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SWR3 Moderator Michael Wirbitzky (Foto: SWR3)

Reisen is‘ grad nich‘. Umso mehr brauchen wir Menschen, die uns die Welt mit ihren spannenden, lustigen oder auch traurigen Reportagen nach Hause holen. Der wichtigste Punkt dabei: Es muss stimmen, was Reporter uns da aus aller Welt berichten. Wo es leider nicht so war, beschreibt Juan Moreno in 1000 Zeilen Lüge. Ein ganz starkes Buch findet Michael Wirbitzky aus der Morningshow.

Es gibt Urlaubsreisen, Bildungsreisen, Abenteuerreisen..... und es gibt Reisen, die gar nicht stattgefunden haben. Die einfach nur erlogen sind. Der Name Claas Relotius steht für den größten Skandal im deutschen Journalismus der  letzten Jahre. Relotius, Lieblingskind des Spiegel und seiner Leser, mehrfach ausgezeichnet mit dem Deutschen Reporterpreis, Überflieger der Branche, hatte seine preisgekrönten Reportagen über Jahre hinweg teilweise oder ganz erfunden. Er beschrieb Orte an denen er nie war, und Menschen, die es so gar nicht gab.

Suche nach Beweisen: Recherche-Reisen auf eigene Faust

Und da ist NOCH eine Art von Reisen. Reisen, um den eigenen Ruf zu retten, die ganze Existenz. Die hat Juan Moreno unternommen. Der gebürtige Andalusier, ebenfalls seit Jahren als Reporter für den Spiegel unterwegs, hat gemerkt, dass etwas nicht stimmt mit Relotius’ Reportagen. Aber anstatt ihn bei der Aufklärung zu unterstützen, wurde er bis in die Chefetagen des Spiegel behindert und beschimpft. Moreno recherchierte trotzdem. Reiste auf eigene Faust. Suchte, verzweifelte oft und gab doch nie auf.

1000 Zeilen Lüge mag die bestätigen, die schnell mit dem Wort Lügenpresse bei der Hand sind. Es ist aber vor allem auch ein Beleg, wie ein exzellenter Lügner wohl jedes System aushebeln kann.

Schwachstellen und Stärken des journalistischen Handwerks

Vor Juan Moreno dagegen kann man nur größten Respekt haben. Er nutzt das Buch nicht zu einer billigen Abrechnung, bleibt immer sachlich, und schreibt absolut uneitel.

1000 Zeilen Lüge zeigt die Schwachstellen des journalistischen Handwerks, durchaus auch seine Stärken. Es zeigt aber zum Beispiel auch warum wir Leser anfällig sind für Lügner wie Claas Relotius. Und es ist auf jeden Fall spannender als viele Krimis.

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