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Über kaum einen Kontinent gibt es so viele Klischees wie über Afrika. Afrikanisches Fieber ist ein Buch über Afrika, nachdem man anders über Afrika denkt. Näher kommt man dem Land wohl nur, wenn man dort lebt.

Über kaum einen Kontinent gibt es so viele Klischees wie über Afrika. Dies hier ist ein Buch über Afrika, nachdem man anders über Afrika denkt. Geschrieben wurde das Buch Afrikanisches Fieber von dem polnischen Journalisten Ryszard Kapuściński, der seine Erfahrungen aus über 40 Jahren gesammelt hat.

Afrika - alleine der Klang dieses Wortes weckt in mir eine Faszination. Besonders Reiseberichte — aber nicht die über Hotspots für Touristen, sondern Geschichten über die Menschen. Über Das Leben. Über die Eigenarten, die Afrika so ausmachen. Ryszard Kapuściński gelingt es, mir ein Land nahe zubringen, wie ich es selbst wohl nie kennen lernen kann.

Der Begriff „Zeit“ ist in Afrika ein anderer als in Europa. Uns drängt die Zeit. Sie gibt den Takt an. Afrikaner können warten. Wir nicht. Wenn ein Afrikaner in einen Bus steigt, fragt er nicht, wann es weiter geht, sondern er sucht sich einen freien Platz und wartet in einer Art Meditation.

In seinem Buch Afrikanisches Fieber wird nicht EINE Geschichte erzählt, sondern einzelne Situationen oder Vorfälle. Die vielen Details lassen dabei ein Bild von Afrika entstehen, was ich nicht kannte. Dabei taucht der Leser ganz tief in die schwüle Hitze des 30 Millionen Quadratkilometer großen Kontinents. Wir begleiten Kapuściński auf der Reise mit einem Lastwagenfahrer durch Äthiopien, um danach mit giftigem schwarzem Staub voll zu sein oder erleben hautnah mit wie Malaria einem Menschen zusetzt oder wie wertvoll ein alter Plastikkanister sein kann. Er kostet nix, ist nicht schwer und kann vor allem alles transportieren.

Afrika wird auch immer wieder erschüttert von Bürgerkriegen, Revolten, Staatsstreichen, Hungersnöten, Warlords, Massakern und gebrochenen Versprechen von politischen Führern. Auch davon handelt das Buch. Eines der wohl schlimmsten Kapitel handelt von dem Völkermord in Ruanda. Diese Passagen tun weh und lassen einen nachdenklich zurück, gehören aber dazu, um Afrika komplett zu sehen.
Kapuściński hat in seinen vier Jahrzehnten als Reporter Freunde gefunden, aber auch grausame Bürgerkriege überlebt, doch was das Buch Afrikanisches Fieber so lesenswert macht, ist der würdevolle und aufmerksame Ton den Ryszard Kapuściński immer trifft. Näher an Afrika kommt man wohl nur, wenn man wirklich dort lebt.

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