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Dieser dicke Wälzer handelt von einer skurilen Frau und ist alles in einem: Detektivgeschichte im Popmusikbusiness, persönliche Erfahrung mit Depressionen und es geht auch um die Liebe.

Autorin Marian Keyes liebt es, dicke Bücher über eine irische Familie zu schreiben, immer aus der Sicht eines Familienmitglieds. In Glücksfall geht es um Helen, die Jüngste der Familie.

Helen Walsh ist Privatdetektivin und sie ist ein bisschen skuril. Sie liebt Wandfarben, die Toter Wal und Fäulnis heißen, sie schläft in einem Bett, das aus einem Kloster stammt und sie liegt gerne bei fremden Menschen auf dem Fußboden. Dann verliert sie ihre Aufträge und ihre Wohnung und muss wieder bei ihren Eltern einziehen, die abends nur noch Kuchen essen und so gar keine Lust auf ihre Tochter haben. Das alles ist sehr lustig zu lesen, auch als Helen einen neuen Job bekommt - sie soll das vermisste Mitglied einer Boyband suchen, die in ein paar Tagen zum ersten mal wieder gemeinsam auftreten soll. An dieser Stelle des Buches hab ich sehr gelacht, als Helen Walsh die restlichen Boys aus der Band befragt, wo ihr Kumpel stecken könnte, beim Brotbackkurs oder Sushirollen, beim Pastetenwettessen in North Tipperary oder fotografiert er Ginsterbüsche in Connemara?

So abgedreht wie Helen ist, so schreibt auch Autorin Marian Keyes. Aber dann mischt sich noch etwas anderes ins Buch. Denn Privatdetektivin Helen hat Depressionen und das ist natürlich gar nicht komisch. Sie war in einer Klinik, hat versucht, sich umzubringen. Das erzählt Marian Keyes mit der großen Traurigkeit einer Betroffenen. Aber wenn sie dann beschreibt, wie Helen mit lauter Erdbeeren in Dosen in den Taschen ins Wasser gegangen ist und dass ihr Psychologe aussieht, wie ein Elfjähriger, dann schafft sie es, eine Heiterkeit in ein ernstes Thema zu bringen, die wirklich bewundernswert ist und zeigt: Ja, auch das kann Realität sein. Und so ist der dicke Wälzer "Glücksfall" alles in einem - Detektivgeschichte im Popmusikbusiness, persönliche Erfahrung mit Depressionen, es geht auch um Liebe und immer wieder um Mama Walsh, die alles über die Boyband weiß und gerne mal Nacktfotos vom Liebsten ihrer Tochter in der Wäsche findet. Es ist nicht die Art von Autorin Marian Keyes, Happy End unter ihr Buch zu schreiben. Bei ihr gewinnt Hauptperson Helen eine Dose Kidneybohnen bei einer Tombola und weiß: Besser kann der Tag nicht werden.

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