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Das Risiko, sich durch einen Zeckenbiss mit FSME oder Borreliose anzustecken, war in Baden-Württemberg und Bayern bisher schon hoch. Auf der FSME-Risikokarte gab es in Bayern wenige Lücken, aber genau die schließen sich jetzt. Und es gibt neue Risikogebiete.

Die meisten von uns mögen die Frühjahrssonne und die wärmeren Temperaturen. Damit wächst aber das Risiko, sich eine Zecke einzufangen. Entscheidend ist auch, wo man ist. In Süddeutschland ist das FSME-Risiko viel höher als im Norden, aber das verändert sich – das Robert-Koch-Institut (RKI) hat kürzlich fünf neue Risikogebiete benannt.


Neue Risikogebiete – wo sind die?

Die neuen Risikogebiete sind meist an den bisherigen Gebieten. In Bayern geht es konkret um die Landkreise Garmisch-Partenkirchen, Landsberg am Lech so wie Kaufbeuren im bayerischen Allgäu, diese Gebiete hat das Robert-Koch-Institut jetzt auch zu Risikogebieten erklärt, ebenso wie die Sächsische Schweiz.

Aber auch in den Norden breitet sich FSME aus. Niedersachsen ist jetzt mit dem Emsland auch betroffen. Das ist das bisher nördlichste Risikogebiet in Deutschland. In Rheinland-Pfalz tritt FSME auch auf, aber nur vereinzelt, am stärksten noch im Landkreis Birkenfeld, der auch schon zu den Risikogebieten zählt.

Warum breitet sich FSME aus?

Das ist noch nicht genau geklärt. Vielleicht liegt es am Klimawandel – der sorgt gar nicht mal unbedingt für mehr Zecken. Im Gegenteil, es gibt regelmäßig Zeckenzählungen und nach denen gibt es heute eher weniger Zecken als noch vor ein paar Jahren. Aber die Klimaerwärmung und die trockenen Sommer sorgen dafür, dass sich Menschen öfter in der Natur aufhalten. Dadurch steigt das Infektionsrisiko.

Die Ausbreitung von FSME könnte auch mit neuen Zeckenarten zusammenhängen, insbesondere der sogenannten Auwaldzecke. Die ist größer als der „gemeine Holzbock“ und ist – vermutlich mit Hilfe von Zugvögeln – aus Süd- und Osteuropa eingewandert. Aber das sind letztlich Mutmaßungen, ganz genau sind die Gründe nicht geklärt.

Wie kann man sich vor FSME schützen?

Die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts empfiehlt FSME-Impfungen allen Personen, die sich in diesen Risikogebieten aufhalten und in der Natur bewegen, wo auch Zecken sind. Denn: 98% aller Erkrankten sind tatsächlich nicht geimpft. Die Impfung sollte nach den Empfehlungen alle 3-5 Jahre aufgefrischt werden.

So findest du zum Beispiel heraus, wie viele Zecken auf einer Wiese unterwegs sind: Einfach mal ein Handtuch oder Küchentuch über das Gras ziehen und gucken, wie viele Tiere sich verheddert haben. Klappt auch im eigenen Garten.

Mehrzahl der Fälle in Baden-Württemberg und Bayern

Vor allem der Süden Deutschlands ist betroffen. Warum gerade dort? In diesen Regionen gibt es die meisten der sogenannten Hotspots oder Naturherde, wo infizierte Zecken das FSME-Virus übertragen. Aber Achtung, die Brennpunkte im Süden Deutschlands haben sich in den letzten Jahren teilweise verschoben. Einen detaillierten Überblick liefert das Robert-Koch-Institut um Epidemiologischen Bulletin. Eine übersichtliche Karte, wo besonders viele FSME-Fälle registriert werden, stellt das Robert-Koch-Institut immer aktuell zur Verfügung. Neue Risikogebiete sind hellblau markiert.

Insgesamt: Mehr FSME-Erkrankungen

Schon im Jahr 2017 sind ungewöhnlich viele Menschen an FSME erkrankt. Die meisten davon in den Risikogebieten in Baden-Württemberg und Bayern. Das zeigen die Zahlen des Robert-Koch-Instituts. Wissenschaftler der Uni Hohenheim vermuten, dass das Wetter eine Rolle gespielt hat: der erst sehr kalte und dann sehr heiße Sommer 2017.

2017 war ein Jahr mit extrem hohen Erkrankungszahlen der FSME bei gleichzeitig relativ mäßigen Zeckenpopulationen. Es kam zu deutlichen Verschiebungen im Auftreten der FSME in den einzelnen Regionen in Deutschland. Gerhard Dobler, Leiter des Instituts für Mikrobiologie bei der Bundeswehr

So findest du Zecken in der Wiese oder im Garten

Zecken-Tipps: von Impfung bis Zeckenzange

Wer viel in der Natur unterwegs ist – egal, ob im Park, im eigenen Garten oder mit dem Hund im Wald – sollte folgende Hinweise beachten.

  1. Gegen FSME gibt es Impfungen, die gerade in den Risikogebieten für jeden empfohlen werden.
  2. Gegen die zweite wichtige, durch Zecken übertragene Krankheit Borreliose, gibt es zwar keine Impfung. Sie lässt sich aber gut mit Antibiotika behandeln.
  3. Bei Spaziergängen oder Wanderungen helle Kleidung tragen, auf der man Zecken gut sieht.
  4. Nach einem Spaziergang im Freien aufmerksam den Körper untersuchen: Krabbelt da irgendwo eine Zecke? Hat sie sich schon festgebissen? Zecken verstecken sich gerne in Hautfalten und können leicht übersehen werden – deshalb: genau hinschauen!
  5. Wer von einer Zecke gebissen wurde, sollte sie möglichst schnell entfernen.
  6. Man kann die Zecke sorgfältig selbst entfernen. Dabei nicht hektisch rumreißen, sondern vorsichtig andrehen und rütteln, so dass auch die Beißwerkzeuge der Zecke nicht in der Haut stecken bleiben. Bestenfalls mit einer Zeckenzange oder einem ähnlichen Gerät. Eine Bildanleitung vom Bayrischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit gibt es hier.
  7. Oder aber man geht gleich zum Arzt und lässt sie dort fachmännisch entfernen. Das ist die Nummer Sicher.
  8. Bei Rötungen und einem Hof, der sich um den Biss herum bildet, immer den Arzt aufsuchen.