STAND
REDAKTEUR/IN
INTERVIEW

Können Instagram, Facebook und Co. deiner Beziehung schaden? Was man gegen die digitale Gefahr tun kann, hat Paartherapeut Eric Hegmann im SWR3-Interview verraten.

Eines vorweg: Social Media sind nicht für jede Beziehung gleich gefährlich, meint Eric Hegmann. Gefährlich wird es dann, wenn wir anfangen neidisch auf andere Beziehungen zu schauen und mit den Beziehungen anderer Menschen zu wetteifern.

Was machen Likes mit unserem Körper?

Wenn wir soziale Medien nutzen, tun wir das eigentlich, weil wir dort Bestätigung suchen – in Form von Likes. Durch Likes wird bei uns das Glückshormon Dopamin ausgeschüttet. Das ist vergleichbar mit einer körpereigenen Droge. Das geht bei uns direkt ins Belohnungszentrum – wir wollen automatisch mehr davon.

Problematisch ist, dass wir dieses Glücksgefühl auch dann holen, wenn wir gerade nicht so gut drauf sind. Wenn ich dann dieses typische glückliche Urlaubspärchenbild auf Instagram sehe, frage ich mich vielleicht: Warum hab ich das nicht? Was stimmt nicht mit meiner Beziehung?

#followmeto the ocean – Uluwatu, Bali, Indonesia 📸: @hidwii Even the scariest ocean won’t freak you, if you know that someone is waiting for you on the coast. #следуйзамной в океан – Бали, Индонезия 📸: @hidwii Даже самый бушующий океан не испугает, если знать, что на берегу тебя кто-то ждёт.

Stress und Probleme in der Liebe sieht man auf Instagram selten

Dabei muss man verstehen, dass hinter eben solchen Posts viel Arbeit steckt. Was man auf den Fotos nicht sieht, ist der ganze Stress: Wo müssen wir lang? Haben wir uns verlaufen? Ist das der perfekte Moment? Können wir das nochmal machen?

Viele Paare trennen sich heute nicht mehr, weil sie unglücklich miteinander sind, sondern, weil sie durch Social Media glauben, dass sie mit einem neuen Partner glücklicher wären, zitiert Eric Hegmann eine amerikanische Therapeutin. Der Tipp vom Therapeuten: Wenn man glaubt, dass Gras ist auf der anderen Seite immer grüner, dann kann man ja auch einfach anfangen, seinen Rasen besser zu pflegen.

Soziale Medien bilden kaum echte Beziehungen ab

Es kommen immer häufiger Paare zu Eric Hegmann, die glauben, mit ihnen und ihrer Beziehung stimmt etwas nicht. Denen muss ich dann häufig sagen: Macht euch keine Sorgen, eure Beziehung ist ganz normal. Das, was ihr bei Instagram seht, ist nicht die Realität. Wir können aber unserer Beziehung damit schaden, wenn wir versuchen, bei diesen Fake-Beziehungen mithalten zu wollen, weil uns das sehr unter Druck setzt.

Das gilt aber auch bei realen Urlauben von Freunden. Zum Beispiel, wenn sie uns ihre Urlaubsfotos zeigen und unser Urlaub im Vergleich dazu gar nicht mithalten kann, weil wir uns vielleicht viel gestritten haben. Dabei ist es eigentlich keine gute Idee, nur aufgrund von Urlaubsfotos zu denken, dass andere eventuell einen schöneren Urlaub hatten als man selbst. Denn, auf den Urlaubsbildern sieht man immer nur die schönen Momente. Niemand zeigt einem Fotos, auf denen man sich gerade schrecklich mit seinem Partner oder seiner Partnerin gestritten hat.

Wir versauen uns das gute Gefühl oft selbst

Man merkt das häufig auch auf Konzerten. Statt den Moment zu genießen, holen viele Menschen ihr Smartphone raus und versuchen, den Moment einzufangen und versauen ihn sich so selbst. Im Urlaub ist das eigentlich genau das Gleiche. Statt einen schönen Moment oder Ort mit einem geliebten Menschen zu genießen – was ja eigentlich total romantisch wäre – versaut man es sich häufig für sich und den Partner, weil man es für andere festhalten will.

Sprecht euch ab: Wie viel Social Media in der Beziehung ist okay?

Häufig gibt es in Beziehungen auch ein Ungleichgewicht, was die Bedeutung von Social Media betrifft: Ein Partner ist total aktiv und der andere überhaupt nicht, dann sollte man das Gespräch suchen und für sich klären, was ist in Ordnung und was eben nicht.

Phubbing ist ein häufiges Problem in Beziehungen

Phubbing bedeutet, dass man sich mit seinem Smartphone bzw. Social Media beschäftigt, obwohl man gerade zusammen mit jemand anderem etwas unternimmt, zum Beispiel bei dem Partner oder der Partnerin ist. Dabei ist es total egal, ob man draußen spazieren geht oder einfach auf der Couch liegt uns mit dem Partner die gemeinsame Lieblingsserie schaut.

Wer in diesen Momenten andauernd am Smartphone hängt, schließt dadurch den Partner aus seiner Welt aus und signalisiert: Was wir hier machen ist nicht interessant genug für mich – du bist nicht interessant genug für mich.

Das kann beim Partner zu Verlustängsten führen oder einfach zu einer Trotzhaltung. Eine Lösung könnte zum Beispiel sein, mit dem Partner darüber zu sprechen und eventuell auch „Handyverbotszeiten“ einzuführen. Wie genau das für jedes Paar funktioniert, muss individuell vereinbart werden. Eine einheitliche Lösung gibt es dabei nicht.

Sollte ich Social-Media-Apps löschen?

Nein, sagt Paartherapeut Eric Hegmann. Wir müssen uns bewusst werden, dass das nicht die wahre Welt ist, die uns auf dem Bildschirm entgegenflimmert. Und im Gegensatz zu früher, als wir nur im TV und auf Zeitschriftencovern mit Models und paradiesischen Inseln konfrontiert wurden, verfolgen uns diese Bilder durch die sozialen Medien immer und überall auf unseren Smartphones. Das ist nicht schlimm, solange wir das richtig einordnen können.

STAND
REDAKTEUR/IN
INTERVIEW

Meistgelesen

  1. Fridays for Future: Protesttag Greta Thunberg: Deutschland ist einer der größten „Klima-Schurken“

    Fridays for Future ist weltweit auf die Straßen gegangen. Greta Thunberg trat in Berlin auf und rechnete mit der Regierung ab.  mehr...

  2. News-Ticker zum Coronavirus USA starten mit Booster-Impfungen

    Auf den Intensivstationen liegen wieder mehr Covid-19-Patienten, die Impfquote steigt nur noch langsam. Aktuelle Entwicklungen im Corona-Ticker.  mehr...

  3. Doch kein „Freedom Day" am Montag Unterricht in BW: Masken müssen weiter getragen werden

    Ursprünglich sollte die Maskenpflicht an Schulen in Baden-Württemberg ab der dritten Woche nach den Sommerferien wegfallen. Die beginnt Montag - aber von Maskenbefreiung keine Spur. Warum?  mehr...

  4. Die Lava scheint sie zu verschonen So bizarr ragen die mysteriösen „Wunderhäuser“ aus der Kanaren-Lava

    Meterhoch türmt sich die Lava auf der Kanareninsel La Palma auf, verschluckt alles auf ihrem Weg Richtung Meer. Manche Häuser bleiben aber verschont.  mehr...

  5. Vulkanausbrüche Die drei aktivsten Vulkane sind in Italien, auf Island und im Kongo

    Vulkanausbrüche sind faszinierend: Spektakuläre Bilder, die eher selten sind. Allerdings sehen das die Menschen rund um die aktivsten Vulkane der Welt nicht ganz so entspannt.  mehr...

  6. Ahrweiler

    An Ahr und Mosel: So viel Geld gibt es Ab Montag können Flut-Betroffene in RLP Wiederaufbauhilfe beantragen

    In Rheinland-Pfalz werden weiter die Flut-Schäden beseitigt und der Wiederaufbau läuft. Ab Montag können die Flut-Betroffenen Geld dafür beantragen.  mehr...