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Ist es ein spontaner Vorfall oder ein geplanter Angriff? Sicher ist, dass der erzkonservative Präsidentschaftskandidat Packer mit seinem Stab durch den Park spaziert, als er plötzlich von dieser alten Frau angeschrien und mit Kieseln beworfen wird. So beginnt Geister.

Der Packer-Attacker: So nennen die Medien die alte Dame und schnell finden sie heraus, dass sie schon vor 50 Jahren gegen den Vietnamkrieg protestiert hat und auch wegen Prostitution im Gefängnis war. Shitstorm der Extraklasse. Für jeden Konservativen ist sie ab jetzt der Staatsfeind Nummer 1.

Für Samuel ist es noch schlimmer, sie ist nämlich seine Mutter. Er soll jetzt zu ihrer Verteidigung einen öffentlichen Brief schreiben, was für eine tolle Mutter und tolle Frau sie sei. Schwierig, weil er seit mehr als 20 Jahren nichts von seiner Mutter gehört hat. Weil sie ihn im Stich gelassen hat, als er ein Kind war. Sie war einfach davon gedriftet.

Unmerklich, langsam, Stück für Stück. Sie reduzierte ihre Existenz, bis sie nur noch sich selbst entfernen musste. Am Tag, an dem sie verschwand, verließ sie das Haus mit einem einzigen Koffer.

Samuel hat sich seinen Weg durchs Leben ganz allein erarbeitet. Ist Schriftsteller geworden und Literaturprofessor und kommt ganz gut klar. Aber jetzt muss er sich mit den Geistern seiner Vergangenheit auseinandersetzen.

Dickes Buch über schicksalshafte Entscheidungen im Leben

Mit den Kieselsteinangriff und Samuels Geschichte geht’s los, aber dann explodiert der Roman geradezu und Nathan Hill erzählt auf fast 900 Seiten viele kleine Geschichten von dutzenden Leuten über einen Zeitraum von mehr als 50 Jahren, die alle auf irgendeine Art miteinander verbunden sind.

Ein großer und ein großartiger Gesellschaftsroman, über das Leben und über Entscheidungen. Die die wir treffen, und die die wir hätten vielleicht treffen sollen. Und wem 900 Seiten zu viel Buchstaben sind, ich kann jedem das Hörbuch von Uve Teschner empfehlen, 23 Stunden, die noch viel länger im Kopf bleiben.

Weitere Rezension des Buches von SWR3-Redakteur Klaus Sturm lesen

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