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Jakob Reifenberger (Foto: Jakob Reifenberger)
Sara Talmon
Sara Talmon (Foto: SWR3)

Hier gibt es Hinweise und Wege aus der Sex-Krise – wenn man sich gemeinsam auf die Suche macht. Auf geht's.

Lustkiller Stress: Sex ist im Alltag oft eine Zeitfrage

Zieht man die Zeit für Schlaf und Arbeit ab, bleiben im Alltag nur noch wenig Zeitfenster für Intimität in einer Beziehung. Nach der Arbeit warten der Haushalt, die Steuererklärung oder die Autowerkstatt, und und dann gibt es ja auch noch Hobbies! Da sind dann auch die Abende schnell vorüber.

Sex wird unter dem Alltagsstress oft zur Zeitfrage; besonders, wenn Kinder ins Spiel kommen. Dann muss zusätzlich organisiert werden; das Kind ist immer da und meist auch der Mittelpunkt in der Familie. Die Beziehung gleichzeitig weiter zu pflegen und nicht in eine Flaute im Bett zu steuern, ist nicht selbstverständlich. Hier gibt's fünf Tipps, wie es mit dem Sexleben trotzdem klappt.

Sexuelle Unlust nach der GeburtTote Hose im Bett? Das kann passieren und ist völlig normal – besonders nach einer Geburt. Sexualtherapeutin Julia Henchen weiß Rat.Posted by SWR3 on Tuesday, June 28, 2022

Keine Lust auf Sex nach der Geburt

Sex nach einer Geburt ist für viele Frauen erstmal schwer vorstellbar. Der Körper wurde strapaziert und auch die Hormone können eine Rolle spielen: Das Hormon Prolaktin ist für die Milchbildung zuständig und hemmt das sexuelle Verlangen. Nach einer Geburt ist der Körper mit der Heilung beschäftigt. Mit Geburtsverletzungen kann der Sex schmerzhaft sein – Lust hin oder her.

Psychische Aspekte sind nicht zu unterschätzen: Eine Wochenbettdepression kann ebenso zu weniger sexuellem Verlagen führen wie ein verändertes Körpergefühl: Mit einer Schwangerschaft und Geburt verändert sich der Körper stark. Häufig muss man erst wieder ein Gefühl für sich selbst entwickeln.

Baden-Baden

Hilfe bei Wochenbettdepression Wenn Muttersein Angst macht

Das eigene Baby nicht lieben können. Es am liebsten weggeben wollen. Angst haben, ihm etwas antun zu können und dabei von Schuldgefühlen erdrückt zu werden. Was können Mütter gegen eine Wochenbettdepression tun?  mehr...

Das Kind stellt in der Beziehung den Alltag auf den Kopf – für beide. Es gibt den Tagesablauf vor: Vom Stillen über wickeln, baden, und Untersuchungen bis hin zum Schlafentzug bei den nächtlichen Einsätzen. Das sorgt für Stress. Wichtig für den Hinterkopf: Ihr seid beide in dieser Situation und müsst beide damit zurechtkommen. Viel Rücksichtsnahme und Verständnis kann in dem stressigen neuen Tagesablauf weitere Streits vermeiden.

Der beste Tipp deshalb: Den Partner oder die Partnerin einfach mal machen lassen, auch wenn man es selbst anders gemacht hätte. Es ist nicht schlimm, dass unterschiedlich mit dem Baby umgegangen wird, es anders knuddelt, es anders in den Schlaf gewogen oder es anders sauber gemacht wird. Gebt euch gegenseitig Zeit, euch einzuspielen, dann wird der Stress auch langsam weniger. „Babys sind Energiesauger“, meint Iva Samina, Doula und erfahrene Mutter, da bleibe keine Energie für den Partner oder die Partnerin übrig. Wenn die Lust wiederkommen soll, kann man mit ein paar Tricks nachhelfen.

Kinder – Eine Herausforderung für die Liebe? (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Doktorspiele Kinder – Eine Herausforderung für die Liebe?

Dauer

Kinder sind das schönste und gleichzeitig anstrengendste, was man sich vorstellen kann – da sind wir uns einig. Max testet das gerade an seiner eigenen Beziehung. Sabrina (noch) nicht, weiß aber natürlich trotzdem alles besser. Wie die Liebe bei dem ganzen Kinderwahnsinn nicht zu kurz kommt, darüber sprechen die beiden.

Sex als Eltern: Raum für die Beziehung schaffen

Sind (kleine) Kinder im Haus, hängt immer jemand an einem dran – sowohl mental, als auch körperlich, wenn gestillt, getröstet und gespielt werden muss. Manchmal habe man dann auch einfach keine Lust mehr auf weitere Berührungen, erzählt Max Oehl im Podcast Doktorspiele. Auch die Privatsphäre fällt: Ungestört zu sein ist gar nicht so leicht und gehen lassen geht unter Umständen auch nur bis zu einem bestimmten Lautstärkelevel. Tipp Nummer eins für Eltern ist deshalb:

Schafft euch zuhause Plätze zum Kuscheln

Besonders wenn das Baby noch mit im Elternschlafzimmer schläft, werden die Plätze in der Wohnung rar. Umso wichtiger ist es, einen Raum zu schaffen, wo Nähe möglich ist. Sei es ein mit Decken und Kissen ausgestattetes Sofa oder eine liebevoll gestaltete Ecke auf dem Balkon. Denn nicht nur der Sex selbst kommt häufig zu kurz, sondern auch Nähe und intime Momente mit dem Partner. Um sich innerhalb der Familie als Paar nicht zu verlieren, müssen Momente zu zweit nicht immer in Sex enden. Wenn man den Tag über aber doch schon den einen oder anderen Gedanken mit sich herum trägt, was man abends gemeinsam tun könnte, kann ein eigener Code helfen, dem Partner Signale zu geben.

Geheimsprache für Sex

Sprecht miteinander! Kommunikation ist alles – bei Kindern in der Nähe muss man aber manchmal erfinderisch werden. Sich mit dem Partner vorher schon abzusprechen kann helfen, abends wirklich die nötige Zeit zu finden. Im Podcast erzählt Sabrina Kemmer von einem Paar, das sich mit „Code 362“ verständigt, dass abends noch was laufen könnte. Und überhaupt ist Sprechen ein guter Tipp:

Sprecht miteinander und hört einander zu

„Ich weiß ja, dass du Stress bei der Arbeit hast und die Kinder habe ich auch die ganze Zeit um mich.“ – nein, das reicht nicht immer. Es ist die alte Leier: Schafft euch Zeit für gemeinsame Gespräche und hört einander wirklich zu. Was war heute toll, was war anstrengend? Solche Gespräche schaffen Nähe und sorgen dafür, dass stressige Themen unter Umständen nicht weiter herumgetragen werden müssen, sondern abgehakt sind und der Kopf frei für andere Themen ist.

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Sex-Termin machen und Stress vermeiden

Gibt es etwas, das weniger sexy ist, als sich zum Sex zu verabreden? Kaum, außer vielleicht Tennissocken in Sandalen. Der Unterschied: Die Termine funktionieren! Und das gleich in doppelter Hinsicht: Wer gerne mehr Sex möchte, weiß, dass es ein Treffen dafür gibt und muss sich deshalb nicht jeden Abend neu ins Zeug legen. Wer eher weniger Sex möchte, muss wiederum nicht bei jeder Umarmung überlegen, ob der Partner wieder mehr möchte und direkt interveniert werden muss. Der Termin schafft also Entspannung in den Tagen davor und danach. Und wenn beide Lust haben, geht der Sex natürlich auch ohne Termin. Die Spontanität geht also nicht verloren.

Sport kann die Lust auf Sex teilweise steigern

Keine Lust auf Sex – das kann natürlich Männer und Frauen betreffen. Gleich mehrere Gründe sprechen aus medizinischer Sicht dafür, meint Michael Mathers, Urologe aus Remscheid: Wer Sport macht, hat dauerhaft einen günstigeren Blutdruck und ist besser durchblutet, auch im Beckenbereich. Das hilft dabei, erregende Gefühle besser wahrzunehmen. Bei Männern führt eine bessere Durchblutung auch zu einer stärkeren Erektion. Bei Frauen führt sie zu einer besseren Lubrikation – also einer Befeuchtung – der Vagina:

Sportlich aktive Frauen haben weniger Probleme, „feucht“ zu werden.

Wer Sport macht, produziert außerdem mehr Testosteron – und damit mehr Lust. Das gilt für alle Geschlechter. Nicht ohne Grund gibt es die Vermutung, dass Menschen, die regelmäßig Sport treiben, insgesamt auch gesünder und aktiver leben. Sie rauchen oft nicht und trinken weniger Alkohol.

Die gute Nachricht für alle, die lieber auf der Couch sitzen: Dr. Mathers empfiehlt regelmäßigen Sport „nur mäßig intensiv“. Beispielsweise Yoga oder mal eine Runde joggen. Den Körper völlig auspowern mit einem Ultra-Marathon sei für die Lust fast noch schädlicher, als gar keinen Sport zu machen.

Rituale für mehr Lust auf Sex

Sowohl Männer als auch Frauen können sich Zeit für den eigenen Körper nehmen. Sich selbst oder aber auch vom Partner sich massieren lassen, kann ein Ritual sein, das dabei hilft, den Körper neu zu entdecken – und zu fühlen, dass Berührungen sehr schön und sinnlich sein können.

Rituale können zu jedem Zeitpunkt eingebaut werden, den ihr wollt. Und sei es auch nur zu knutschen oder zu fummeln, solange der Wasserkocher läuft!

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Mythos: Essen für die Libido?

Ingwer, Austern, aber auch Avocados sollen die Libido in Schwung bringen – aber ob all das als Aphrodisiakum taugt, ist schlicht und ergreifend nicht gut erforscht. Exotisch stimulierende Speisen, die in manchen Ländern angepriesen werden, haben eher mit Traditionen und Mythos zu tun als mit einem wissenschaftlich nachweisbaren Effekt. Die seriöse Forschungslage dazu ist also dünn.

Zwar gibt es Lebensmittel, in denen auf natürliche Weise Sexualhormone vorkommen – allerdings in so geringen Dosen, dass dies keinen Effekt haben dürfte. Scharfes Essen beispielsweise regt die Durchblutung an.

Letztlich läuft es bei der Lust am Sex „durch Essen“ eher auf die Umstände raus: Ein cooles Candlelight-Dinner beispielsweise kann romantisch sein, entspannend und führt schon aufgrund der Umstände Partner näher zusammen. Und ganz im Ernst: Entspannte Romantik hat noch keinem Vorspiel geschadet.

Die Sexualität findet hauptsächlich zwischen den Ohren und nicht zwischen den Beinen statt.

Mehr Tipps und Tricks fürs Sexleben auch in unserem Podcast Doktorspiele:

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