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Sandra Tiersch
Sandra Tiersch (Foto: SWR3)

Ein Buch über eine Reise zu den geheimnisvollen Seenomaden im tropisch warmen Meer Südostasiens: Ideal, um an einem Winterwochenende ohne Flugticket wenigstens mit dem Kopf ganz gechillt in eine ferne, fremde Welt abzutauchen.

Ein Blick aus einem schmalen Holzboot auf ein ruhiges, türkisblaues Meer, Korallen im glasklaren Wasser und am Horizont: Hütten auf Stelzen. An dieses Buchcover musste ich sofort denken, als das Thema des aktuellen Lesetages ans SWR3-Team ging: Reisen, Länder, Fernweh.

Die schwierige Suche nach den Nomaden des Meeres

Das Buch mit dem Sehnsuchts-Cover habe ich vor rund 10 Jahren das erste Mal gelesen. Es wurde 2002 von der Deutschen Milda Drüke geschrieben, die darin ihre wahren Erlebnisse schildert. Mit Mitte 30 gab sie ihre Karriere auf, um um die Welt zu segeln. Die Sehnsucht nach dem offenen Meer ließ die Autorin und Fotografin danach nicht wieder los. Die Beschreibungen eines Ethnologen entfachten in ihr den irrationalen Wunsch, die geheimnisvollen Seenomaden zu finden und mit ihnen zu leben. Bajos, so heißen diese Menschen in Indonesien, die ihr Leben in kleinen überdachten Booten auf dem Meer verbringen und sich nur dort sicher fühlen.

Und hier beginnt die Reise: Milda packt ihre Tasche, lernt die Sprache, fliegt mit unklarem Ziel nach Indonesien und startet ihre Suche auf der verbotenen Vulkaninsel Lalalu. Detailreich und lebensnah beschreibt sie die Eigenheiten der fremden Kultur, des Klimas und die Begegnungen mit hilfsbereiten Menschen, durch die sie schließlich echte Seenomaden aufspüren kann.

Leben mit Fremden auf kleinen Booten

Die Menschen des Meeres haben Namen wie Pak Puing und Ibu Hastuti, wirken sanft, scheu, aber neugierig. Sie nehmen die fremde weiße Frau tatsächlich mit auf ihre Boote und in ihre windschiefen Bambushütten über dem Meer. Ein hartes, aber zufriedenes Leben, dass ich mit den Augen der Autorin beobachten kann. Die Seenomaden fangen Meerestiere mit der Hand oder selbstgemachten Harpunen, tauschen einen Teil gegen Zucker, Kaffee und Tabak. Sie teilen alles mit ihr – das wenige Süßwasser und Essen – aber amüsieren sich, wenn sie „Danke“ sagt. Denn in dieser Gesellschaft, in der JEDER ALLES selbstverständlich mit jedem teilt, scheint das unnötig und deshalb komisch.

Solche alternativen Weltbilder faszinieren mich. Zusammen mit der Autorin staune ich über das artistische Körpergefühl der Bajos, über ihre unglaubliche Fähigkeit, sich ohne Technik auf dem Meer zu orientieren, aber auch über ihre abergläubische Angst vor Geistern an Land. Und ich bin begeistert: Die Seenomaden lachen unheimlich viel, sind extrem gelassen ihren Kindern gegenüber und leben völlig im Augenblick.

Klingt zu schön, um wahr zu sein? Was Gegenwart und Zukunft betrifft leider ja. Obwohl in dem Buch von 2002 das Thema Plastikmüll im Meer noch winzig scheint, ist von Dynamitfischerei die Rede und wie das autoritäre Regime versucht, die freiheitsliebenden Bajos sesshaft zu machen und zum Besuch von Schulen und Moscheen zu zwingen.

Ideal zum Chillen

Für Freunde von Action und Spannung ist dieses Buch nichts. Doch für mich war es auch beim zweiten Lesen ideal, um ein Wochenende lang in eine Welt ohne Handys und Zeitzwänge abzutauchen. Durch die einfache Erzählung der Reise konnte ich die zeitlose Ruhe nachempfinden, die die Menschen des Meeres ausstrahlen müssen. Und es ist wie Meditation, sich die Hitze der Tropen vorzustellen, so wie Milda Drüke sie beschreibt:

sinnlich, erschöpfend und geheimnisvoll schön.

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