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Kira Urschinger (Foto: SWR3)

Eifersucht ist nicht gleich Eifersucht, da gibt es eine riesige Bandbreite: vom leicht mulmigen Gefühl, wenn der Partner mit einer Freundin etwas trinken geht – bis hin zu extremen Fällen, in denen ein Partner den anderen einsperrt oder gewalttätig wird.

An den beiden Enden der Skala ist es einfach: Das leicht mulmige Gefühl ist wohl völlig okay und tut keinem weh. Die massive Eifersucht, die im Zweifel in einem Kriminalfall enden kann, ist selbstverständlich nicht tragbar. Dazwischen aber ist es nicht ganz so eindeutig und da liegen auch die Fragen: Was tut der Liebe vielleicht sogar gut, ab welchem Punkt kann Eifersucht der Beziehung schaden? Und wie kriege ich es hin, vielleicht ein bisschen weniger eifersüchtig zu sein?

Eiifersucht (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Doktorspiele Eifersucht – mild bis massiv!

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Definition

1. Was ist Eifersucht?

Eifersucht ist erst einmal kein Gefühl, das für Liebesbeziehungen gepachtet ist, Wissenschaftler beobachten das Gefühl insbesondere auch bei Geschwisterpaaren. Das würde sich aber im Erwachsenenalter meist legen, dann sei die Partnerschaft im Fokus. Im Übrigen ist das auch nicht den Menschen vorbehalten – auch Tiere sind eifersüchtig. Und es ist eines der vielleicht quälendsten Gefühle, das es gibt.

Die Eifersucht ist so kläglich, weil ich von jemandem abhängig bin und so wenig tun kann. Ich bin so ausgeliefert. Und insofern ist Eifersucht das furchtbarste Gefühl, was es gibt.

Wolfgang Krüger, Psychotherapeut bei SWR Wissen

In den 1970ern gab es in der Psychologie noch die Meinung, dass Eifersucht eine grundsätzlich krankhafte Eigenschaft sei, die sich in einem verletzten Selbstbewusstsein begründet. Heute gilt in der Wissenschaft eher, dass Eifersucht ein hormonell und durch bestimmte Gehirnaktivitäten gesteuertes Gefühl ist, das in einem gewissen Maße völlig normal sein kann und bei vielen Menschen in einer Partnerschaft irgendwann einmal mehr oder weniger begründet und mehr oder weniger intensiv auftritt.

Für die SWR3-Beziehungsshow sprechen wir mit Dr. Harald Oberbauer, der in seiner psychiatrischen Klinik Eifersuchtssprechstunden anbietet. Er ist überzeugt: „Eifersucht gehört quasi zur 'biologischen Grundausstattung' des Menschen.“ Das bedeutet aber nicht, dass es nicht ab einem gewissen Punkt problematisch und sogar krankhaft sein kann.

Ursachen und Gründe

2. Woher kommt die Eifersucht?

Warum Menschen eifersüchtig sind, ist vielschichtig und unterschiedlich.

Vor allem gemindertes Selbstwertgefühl ist in den meisten Fällen – ähnlich wie Depression, Angsterkrankung, zu viel Alkohol – quasi ein Nährboden für Eifersucht.

Harald Oberbauer, Psychiater und Eifersuchtsexperte

Eifersucht kann ebenfalls durch schmerzhafte Erfahrungen mit vorangegangenen Beziehungen entstehen oder verstärkt werden. Sie kann sich darin begründen, ob der Partner oder die Partnerin einen rational nachvollziehbaren Grund liefert – also beispielsweise schon einmal fremdgegangen ist. Ebenfalls kann Eifersucht ein Warnsignal sein, dass man spürt, dass sich der Partner von einem abwendet, man sich entfremdet und dass es einem nicht egal ist. Aber Eifersucht kann eben auch ernsthaft krankhaft und therapiebedürftig sein.

Kurz gesagt: Eifersucht ist individuell. Das macht es schwieriger, Herr über die eigenen Gefühle zu werden, sie zu verstehen und im Zweifel auch anzugehen – oder sie bei dem Partner zu akzeptieren oder zu bekämpfen, bevor sie zur Trennung führt. Ganz klar: Wer sich mit der Eifersucht auseinandersetzen will, der muss sich mit sich selbst, der Partnerschaft und dem Partner befassen.

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Alarmsignale

3. Wann ist es ein Problem, eifersüchtig zu sein?

Das Handy des Partners kontrollieren, der Freundin ein Treffen mit ihrem besten Kumpel verbieten? Man kann sich ja mal fragen: Fände ich das eigentlich witzig, wenn der andere das mit mir macht? Wenn man da mal ehrlich zu sich ist, merkt man vielleicht besser, wann es ein bisschen drüber ist mit der Eifersüchtelei.

Entscheidend ist aber eigentlich, wie so oft in der Psychologie, die Frage: Welchen Leidensdruck löst die Eifersucht aus? Wenn sie mich kontrolliert, mein Handeln stark beeinflusst, mich oder meinen Partner leiden lässt – dann gibt es ein ernstes Problem. Eifersuchtsexperte Harald Oberbauer definiert:

Eifersucht wird oder ist dann pathologisch, wenn meine oder die Lebensqualität des Partners, auf den sich die Eifersucht bezieht, deutlich beeinträchtigt ist, z.B. durch Misstrauen oder Nachforschungen.

Psychotherapeut Wolfgang Krüger ist davon überzeugt, dass ausgeprägte Eifersucht dauerhaft auch uns selbst kaputt macht, denn wir würden unser inneres Gleichgewicht verlieren, uns auf den anderen fixieren statt auf uns zu schauen. „Insofern ist die massive Eifersucht wirklich eine Bedrohung für meine eigene Lebensexistenz“, so der Experte im Interview mit SWR Wissen. Dabei sei insbesondere die Angst vor Untreue oft unbegründet.

50 Prozent aller Deutschen gehen nach allen Studien heutzutage fremd und 50 Prozent sind treu. Und bei diesen 50 Prozent, die fremdgehen ist es so, dass die ja nur manchmal fremdgehen. Nur ein kleiner Teil geht aktuell fremd. Die meisten Menschen sind ihr Leben lang im Grunde treu.

Wolfgang Krüger, Psychotherapeut

Nur weil jemand einmal fremdgegangen ist, heißt das also nicht, dass er es in der aktuellen Beziehung wieder tut oder tun wird. Die Angst davor ist dennoch bei vielen da. Vielleicht liegt es am hohen gesellschaftlichen Wert von Monogamie: „90 Prozent aller Deutschen wünschen sich Treue. Also die Treue steht zunächst einmal hoch im Kurs“, so der Psychotherapeut. Ein Seitensprung und insbesondere länger andauernde sexuelle Affären oder parallele Partnerschaften würden für die meisten Menschen auch Ende der Beziehung bedeuten und wären unverzeihlich, zeigen Befragungen zum Fremdgehen bei Statista.

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Wenn Menschen unbegründet Verlustängste haben, davor, dass der Partner oder die Partnerin sich jemand anderen sucht – dann kann das daran liegen, dass man sich selbst ungeliebt fühlt, weniger attraktiv, weniger klug oder insgesamt weniger wert. Und auch dieser Aspekt spielt in die Frage des Leidensdrucks hinein. Denn es kann auch Leid verursachen, wenn man sich selbst als nicht genug empfindet, unabhängig davon, welche direkten Folgen die Eifersucht sonst noch hat.

Wissenschaftler beschäftigten sich außerdem mit stark ausgeprägten, pathologischen Formen der Eifersucht, beispielsweise mit dem Eifersuchtswahn. Das ist eine unkontrollierte, massive und teilweise gewalttätige Eifersucht, sie kann spontan auftreten oder auch speziell unter Einfluss von Alkohol. Charakteristisch ist, dass die Betroffenen von der Untreue des Partners überzeugt sind, den vermeintlichen Nebenbuhler aber oft gar nicht kennen oder kennen wollen. Hier können tiefgreifende psychische Probleme eine Rolle spielen, wie beispielsweise Paranoia oder Persönlichkeitsstörungen. Es ist wichtig, das Problem ernst zu nehmen und sich unbedingt professionelle Hilfe zu holen.

Tipps und Hilfe

4. Wie kriege ich meine Eifersucht in den Griff?

Gegenüber SWR3 empfiehlt der Eifersuchtsexperte Harald Oberbauer zunächst, dass Paare, bei denen Eifersucht eine Rolle spielt, offen miteinander sprechen.

Dabei kann man sich zunächst mit drei Fragen selbst überprüfen:

  1. Bin ich eifersüchtig, weil ich meinem Partner nicht vertraue?
  2. Bin ich eifersüchtig, weil ich mir selbst nicht genug zutraue?
  3. Entsteht Eifersucht eher unbegründet in Kombination mit Alkoholgenuss, Depressionen oder Angstzuständen?

Diese Fragen sollen letztlich dazu führen, sich zu hinterfragen: „Was kann der Grund meiner Eifersucht sein (Selbstwert, Depression…)“, um die Voraussetzung zu schaffen, „dies möglichst zu bekämpfen.“ Der Erfahrung von Oberbauer zufolge sei es gar nicht so einfach, diese Aufgabe alleine oder mit dem Partner zu bewältigen. Er empfiehlt daher, bei Bedarf einen Dritten zuzuziehen – im Zweifel einen Therapeuten.

Tipps und Hilfe

5. Wie kann ich dafür sorgen, dass mein Partner weniger eifersüchtig ist?

Der Tipp des Eifersuchtsexperten klingt simpel, ist aber für Paare oft gar nicht so einfach: „Zuerst das direkte Gespräch, offen und zugewandt suchen, auf Augenhöhe.“ Keine Vorwürfe machen, sondern respektvoll miteinander reden – auch hier mit dem Ziel, die Gründe für die Eifersucht zu erfahren.

Wenn das nicht hilft, solle man sich nicht scheuen, professionelle Hilfe zu suchen. Denn übersteigerte Eifersucht kann ein Problem werden, das die Beziehung langfristig schädigt oder sie zerbrechen lässt. Der geschulte Blickt von außen und therapeutische Hilfsmittel können dabei unterstützen, Vertrauen aufzubauen und Verhaltensmuster zu durchbrechen.

Angeberwissen

6. Was ist der Unterschied zwischen Eifersucht und Neid?

Wenn wir über Eifersucht reden, dann rutscht ein Wort häufig dazwischen: Neid. Und das ist ganz interessant, denn tatsächlich gibt es Sprachen, in denen beide Wörter nahezu unterschiedslos verwendet werden. Envy und Jealous zum Beispiel im Englischen oder im Spanischen Envidia und Celos.

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In der deutschen Sprache gibt es einen Unterschied: Ich beneide meinen Nachbarn um das Auto, das er fährt. Ich bin eifersüchtig auf den gutaussehenden Mann, der mit meiner Angebeteten spricht. Einmal geht es eher um eine Sache, etwas Materielles – und einmal um einen Menschen, Liebe oder Aufmerksamkeit, also etwas Emotionales.

Noch eine Faustregel: Für Neid braucht es nur zwei Menschen, für die Eifersucht mindestens drei.

Trotzdem hat vermutlich jeder schon einmal Neid und Eifersucht verwechselt. Welches Wort war nochmal für was? Das liegt vielleicht daran, dass sich Neid und Eifersucht als Gefühle tatsächlich sehr ähnlich sind. Das jedenfalls stellen Wissenschaftler in ihren Arbeiten über beide Emotionen häufig fest.

Zwei Dinge fallen da auf:

Erstens geht es bei beiden Gefühlen um einen Besitzanspruch:

  • Ich will etwas haben, das jemand anders hat. (Neid)
  • Ich will, dass mir jemand anders etwas, das mir gehört, nicht wegnimmt. (Eifersucht)

Und zweitens zeigen beide Emotionen, dass ein gewisses Objekt einen besonderen Wert für uns hat. Denn wir wollen es ja entweder haben oder nicht verlieren.

Studien und Wissenschaft

7. Stärkt Eifersucht die Bindung in einer Partnerschaft?

Wenn Eifersucht Dingen einen Wert bemisst, macht sie unsere Liebe dann vielleicht sogar stärker? Psychologen sind sich darüber uneinig, ob jedenfalls ein geringes Maß an Eifersucht die Liebe anspornen kann oder ob sie grundsätzlich ein Zeichen eher schädlichen Misstrauens ist. Eifersuchtsexperte Harald Oberbauer ist sicher: „Eifersucht ist eigentlich in gewissem Maße auch gesund und auch liebes- und beziehungsfördernd.“

Bei Tests mit Affen haben Neurobiologen der University of California in Davis herausgefunden, dass Eifersucht zu einer höheren Hirnaktivität in Bereichen führt, die mit sozialem Schmerz und auch mit Paarbindung zusammenhängen. Die These: Eifersucht könne Paare nicht nur auseinanderbringen, sondern auch zusammenschweißen. Das oft negativ behaftete Gefühl könne demnach die Bindung stärken für Arten, die Partnerschaften eingehen.

Für die Studie haben sich die Forscher rote Springaffen angeschaut, für deren Sozialverhalten es wichtig ist, monogame Partnerschaften einzugehen. Das ist übrigens gar nicht so häufig: Wissenschaftler sprechen davon, dass sich nur drei bis fünf Prozent der Spezies an einen einzigen Partner binden wollen.

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Damit scheinen die roten Springaffen ein ähnliches Verhalten zu zeigen wie Menschen: Sie zeigen Stress und reagieren besitzergreifend, wenn sich ihr Partner abzuwenden scheint. Das haben die Forscher ausgenutzt: Sie sperrten die Partnerin in Sichtweite des Partneraffens ein und ließen ein fremdes Männchen zu ihr. 30 Minuten dauerte die Situation, in der Hormonspiegel und Hirnreaktionen des scheinbar verlassenen Affenpartners gemessen wurden.

Das Ergebnis: Die Affen haben äußerlich gar nicht besonders stark reagiert. Die Wissenschaftler erklären sich das so, dass sie vom unnatürlichen Versuchsaufbau abgelenkt gewesen sein könnten. Bei den Messungen im Hirn sah es aber anders aus: Sie zeigten eine deutliche Aktivität in zwei Regionen, die für sozialen Schmerz und für emotionale Gedächtnisleistung zuständig ist. „Früheren Studien zufolge spielt das Areal bei Primaten unter anderem eine Rolle für die Bildung partnerschaftlicher Bindungen“, so die Versuchsleiterin. Auch die Hormone spielten verrückt: Die Eifersuchtssituation führte zu einer vermehrten Ausschüttung der Botenstoffe Testosteron und Cortisol – das männlichen Sexualhormon und ein Stresshormon.

In einer Kontrollgruppe wurde statt des fremden Männchens ein anderes Weibchen in den Käfig gelassen. Hier gab es diese Reaktionen nicht.

Es bleiben die Fragen, ob sich dies auch auf die Springaffen-Weibchen übertragen lässt und ob es vergleichbare Hormon- und Hirnreaktionen bei Menschen gibt, die ebenfalls dazu führen könnte, dass das Bindungsgefühl durch Eifersuchtssituationen gestärkt wird.

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