Autor
Mirja Raff
Raff, Mirja; Foto: SWR3
Stand:

Hochsaison für die schwarz-gelben Insekten – vor allem im Südwesten schwirren sie dieses Jahr besonders gerne aufs Marmeladenbrötchen. Wir sagen euch, was wirklich hilft und geben euch ultimatives Wespen-Wissen.

Der Wespen-Staat

Wespe; Foto: dpa/picture-alliance
dpa/picture-alliance

In Deutschland werden den Menschen eigentlich nur zwei Arten von Wespen lästig: Die Deutsche und die Gemeine Wespe. Vertreter dieser Sorte lieben unser Essen wie wir. Alle anderen Arten lassen uns und unsere Speisen in Ruhe und ernähren sich lieber von Insektenlarven & Co. Im April fängt eine Jung-Wespenkönigin mit dem Bau ihres Nestes an und legt die ersten Eier ab. Daraus werden Arbeiterinnen, die sich fortan um den Nestbau und das Füttern des Nachwuchses kümmern, damit die Königin sich voll und ganz aufs Eier legen konzentrieren kann. Ein Wespennest wird aus hygienischen Gründen immer nur für ein Jahr bezogen. Außerdem stirbt mit der alten Königin auch der gesamte Staat – bis auf die neuen Jung-Königinnen. Sie überleben übrigens den Winter mithilfe einer Art Frostschutzmittel im Körper und verfallen in eine Kältestarre.

Wespen-Facts: Das solltet ihr wissen!

Im Netz und auch im Umfeld von Freunden und Bekannten kursieren viele Tipps, was angeblich gegen Wespen helfen soll und was nicht. Hier kommt ein kleiner Faktencheck:

  • Wespen töten? Wer eine Wespe tötet, hat keine Ahnung davon, wie eng der Zusammenhalt im Stamm ist. Wespen mögen es gar nicht, wenn einer ihrer Freunde bzw. eine ihrer Freundinnen erschlagen wird. Sie wollen sich rächen und damit steigt die Gefahr gestochen zu werden. Außerdem kann es ganz schön teuer werden eine Wespe zu töten. In Baden-Württemberg muss bei besonders geschützten Arten ein Bußgeld von bis zu 50.000 Euro zahlen.

    Tierschutz-Bußgeldkatalog
  • Wespen sind nützliche Tiere! Auch wenn das keiner so richtig glauben mag und sie oft als Nervensägen gelten: Wespen werden gebraucht. Sie jagen Ungeziefer und sind sozusagen biologische Schädlingsbekämpfer. Außerdem leisten sie wie Bienen einen wichtigen Beitrag zur Bestäubung von Pflanzen.
  • Wespen anpusten? Auf keinen Fall! Atem, der ausgeatmet wird, enthält Kohlendioxid und Kohlendioxid gilt im Wespennest als Alarmsignal. Folge: Die Wespen werden aggressiv.
  • Sirup-Fallen? In Sirup-Fallen verenden Wespen qualvoll und das wollen wir nicht, außerdem gibt die sterbende Wespe noch einen Stoff ab, der kampfeslustige Artgenossen anlockt. Und: Meist gehen eh nur alte Tiere in die Falle, der Stamm wird nicht weiter dezimiert.
  • Essen auslegen?
    Wespe isst Schinken; Foto: dpa/picture-alliance

    Wespe isst Schinken

    dpa/picture-alliance
    Maike Sieler und Henrike Weidemann fanden bei einem Experiment für „Jugend forscht“ heraus, dass sich überreife Weintrauben dazu am besten eignen. Stellt man ein Tellerchen ein paar Meter von seinem Frühstücksplatz entfernt hin, fliegen die Wespen wohl eher die Weintrauben an. Auch an Schinken beißen sich die gelb-schwarzen Insekten gerne ein Stückchen raus. Problem: Es spricht sich unter den Wespen rum, dass es an besagtem Platz super Essen gibt. Zwar fliegen die Wespen dann vielleicht erstmal nicht auf den Frühstücksteller, aber je mehr dran vorbei flattern, desto größer ist auch die Gefahr, dass sich mal eine verirrt und euren Schinken auf dem Brötchen noch viel leckerer findet, als die olle Weintraube.
  • Duftstoffe aufstellen? Nelkenduft oder auch Weihrauch kann zwar minimal helfen, aber Schinkengeruch oder Marmelade & Co riechen halt dann doch nochmal ein bisschen besser für die Wespen.
  • Bunte Farben meiden? Bunte Tischdecken oder auch bunte Kleidung kann Wespen anziehen. Weiß hält die kleinen Nervensägen eher ab. Aber auch hier gilt: Geruchssinn schlägt Sehsinn. Es hilft nichts, wenn man komplett in weiß gekleidet und vor einer weißen Tischdecke sitzt und ein Eis isst. Die Wespe wird es riechen und dann ist ihr egal, ob da was Weißes oder was Buntes sitzt.
  • Essen zudecken! Es klingt banal, aber es ist tatsächlich der beste Tipp: Essen und Trinken zudecken oder den Frühstückstisch schnell von Marmelade & Co befreien.
  • Nicht wild rumfuchteln! Es fällt zwar nicht immer ganz leicht, aber rumfuchteln und hektische Bewegungen können Wespen überhaupt nicht leiden. Sie fühlen sich dadurch bedroht und werden angriffslustig.
  • Wespen mit Wassernebel verjagen! Angeblich denken die Insekten, dass es anfängt zu regnen, folgen ihrem Instinkt und flüchten in ihr Nest.
  • Wespennest-Atrappe! Aus braunem Papier oder einer Mülltüte lässt sich leicht eine Wespennest-Atrappe bauen. Wespen denken, dass da schon ein anderer Stamm sein Häuschen gebaut hat und bauen lieber woanders. Im Video wird gezeigt, wie das geht. (Englisch!)

Du hast DNT aktiviert. Wir stellen die Verbindung zu Facebook erst her, wenn du dies erlaubst. Die Einwilligung ist freiwillig und gilt nur temporär. Mehr dazu findest du in unseren Datenschutzhinweisen.
Den Beitrag bei Facebook ansehen.

Du hast DNT aktiviert. Wir stellen die Verbindung zu YouTube erst her, wenn du dies erlaubst. Die Einwilligung ist freiwillig und gilt nur temporär. Mehr dazu findest du in unseren Datenschutzhinweisen.
Das Video bei YouTube ansehen.

NABU-Tipps zum friedlichen Miteinander

Was tun bei einem Wespennest?

Im Normalfall können Wespennester einfach dort bleiben, wo sie sind – solange niemand dabei gestört wird, weder die Tiere, noch die Menschen. Befindet sich das Nest allerdings an einer Stelle, an der man täglich vorbei kommt, dann muss ein Profi her. Wespennester sollte man niemals alleine entfernen, vor allem auch weil viele Wespenarten unter Naturschutz stehen. Am besten man wendet sich an den NABU. Manchmal hilft auch die örtliche Feuerwehr bei der Beseitigung bzw. Umsiedlung..

Falls ihr doch mal gestochen wurdet…

  • Für die ganz Eiligen: Spucke geht immer. Spucke lindert zumindest kurzzeitig den Juckreiz.
  • Einstichstelle kühlen bzw betäuben mit einem Kühlpad oder Eiswürfel, die in ein Handtuch gewickelt werden.
  • Gut ist auch eine Zwiebelhälfte auf die betroffene Stelle zu legen. Die enthält unter anderem Schwefelöl. Das kühlt nicht nur, sondern desinfiziert auch noch.
  • Kalten Essig auf ein Tuch geben und die Stelle damit umwickeln. Essig wirkt neutralisierend.
  • Antiinsekten-Creme oder Antiinsekten-Gel auftragen – diese sogenannten Antihistaminika können die Wirkung des körpereigenen Stoffes Histamin eindämmen. Gel ist sogar noch besser als Creme, weil es nicht nur den Juckreiz lindert, sondern zusätzlich auch kühlt.
  • Richtig gefährlich werden Wespenstiche für Allergiker. Sollte euch kurz nachdem ihr gestochen wurdet schwindelig oder schlecht werden, ihr keine Luft bekommen oder breiten sich rote Pusteln am ganzen Körper aus, solltet ihr unbedingt den Notarzt rufen! Auch wer bislang keine größeren Probleme mit Wespenstichen hatte, kann eine Allergie gegen das Wespengift entwickeln.
Autor
Mirja Raff
Autor
NABU, dpa