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Helge Timmerberg ist schon mit siebzehn von Bielefeld nach Indien getrampt, hat in Havanna und in Marrakesch gelebt, dazwischen die Welt bereist und Artikel und Bücher darüber geschrieben. Eines heißt In 80 Tagen um die Welt, da reist Timmerberg in etwa auf der Route, die der Held im gleichnamigen Roman von Jules Verne aus dem Jahr 1873 absolviert.

Das Buch ist schon älter, von 2008, aber ich mochte es sehr, und als ich jetzt fürs Drüber-Erzählen an ein paar Stellen nur kurz nochmal reingucken wollte, blieb ich jedes Mal hängen und hab‘s quasi wieder durchgelesen. Liegt vielleicht am Corona-bedingten Fernweh? Da liest sich eine an sich ereignislose Fahrt von Brindisi nach Athen auf einer gerammelt vollen Fähre ja wie Science Fiction. Aber vor allem liegt es daran, dass Helge Timmerberg so toll schreibt.

Freude an Details, schrägen Menschen und Sinnfragen

Man sieht alles sofort vor sich. Er kann lustig und traurig, interessiert sich für Menschen, besonders die schrägen und schillernden. Er hat ein Auge für scheinbar banale Details und einen Sinn für die großen Fragen des Lebens. Zum Beispiel: Hab ich eigentlich noch Lust zu reisen? Der Mann kennt die Welt ja längst, und so verbringt er seinen Zwischenstopp in Hongkong im Hotelzimmer, trinkt Bier und schaut im Fernsehen Clint Eastwood. In Venedig sieht er vor lauter Touris die Kanäle nicht, und die Strecke Bombay-Kalkutta absolviert er lieber bequem mit dem Flugzeug, obwohl sein auftragsgemäßes Vorbild Phileas Fogg aus dem Roman von Jules Verne da im Zug die Frau seines Lebens trifft. Nicht übel, denkt Timmerberg, aber dafür 32 Stunden in einem indischen Zug?

Die Welt durch den Augen eines lässigen Travellers sehen

Im Grunde geht es eh weniger um ferne Länder und mehr um die Gedanken, die er sich darüber macht. Über Körperkontakt in Tijuana nach dem distanzierten Tokio; die Einsamkeit des Travellers, die sich in Marokko anders anfühlt als in Shanghai; über die Synchronstimme von Tom Cruise, den Rat eines indischen Gurus, das enttäuschende Havanna, das belebende Berlin.

Manchmal ist er mir ein bisschen zu sehr Althippie und sinniert zu viel übers Kiffen, aber es ist doch beeindruckend, wie frei dieser lässige Typ ist. Und die Welt 280 Seiten lang durch seine Augen zu sehen, das tut irgendwie gut.

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