotzdem ist das weder gut für den Boden, noch für’s Grundwasser und auch nicht so wirklich für uns, wenn wir die Bäume dann ins Wohnzimmer stellen.

Es gibt aber auch – wie bei fast allen Produkten - die Öko-Variante, aber nach der muss man manchmal ein bisschen suchen. Bei der Umweltorganisation Robin Wood e.V. gibt es eine Liste mit Verkaufstellen von Öko-Weihnachtsbäumen in Deutschland.

Der Weihnachtsbaum ist so etwas wie ein Salat oder Kohlkopf. Das ist ein landwirtschaftliches Produkt, das kann man genießen. Schön wäre, wenn das Ding ein Zertifikat hat und dann stellt man sich das rein.

Förster und Bestseller-Autor Peter Wohlleben im SWR3 Interview

Und dann ab auf den Müll

weggeworfener Weihnachtsbaum; Foto: imago images / Stefan Zeitz
imago images / Stefan Zeitz

Wenn die Weihnachtsbäume Anfang Januar ihre Pflicht erfüllt haben, dann werden sie zum allergrößten Teil geschreddert und kompostiert oder in Biomassekraftwerken eingesetzt. Dann setzen sie das CO2 wieder frei, das sie zuvor gespeichert haben. Das nennt man zwar klimaneutral, aber das ist in dem Fall ein wenig Schönfärberei, denn eigentlich hätte man diese ganzen Bäume gar nicht fällen müssen – sie waren ja kerngesund.

Nur wenige Alternativen für den echten Tannenbaum

Sich aber gar keinen Weihnachtsbaum zu kaufen, ist für die meisten Menschen auch keine Option. Und es ist auch keine wirklich gute Idee, sich einen Weihnachtsbaum aus Plastik zu kaufen. Der hat zwar gewissen Ähnlichkeit mit einem echten und man kann ihn auch jahrelang benutzen, aber er ist aus ganz vielen verschiedenen Kunststoffen zusammengesetzt und wenn er dann mal entsorgt werden muss, macht er all die Probleme, die Plastik macht.

Es gibt auch Alternativen aus Holz, die sind deutlich nachhaltiger, haben aber wenig Ähnlichkeit mit einem echten Baum.

Nachhaltig aber teuer: den Weihnachtsbaum mieten

Und wer auf echtes Grün nicht verzichten möchte, der kann sich einen Baum mit Ballen kaufen und ihn nachher in den Garten pflanzen, in der Hoffnung, dass er anwächst. Allerdings braucht man dafür erst einmal einen Garten und außerdem kann man das nicht jedes Jahr machen, sonst ist der Garten ja bald voll.

Eine andere Möglichkeit ist ein sogenannter „Leihbaum“. Das wird so ein Baum mit Ballen im Topf geliefert und nach dem Fest wieder abgeholt und – so das Versprechen – dann darf er weiterwachsen. Aber das setzt voraus, dass man sich während der Leihzeit gut kümmert, den Baum gießt. Außerdem ist der Spaß nicht ganz günstig – je nach Größe kostet er zwischen 50 und 100 Euro und nachhaltig ist das auch nur, wenn der Baum aus der Nähe kommt und nicht durch ganz Deutschland gekarrt wird. Das ist aber häufig der Fall, der Markt für Mietweihnachtsbäume steckt noch in den Kinderschuhen, es gibt nur wenige Anbieter – aber einer davon sitzt beispielsweise in Mainz.