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Arne Dahls Bücher sind eigentlich nie einfach zu lesen, aber hier hat er sich übertroffen. Wer gerne Schach spielt oder sich nach den ersten Seiten noch alle Charaktereigenschaften der Protagonisten merken kann, wird das Buch als Herausforderung lieben.

Gail Devers ist Amerikanerin, war eine Weltklasse-Sprinterin und Hürdenläuferin. Und, vor allem, Gail Devers hatte diese eklig langen, gezwirbelten, angemalten Fingernägel, mit denen sie sich beim Start auf der Tartanbahn abstützte. Die über 30jährigen werden sich jetzt erinnern, die anderen googeln sicher gleich.

Diese Gail Devers spielt eine zentrale Rolle in Arne Dahls Roman. Weil es eine leibhaftige Kopie von ihr gibt. Geschaffen von einem Verbrecherring, der Prostituierte auf Wunsch in prominente Schönheiten verwandelt, mit Hilfe der plastischen Chirurgie. Die unechte Gail Devers wird ermordet, zufällig, von jemandem, der es eigentlich auf essgestörte, spindeldürre Mädchen abgesehen hat. Die verschwinden reihenweise spurlos, bis auf einen abgemagerten Arm mit einem implantierten Chip, den man in einem Wohnzimmer findet. Ein Serienmörder mit anorektischem Beuteschema. O.k. dann ist da aber noch der Geheimagent, der spurlos verschwindet und hinter jemandem her war, der irgendwie auch irgendwas mit dem Gail-Devers-Double zu tun hatte. Die Hauptfigur macht sich nebenbei noch Gedanken über den Massenmord im Sudan, oder darüber, dass der Staat mittlerweile die komplette Kontrolle über seine Bürger hat, dank Social Media und GPS.

Bisschen viel auf einmal? Fand ich auch. Aber abschalten gibt’s nicht. Weiter geht es mit Schilderungen von Greueltaten im ehemaligen Jugoslawien. Und während man darüber noch nachdenkt, kann man sich nicht auch noch den Inhalt der drei Seiten merken, die man danach gelesen hat. Am besten fängt man das ganze Kapitel wieder von vorne an. Oder man macht sich eine Zeichnung.

Arne Dahls Bücher sind eigentlich nie einfach zu lesen, aber hier hat er sich echt übertroffen und für meinen Geschmack zu viel reingestopft. Wer gerne Sudoku spielt oder Schach und wer sich nach den ersten 39 Seiten von Bußestunde alle dort aufgeführten Charaktereigenschaften der Protagonisten, samt ihrer derzeitigen und ehemaligen Beziehung zueinander merken kann, der wird die Bußestunde als Buch und Herausforderung lieben. Ich bin nach der Lektüre erschöpft in meinen Buchladen gegangen und habe mir was ganz einfaches gekauft. Zum Runterkommen. Was mit einem Opfer, einem Kommissar und einem Mörder.

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