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SWR3 Moderatorin Sabrina Kemmer (Foto: SWR3)

Latex, Leder, Luftballons, Fesseln und Füße – es gibt tausende verschiedener Fetische. Gefühlt gibt es nichts, was es nicht gibt. Aber was ist ein Fetisch eigentlich genau? Bin ich krank, wenn mich Objekte sexuell reizen? Wenn ich besondere Vorlieben habe?

Was ist ein Fetisch?

Ein Fetisch ist ein Objekt, das dazu da ist, sexuelle Erregung auszulösen und zur Befriedigung dienen kann. Das heißt, es kann ein unbelebtes Objekt sein, wie ein Schuh, es kann ein Körperteil sein, beispielsweise die Füße, der Po, die Brüste oder auch die Ohren. Der Unterschied ist: Dass dieses Objekt in vielen Fällen sogar wichtiger ist, als die Person, die dranhängt.

Welche verschiedenen Arten von Fetischen gibt es?

So viele, wie es Menschen gibt. Es gibt nichts, was es nicht gibt. Ein neues Beispiel wäre Pedal-Pumping. Das ist ein Trend, zu dem es Millionen Filme im Internet gibt. Da sieht man letztendlich nur einen hübschen Damenfuß in einem Riemchen-Pumps, der auf ein Gaspedal drückt.

Fetisch (Foto: imago)
Es gibt keinen Fetisch, den es nicht gibt. imago

Oder auch der Rauchfetisch. Dabei sehen sich besonders Männer gerne Frauen an, die Zigarren, Zigaretten oder Zigarillos rauchen. Den Rauch auch mal durch die Nase auspusten. Der Rauch kann aber auch beim Küssen ausgetauscht werden.

Es gibt die sogenannten Looner, die sexuelle Lust verspüren, wenn sie Luftballons in ihr Liebesspiel einbauen.

Manche stehen auf Latex oder Leder, andere auf Seidenstrümpfe oder Damenunterwäsche.

Wie sieht es in anderen Ländern aus?

Japan ist eine Fetisch-Hochburg. Hier gibt es schon lange den Sushi-Fetisch, bei dem Sushi einfach vom Körper gegessen wird.

Ein neuerer Fetisch, dem Sexualtherapeuten skeptisch gegenüberstehen ist das Eyeball Licking. Dabei wird der Augapfel des Anderen geleckt, zur sexuellen Erregung. Und das hat tatsächlich gewisse Risiken: Man kann Bakterien ins Auge bringen, die dann zu einer Infektion führen. Ein zweites Problem ist, dass die Zunge rau ist und das kann im Auge zu einer Abrasion führen, das heißt, da wird ein Teil der Oberfläche vom Augapfel abgerieben und das kann eine offene Verletzung geben. Deswegen raten wir von diesem Fetisch ab.

Wie entsteht ein Fetisch?

Tatsächlich weiß man noch nicht ganz genau, wie ein Fetisch entsteht. Die Wissenschaft ist da noch nicht besonders weit vorangedrungen. Aber: Es gibt verschiedene Theorien, erklärt Sexualtherapeutin Dr. Melanie Büttner.

Eine psychologische Theorie besagt: Es können ganz frühe Konditionierungsprozesse sein. Es könnte zum Beispiel so sein, dass ich als Kind sehr früh die Schuhe meiner Mama bewundert hab und es kann sein, dass ich mal damit gespielt habe und in dem Moment eine sexuelle Erregung verspürt habe. In diesem Moment hat sich das im Gehirn miteinander verknüpft, so dass ich ab sofort, wenn ich einen Schuh in den Händen halte, mit Erregung reagiere.

In der Sexualtherapie wird aber auch darüber geforscht: Ist es angeboren oder erworben? Nature or Nurture? Und hier sagen einige Wissenschaftler: Wir kommen so zur Welt. Das wird nicht beeinflusst. Wir finden von Natur aus bestimmte Körperteile attraktiv und bei manchen kann sich das dann eben so ausprägen, dass das Körperteil eine besondere Bedeutung bekommt.

Bin ich krank, wenn ich einen sexuellen Fetisch habe?

Diese Fragen stellen sich Menschen oft, wenn sie merken, ich habe da eine Vorliebe und die ist irgendwie anders, als das was ich bei anderen Leuten sehe. Bin ich überhaupt normal? Oder bin ich komisch, pervers? Ist das etwas Pathologisches? Tatsächlich ist es so: Bisher gibt es eine Diagnose für Menschen, die einen Fetisch lieben. Diese Diagnose ist im Moment noch in den Diagnoseverzeichnissen. Das heißt, eigentlich ist man als Psychologe oder auch als Arzt dazu angehalten, diese Diagnose zu verwenden.

Aber: Inzwischen hat sich die Haltung in der Sexualtherapie dazu geändert. Es kommt demnächst ein neues Diagnoseverzeichnis raus, da wird Fetisch als Krankheits-Diagnose nicht mehr drin sein, weil die Sexualwissenschaft verstanden hat: Ein Fetisch ist letztlich eine Spielart, die zu respektieren ist, wie viele andere Bedürfnisse auch in der Sexualität und solange diese Spielart nicht dazu da ist, mir oder Anderen zu schaden, solange kein Leidensdruck daraus entsteht, ist das auch nicht krankhaft, sondern nur eine Variante.

Sexualtherapeutin Melanie Büttner

Wann kann ein Fetisch entstehen?

Ein neuer Fetisch kann letztlich in jedem Alter entstehen. Ich denke da zum Beispiel an jemanden, der relativ spät in seinem Leben Play Piercings für sich entdeckt. Es kann sein, dass er vorher schon gemerkt hat: Schmerz in Verbindung mit Lust ist eigentlich was Schönes für mich und irgendwann trifft er in der Szene auf jemanden, der mit Play Piercings spielt. Play Piercings sind häufig kleine Kanülen, Injektionsnadeln, die durch die Haut gestochen werden. Und es kann eben sein, dass jemand relativ spät darauf stößt, dann aber enorme Lust empfindet und sich ein Fetisch entwickelt.

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Spaß am Fetisch – es gibt nichts, was es nicht gibt (Foto: SWR3)

SWR3 Beziehungsshow Spaß am Fetisch – es gibt nichts, was es nicht gibt

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