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AUTOR/IN
Jessica Schnellbach
Jessica Schnellbach (Foto: SWR3)
INTERVIEW
Carola Knape

Veteran Jan Patrick war als Soldat in Afghanistan stationiert. Dort hat er sein Leben für den Frieden und eine demokratische Freiheit riskiert. Wir haben ihn gefragt, was ihm durch den Kopf geht, wenn er die Bilder aus Afghanistan sieht.

Jan Patrick wünscht sich für die Menschen in Afghanistan, dass sie in Freiheit leben können. Dass jetzt wieder die Taliban an der Macht sind, wühlt ihn auf. Zu sehen, wie panisch und verzweifelt die Menschen sind, wie sie mit aller Kraft versuchen zu flüchten, ist beängstigend, sagt er.

Frust und teilweise Wut – die Reaktion auf die Geschehnisse in Afghanistan

Was ihn aber noch mehr ärgert ist die „Informationslosigkeit“, der man ausgesetzt ist:

Warum wurde so fluchtartig das Land verlassen? Was wurde zwischen der Nato und den Taliban in Doha verhandelt? Was war der Grund dafür, der tatsächliche Grund dafür, warum man das Land jetzt so verlassen hat, wie man es verlassen hat?

Er ist sich sicher, dass es keine nachhaltige Strategie gegeben hat und dass die Taliban auch deshalb so schnell wieder das Land erobert hat.  

Sind die Frauenrechte in Afghanistan gefährdet?

Die Taliban sagen bis jetzt, sie wollen eine friedliche Übernahme. Sie haben Frauen aufgerufen, am politischen Leben teilzunehmen. Daran glaubt Jan nicht. Wenn die Taliban ihre islamistischen Grundzüge wieder ausleben wollen, werden sie den Frauen gegenüber ihre Versprechen nicht halten. „Vielleicht schaffen sie es, in den Städten dieses Bild aufrechtzuerhalten. Aber wenn man bis in die kleinste Region reinschaut, glaube ich, wird da wieder dasselbe Bild sein wie 2001.

Symbolbild – Bundeswehrsoldaten in Afghanistan (Foto: IMAGO, Maurizio Gambarini)
Symbolbild – Bundeswehrsoldaten in Afghanistan Maurizio Gambarini

Bundeswehreinsatz in Afghanistan – war jetzt alles umsonst?

Nicht für Jan. Er hat in der Zeit, in der er da war, das erreicht, was er erreichen konnte.

Zu dem Zeitpunkt konnte ich meinen Beitrag leisten. Denn in diesen Monaten war ein gewisser Grundzug von Freiheit da. Frauen sind uns entgegengekommen auf den Straßen, die uns umarmen wollten, weil sie so glücklich waren, dass sie nicht mehr in dieser maximalen Unterdrückung leben müssen. Und das ist so der Punkt, wo ich mich dann damit abgefunden habe.

Wieso hat die afghanische Armee so schnell aufgegeben?

Das ist wohl eine Frage, die sich im Moment viele stellen. Jan glaubt, dass die afghanische Armee gut ausgebildet und ausgestattet war. Das große Problem sei das Geld gewesen:

Wenn man den Berichten glauben darf, dass der Präsident mit drei Jeeps voll Geld und einem Hubschrauber voll Geld geflohen ist und teilweise so viel Geld hatte, was noch was auf dem Rollfeld liegt, da muss ich mich fragen: Ist dieses Geld in seinen Händen richtig gewesen?

Jan kann sich vorstellen, dass wenn die afghanischen Soldaten davon 150 bis 200 Dollar im Monat bekommen hätten, die sie brauchen, um ihre Familien zu ernähren, dann hätten vermutlich mehr Soldaten dem Land die Treue gehalten.

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