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Laura ist 27 und hat schon als Teenager gemerkt, dass sie anders ist. Liebesszenen in Filmen sind für sie langweilig, Zungenküsse abstoßend. Jemand attraktiv zu finden, kennt sie nicht – sie ist asexuell.

Laura merkt, dass sie anders ist

Mit 14 oder 15 Jahren war Laura klar, dass bei ihr etwas anders ist als bei allen anderen. Lange bevor sie den Begriff „asexuell“ gehört hat.
„Ich habe einfach festgestellt, dass die Leute um mich herum angefangen haben zu sagen: Der ist irgendwie heiß oder die ist attraktiv oder sexy! Und ich hab nur gedacht: Was für eine Sprache sprecht ihr? Ich versteh das gar nicht. Das ist gar nicht Teil von meiner Welt.

Ich habe einfach nur einen menschlichen Körper gesehen, mit dem ich nichts anfangen konnte. Da hätte genau so gut ein Haus sein können. Drüber gesprochen habe ich aber nicht.

„Eine Zeitlang hab ich auch gedacht, dass ich lesbisch bin.“

Die Veränderung am eigenen Körper während der Pubertät – auch das hat sie total kalt gelassen. „Muss halt so sein. Pubertät ist vom Körper vorprogrammiert. Das passiert jetzt halt.“ Ein Jahr später hat Laura einen Beitrag über eine asexuelle Frau gesehen. Das wurde auch so benannt. Sie fand es interessant, hat den Begriff aber immer noch nicht mit sich in Verbindung gebracht. „Eine Zeit lang hab ich auch gedacht, dass ich lesbisch bin. Für mich gab es damals zwei Optionen. Wenn du nicht an Männern interessiert bist, dann eben an Frauen. Das hab ich mir überlegt und dachte: Ja, das kann schon sein. Irgendwann hab ich dann festgestellt, dass das auch nicht stimmt.

Es ist wichtig einfach zu wissen, dass es nichts Schlimmes ist, asexuell zu sein.

Laura wusste nicht, was „attraktiv“ sein soll

Erst im Studium hat sie erkannt, was mit ihr los ist. Einer war verliebt und sie diskutierten über Mädels, die sie attraktiv finden.

„Irgendwann hab ich dann gefragt, was sie eigentlich mit attraktiv meinen und dachte sie reden von „schön“. Aber sie sagten: Nein, schön ist was anderes als sexuell attraktiv. Dann war klar – das ist das, was ich nicht verstehe. Dann habe ich mich an den Fernsehbeitrag zurückerinnert, hab mal das Internet befragt, bin dann bei Asexualität gelandet und habe verstanden, dass es das ist, was mich ganz gut beschreibt.“ Ihre Familie weiß davon nichts, aber ihren Unifreunden hat sie es erzählt. „Ich habe etwas über mich herausgefunden und das können sie ruhig auch wissen.“ Ihre Freunde haben damit kein Problem genau so wie Laura.

Asexuell zu sein ist für sie okay

„Ich hab mich natürlich schon manchmal gefragt, ob ich mir das nur einbilde, weil es ja schon sehr selten ist. Aber immer wieder habe ich festgestellt, dass ich einfach so bin. Und ich muss das auch nicht ändern – warum sollte ich auch! Es ist ja nicht so, dass man sich dafür entscheidet, abstinent zu leben. Man hat einfach erst gar nicht das Bedürfnis.“

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