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SWR3-Moderator Bernd Lechler mag eigentlich keine Krimis. Nur die von Raymond Chandler! Die haben so viel Stil – die würde er sogar lesen, wenn er am Ende nicht mal erfährt, wer der Mörder war.

Philip Marlowe ist Privatdetektiv im Los Angeles der 30er Jahre, erfunden von Raymond Chandler. Der hat sieben Marlowe-Romane geschrieben. Der große Schlaf ist der erste, Tote schlafen fest wahrscheinlich der Berühmteste, weil der mit Humphrey Bogart verfilmt wurde. Aber ich liebe sie alle.

Marlowe – ein ehemaliger Polizist, der auf Alkohol und Frauen steht

Ein typischer Satz, der Philip Marlowe auf den Punkt bringt: „Ich brauchte einen Drink, ich brauchte eine hohe Lebensversicherung, ich brauchte Urlaub, ich brauchte ein Häuschen auf dem Land. Was ich hatte, war ein Mantel, ein Hut und eine Pistole.“ Er ist also sehr cool, dieser Marlowe, aber keineswegs ein Schwätzer, eher ein lädierter Romantiker, der das mit sarkastischen Sprüchen tarnt.

Er ist Mitte 30, war mal Polizist, kam mit Chefs nicht klar, arbeitet aus einem bescheidenen Büro am Hollywood Boulevard von L.A., hat immer eine Flasche Whisky im Schreibtisch, und zu Hause spielt er Schach gegen sich selber, denn natürlich ist er Junggeselle - obwohl er regelmäßig mit flatterhaften reichen Töchtern zu tun kriegt. Zitat hierzu: „Sie roch so, wie das Taj Mahal im Mondschein aussieht.“ Ach, könnte man denken, der einsame Wolf mit harter Schale und Alkoholproblem – das kennen wir doch längst. Aber: wir kennen es deswegen, weil sich so viele Krimiautoren bei Marlowe bedient haben.

Ein tougher Privatdetektiv mit Moral

Nur schreibt keiner so gut wie Raymond Chandler. Ich finde, der Stil, die Sprache, das ist eigentlich der Hauptspaß hier, viel mehr als die Fälle, um die es geht. In Der Große Schlaf etwa engagiert ihn ein alter General, der erpresst wird. In Die Tote im See verschwindet eine Frau - und der Titel verrät schon, wo Marlowe sie finden wird -, aber dahinter steckt immer eine viel umfassendere Geschichte, und Marlowe geht’s dann nicht um sein Honorar, er will das lösen - und auch alle raushauen, die da vielleicht gerade unter die Räder kommen. Das zieht er durch, egal, wieviel er aufs Maul kriegt oder draufzahlt.

Unterwegs im Los Angeles der 30er und 40er

Der Mann ist stur, aber überhaupt kein Superheld, er liegt auch mal am Boden: „Nichts ist widerlicher, als wenn Pech in Strähnen kommt. Ich fühlte mich wie ein zerkautes Endchen Bindfaden, ich war ein Sandkorn in der Wüste der Vergessenheit.“ Ich höre ihm einfach wahnsinnig gern zu. Er ist ja immer der Ich-Erzähler, mit dem fährt man durch L.A., durch die Stadt und die Canyons, es ist die Zeit der Wirtschaftskrise, tough und kalt, und Marlowe kämpft fürs Gute. Und es gab da ja keine DNA-Spuren, keine Internetrecherche - er kann nur rausgehen, mit Leuten reden und sich seine Gedanken machen. Und weil’s nicht in erster Linie um die Spannung und die Auflösung geht, kann man das immer wieder lesen. Noch ein Zitat zum Abschluss: „Tote Männer sind schwerer als gebrochene Herzen.“

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