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Kira Urschinger
Kira Urschinger; Foto: SWR3 / Nadine Luft
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„Wenn ich keinen Kerl abkriege, werde ich halt eine einsame, verrückte Katzenfrau“ – liebe Single-Frauen, keine Angst. Wissenschaftler haben das Bild der „Crazy Cat Lady“ untersucht und sagen: Die gibt's in der Realität gar nicht.

In Serien und Filmen ist sie kaum noch wegzudenken: Die meist alte, etwas verrückte Katzenfrau mit einer Stimme wie eine Hexe, die in Strickpullover auf der Couch sitzt und keinen Mann hat – dafür aber mindestens 10 Katzen. Wir kennen sie aus den Simpsons, How I Met Your Mother oder The Office. Laut einer Umfrage glaubt knapp die Hälfte der befragten Amerikaner an den Stereotyp der „Crazy Cat Lady“.

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Seit Taylor Swift denkt der ein oder andere vielleicht, Katzenfrau könne man schon in jüngeren Jahren werden. Und bei Instagram postet eine Fotografin in dem eigens dafür eingerichteten Kanal girlsandtheircats Bilder von Katzen-Besitzerinnen, um zu zeigen, dass die „Crazy Cat Lady“ gar nicht mal unbedingt isoliert, alt und hexenmäßig sein muss.

Experiment: Gibt es die verrückte Katzenfrau wirklich?

Wissenschaftler der University of California machen all das jetzt kaputt und sagen: Die verrückte Katzenfrau, die sieht nicht nur ein bisschen anders aus – es gibt sie gar nicht. Für ihre Studie, die sie in der Wissenschaftszeitung Royal Society Open Science publiziert haben, analysierten die Forscher mehr als 500 Haustierbesitzer. Sie unterschieden dabei zwischen Hunde- und Katzenbesitzern. Bei einem Experiment untersuchten sie, wie Teilnehmer der Studie auf Hilferufe von Tieren reagierten – also auf Wimmern, Mauzen oder Jaulen von Katzen und Hunden.

Daneben bewerteten sie auch, ob das Halten eines Haustieres irgendwelche Auswirkungen auf den Gesundheitszustand des Besitzers oder seine soziale Situation hat.

Wissenschaftler finden keinen Beweis für „Crazy Cat Lady“

Das Ergebnis: Der Stereotyp der verrückten Katzenfrau funktioniert zwar in Filmen und Serien super, in der Realität kann er allerdings nicht nachgewiesen werden. Im Wissenschaftspaper heißt es:

Wir haben keinen Beweis für den Stereotyp der „Cat Lady“ gefunden: Katzenbesitzer unterscheiden sich nicht von anderen Menschen hinsichtlich ihrer eigenen Einschätzung depressiver Symptome, Angstgefühlen oder ihren Erfahrungen mit engen Beziehungen.

Auch mache es keinen Unterschied, ob man eine Katze zu Hause hat, einen Hund oder gar kein Haustier: „Es gibt keine signifikanten Unterschiede zwischen Haustierbesitzern (mit Katze, Hund, beidem) und Leuten, die keine Haustiere haben.“

Sind Katzenbesitzer nicht verrückter, aber einfühlsamer?

Einen Unterschied aber haben die Wissenschaftler festgestellt: Menschen, die Tiere haben (egal ob Hund oder Katze), reagieren sensibler darauf, wenn sie ein Tier jammern hören. Das erklärt sich vermutlich darüber, dass sie einfach mehr Erfahrung im Umgang mit Tieren haben und schneller leidvolle Töne einordnen können. Tatsächlich haben aber Katzenbesitzer noch sensibler auf das Miauen von Katzen reagiert als Hundebesitzer auf das Leid ihrer Tiere.

Doch der Effekt war nur besonders stark bei Katzenlauten:

Katzenbesitzer haben andere Töne nicht stärker negativ wahrgenommen, was vermuten lässt, dass sie nicht generell sensibler für negative Emotionen sind als Menschen, die keine Katze haben.

Also, alle Illusionen zerstört. Es gibt keine „Crazy Cat Lady“. Man hat eine Katze oder hat sie nicht – sie macht einen aber wohl nicht zu einem anderen Menschen. Nicht besser und nicht schlechter. Jedenfalls bis zur nächsten Studie ... so hofft vielleicht der ein oder andere Katzenfreund.

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Kira Urschinger
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SWR3