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Phantastisch, ironisch - seltsam

Das Buch hab ich mir nur gekauft wegen einem Satz. Der steht hinten auf dem Einband: „Ich sitze nackt auf Anna Frances Bett und unterhalte mich mit einer Bullterrier-Hündin, die mir erzählt, dass sie morgen kein Bullterrier mehr ist.“

Bis unser Held Thomas allerdings diesen denkwürdigen Satz sagen kann, hat er bereits Einiges hinter sich. Zum Beispiel eine unglückliche Kindheit. Sein Vater war ein großer amerikanischer Filmstar und Thomas hatte darunter als Kind ziemlich zu leiden. Deshalb hat er auch die fantastischen Kinderbücher von Marshall France geliebt. Diese Geschichten haben ihm später den Therapeuten erspart und faszinieren ihn als Erwachsenen immer noch.

Um seinem recht langweiligen Dasein als Lehrer für englische Geschichte zu entkommen, beschließt Thomas, eine Biografie seines großen Helden zu schreiben. Dafür reist er in den Ort Galen, in dem Marshall France bis zu seinem Tod gelebt hat, um sich bei dessen Tochter Anna die Erlaubnis für diese Biographie zu holen. Das klappt auch zunächst alles bestens. Anna erlaubt ihm, das Buch über ihren Vater zu schreiben, und auch die Einwohner von Galen sind recht nett und zuvorkommend.

Morbide Gelassenheit bei den Bewohnern

Aber dann merkt Thomas, dass die Leute in Galen anders sind. Nicht nur, dass einige von ihnen tatsächlich die lebenden Vorlagen für die Personen in Frances Büchern waren - die Leute dort reagieren zum Beispiel auf Schicksalsschläge auch etwas sonderbar. Als ein kleines Kind vor Thomas Augen überfahren wird, dreht der schier durch, die Galener allerdings nehmen’s unglaublich gelassen. Viel schlimmer als ein totes Kind scheint für sie die Tatsache zu sein, dass der Fahrer die falsche Person war. Seltsam? Allerdings. Und es wird noch seltsamer.

Als Thomas endlich dahinter kommt, was es mit diesem Ort und seinen Einwohnern auf sich hat, sitzt er schon in der Falle – und redet mit Hunden: „Ich sitze nackt auf Anna Frances Bett und unterhalte mich mit einer Bullterrier-Hündin, die mir erzählt, dass sie morgen kein Bullterrier mehr ist.“

Das Phantastische an Das Land des Lachens kommt nicht mit der Brechstange daher, sondern ganz subtil. Die Geschichte ist wunderbar erzählt, mit viel Ironie - vor allem, wenn Thomas an sich selbst feststellt, dass er hier und da ’ne kleine Macke hat. Trotzdem wächst er im Verlauf der Story über sich hinaus und wird fast schon so was wie ein kleiner Held. So, und jetzt muss ich weg, Jonathan Carroll hat nämlich noch mehr Bücher geschrieben. Sind schon bestellt, mehr darüber demnächst an dieser Stelle.

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