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SWR3 Moderatorin Sabrina Kemmer (Foto: SWR3)
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Liebe ist, den Partner nicht so zu nehmen, wie er ist – das behauptet zumindest Paarberater Christian Thiel in seinem Buch mit dem gleichen Titel. Paare sollten sich häufiger und schneller sagen, wenn sie etwas am Anderen stört. Wie das geht, verraten wir euch hier.

Eigentlich sollte man ja meinen, dass man den Partner so akzeptieren sollte, wie er ist und wie man ihn kennengelernt hat. Schließlich hat man sich ja irgendwann mal in diesen Menschen verliebt. Ist so aber nicht ganz richtig. Laut Paarberater Christian Thiel ist es in der Partnerschaft ganz wichtig, dass wir erkennen, dass ein Partner niemals so sein kann, wie wir ihn uns wünschen. Das glauben wir immer nur in der Zeit der ersten Verliebtheit. Und wenn wir ihn später einfach so nehmen wie er ist, dann entsteht das Problem, dass wir für unsere eigenen Wünsche und Bedürfnisse überhaupt nicht mehr eintreten.

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In welcher Phase der Beziehung sollte man Wünsche äußern?

„Immer. Zu jeder Phase“, sagt Thiel. Die meisten Paare würden etwa nach sechs bis neun Monaten den ersten Streit oder die erste schwierigere Situation haben. Und da sei es wichtig, klar zu sagen, was man sich wünscht und nicht zurückzustecken. „Eine klare Ansage machen“, so Thiel. „Das ist ein Kernbestandteil meiner Arbeit oder auch meines Buches. Wir müssen uns darüber klar werden, was wir uns wünschen. Und das müssen wir so deutlich kommunizieren, dass der Andere genau weiß: Meine Partnerin ist nicht ungehalten mit mir, sondern meine Partnerin wünscht sich etwas von mir, oder mein Partner.“

„Ich wünsche mir, dass du nicht mehr schmatzt beim Essen!“

Christian Thiel ist der Meinung, dass man Sachen, die einen stören und die einen irgendwann dazu bringen könnten, nicht mehr mit dem Partner zusammen sein zu wollen, auch direkt anspricht. Sich selbst zuliebe.

Das Anstrengendste für eine Partnerschaft ist, wenn keiner Wünsche hat, weil das ist natürlich immer gelogen!

Es sei immer ein Vorspielen falscher Tatsachen. „Jeder Mensch hat bestimmte Veränderungswünsche. Und wenn wir nicht zu diesen stehen, dann kommt eine sehr anstrengende Beziehungsform dabei heraus“, so Thiel. Dadurch bekäme keiner der beiden Partner was er eigentlich will, und man werde ungehalten. Die Sexualität erlahme und keiner habe mehr Lust auf den Anderen. „Das ist keine schöne Beziehungsform.“

„Beziehungen, in denen wir sehr offen unsere Wünsche kommunizieren, die funktionieren besser, weil wir uns besser fühlen, weil wir mehr das Gefühl haben: 'Oh, der Andere geht auf mich ein, ihn interessiert das auch, was ich mir wünsche.' In solchen Beziehungen fühlen wir uns viel wohler.“

Der Ton macht die Musik

Single- und Paarberater Christian Thiel (Foto: Buddy Bartelsen)
Single- und Paarberater Christian Thiel Buddy Bartelsen

Wichtig sei es, sich darüber Gedanken zu machen, was man eigentlich will. Die meisten Menschen merken meistens nur: Irgendwie werde ich unglücklich und unzufrieden. Sie wissen nicht wirklich, warum. „Deshalb kommen Menschen auch zu mir in die Beratung, um genau das herauszufinden.“ Weiß man, was einen stört und welchen Wunsch man an den Partner hat, sollte darauf geachtet werden, es nicht als Kritik zu formulieren. Zum Beispiel möchte man gerne, dass der Partner pünktlich ist. „Werfen sie ihm nicht vor, dass er ist, wie er ist, sondern sagen sie lieber: Ich würde mir ja wünschen, dass du pünktlicher bist. Männer wie auch Frauen reagieren sehr empfindlich auf Kritik. Ein Wunsch klingt sehr viel höflicher.“

Aber auch Wunsch könne oftmals gar nicht so nett formuliert sein. „Das habe ich in der Beratung pausenlos. Da sagt die Frau zu mir: ich habe ihm doch gesagt, was ich mir wünsche. Aber die Frau hat einen Tonfall, der ist so schneidend scharf, dass selbst ich zusammenzucke. Der Mann an ihrer Seite zuckt vermutlich noch viel mehr zusammen, als ich.“

Die Wahrscheinlichkeit, dass wir höflich sind, wenn wir uns was wünschen, ist am höchsten, wenn wir sehr schnell was sagen und nicht Monate warten, oder Jahre.

Viele Paare würden auch viel zu lange warten, bis sie was sagen und deswegen würden es auch viele nur noch mithilfe einer Paarberatung schaffen. „Wenn Paare früher etwas sagen, ist der Partner häufiger dazu bereit, darauf einzugehen. Und ganz wichtig: Sich freuen, wenn etwas passiert.“

Sich Freuen ist wichtig!

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„Sagt ihm, wenn ihr euch Blumen wünscht, dass ihr euch Blumen wünscht“ – so zumindest der Tipp des Paarberaters. Alles andere mache nur unglücklich.

Wenn wir uns nicht äußern, können wir nicht bekommen, was wir uns wünschen.

Oft hätten sich solche Menschen schon als Kind nicht geäußert, weil zum Beispiel die Eltern nicht zugehört haben. „So lernen wir aber nicht, unsere Wünsche klar zu definieren. Besonders Brave werden in Partnerschaften häufig unglücklich. Weil sie immer alles recht machen wollen und nicht sagen, was sie stört.“

„Positive Bestärkung“ ist das Zauberwort. Ähnlich wie bei einem Hund. Macht dieser was richtig, wird er gelobt. Der Hund freut sich und das wiederum freut das Herrchen bzw. Frauchen. „Freude ist etwas, was uns bereit macht, auf die Wünsche und Bedürfnisse des Anderen einzugehen.“

Wann ist der beste Moment, um Wünsche zu formulieren?

„Ganz klar nach dem Sex! Also nicht direkt danach, aber ein paar Stunden danach oder am nächsten Morgen.“

Sexualität führt zu starken Bindungsgefühlen und stimmt uns weicher und kompromissbereiter.

Wenn wir ein schwieriges Thema ansprechen wollen, sei es immer gut darauf zu warten, dass die Stimmung auch gut ist. Meistens sei das Gegenteil der Fall: Wenn die Stimmung schlecht ist, wird dem Partner alles an den Kopf geworfen, was einen so stört und dann wundert man sich, dass sich nichts ändert. Christian Thiel findet das Wort nicht eh problematisch. „Wir sollten sagen, was wir uns wünschen, nicht, was wir uns nicht wünschen.“

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