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Die Geschichte von Pablo Escobar wird nicht chronologisch, sondern an Fotos entlang erzählt. Archivfotos der Polizei, von Zeitungen, von Escobars Leibfotograf - sie machen das Buch trotz der unendlichen Gewalt so faszinierend.

Am 18. August 1989 wird in Medellin der Polizist Waldemar Quintero erschossen. Quintero hat während einer Vernehmung von Pablo Escobars Ehefrau der fünfjährigen Tochter verboten, ihre Flasche Milch zu trinken. Quintero ist ein Mann ohne Furcht. Er weiß, dass Pablo Escobar schon für weniger getötet hat und er bezahlt mit seinem Leben, wie Tausende andere auch. Pablo Escobar war der vielleicht größte Verbrecher, den die Welt je gesehen hat. Er machte aus dem Kokainhandel eine Industrie und kontrollierte den Welthandel. Wer ihn an einem Geschäft nicht freiwillig beteiligte, den ließ er töten.

Das ist der häufigste Satz in diesem beeindruckenden Buch: Escobar ließ ihn oder sie umbringen. Seine Opfer waren Nachbarn, die ihm ihr Land nicht verkaufen wollten, Justizminister, Freunde, Feinde, Geschäftspartner, alle. Zeitweise hatte er auf jeden Polizisten Kolumbiens ein Kopfgeld ausgesetzt. Escobar hat junge Kerle losgeschickt und sie in dem Glauben gelassen, sie hätten ein Tonbandgerät dabei. Und als sie die Aufnahme-Taste drückten, zündeten sie damit eine Bombe, die sie selbst tötete und ihre Gesprächspartner, auf die es Escobar eigentlich abgesehen hatte. Er war vollkommen ohne Skrupel, aber vor einer Sache hatte er panische Angst: Vor einer Auslieferung an die USA. Deshalb erklärte er dem Staat Kolumbien den Krieg und mordete, bis die Regierung das Auslieferungsabkommen wieder kassierte.

Der Autor James Mollison ist Fotograf. Er erzählt die Geschichte von Pablo Escobar nicht chronologisch, sondern an Fotos entlang. Archivfotos der Polizei, von Zeitungen, von Escobars Leibfotograf. Und diese Bilder machen dieses Buch trotz der unendlichen Gewalt so faszinierend. Allein das Bild, das in der Wohnung seiner Mutter hängt und Escobar als überirdischen Wohltäter zeigt, lässt den Irrsinn dieser Lebensgeschichte erahnen. Seine Mutter hielt ihn für unschuldig. Auf einem der letzten Fotos liegt der aufgedunsene Leichnam Escobars auf einem Ziegeldach. Über ihm knien Mitglieder der Sondereinheit, die ihn ebenfalls ohne Skrupel gejagt hat. Sie lächeln. Aber in ihren Augen ist zu sehen, dass sie froh sind, diesem Menschen niemals lebend begegnet zu sein.

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