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Rentner Harold führt ein fades Leben. Mit einem Brief an seine krebskranke frühere Kollegin macht er sich auf den Weg zum Briefkasten und läuft dann einfach immer weiter. Lesenswert für alle, die loslaufen wollen, um anzukommen.

Harold Fry hat sich in seinem faden Leben eingerichtet. Seit ein paar Monaten ist der ehemalige Mitarbeiter einer Brauerei in Rente und sitzt von morgens bis abends mit seiner Frau Maureen in ihrem Häuschen in Südengland, in dem sie schon seit ihrer Hochzeit vor 45 Jahren wohnen. Die beiden haben sich schon lang nix mehr zu sagen. Seine Frau putzt das Haus oder schreibt Briefe an ihren Sohn. Harolds Bewegungsradius beschränkt sich aufs Rasenmähen und Müll rausbringen. Die einzige Veränderung, die er bemerkt ist, dass sein Bauch immer dicker und sein Haar immer dünner wird.

Mit einem Brief kommt auf einmal Bewegung in seine fade Alltagsroutine. Er ist von Queenie, seiner früheren Arbeitskollegin, von der er seit 20 Jahren nichts mehr gehört hat. Queeny schreibt, dass sie Krebs hat und in einem Hospiz an der schottischen Grenze im Sterben liegt. Harold fällt die Antwort auf den Abschiedsbrief schwer, schließlich kratzt er zweieinhalb dürftige Sätze zusammen: "Liebe Queenie, danke für Ihren Brief. Es tut mir sehr leid. Alles Gute - Harold".

Mit seinem Brief in der Jackentasche macht er sich auf zum nächsten Briefkasten am Ende der Straße. Dann zum nächsten Briefkasten ein Stück weiter, dann bis zur Post. Und dann läuft er einfach weiter, so wie er ist, in Hemd und Krawatte und Segelschuhen, zu Fuß, 87 Tage lang, 1000 Kilometer weit, bis nach Berwick an der Grenze zu Schottland, zu Queeny - weil er glaubt, dass er sie so retten kann, mit jedem Schritt, den er geht. Damit Queeny das auch erfährt, ruft Harold im Hospiz an und lässt ihr ausrichten, dass er unterwegs ist und sie auf ihn warten soll.

Auf seinem Weg trifft Harold einen Hund und die verschiedensten Menschen, die sich ihm anschließen und mit ihm laufen, manche nur ein paar Kilometer, andere bleiben hartnäckig dabei und folgen ihm wie einem Guru, was Harold ziemlich unangenehm ist. So, wie seine Jünger hinter ihm her traben, erinnert das ein bisschen an Filme wie "Das Leben des Brian" oder an "Forest Gump".

Unterwegs erfahren wir Schritt für Schritt was los ist mit Harold, mit seiner Ehe und mit seinem Sohn und was Queeny eigentlich damit zu tun hat und wir begleiten ihn auf seiner langen Reise zu Queeny und auch zu sich selbst. "Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry" ist mal lustig und traurig und auch mal ein bisschen weise. Das Buch ist ein echter Schatz in meinem Bücherregal und lesenswert für alle, die loslaufen wollen, um anzukommen.

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